Finnlands Kohlausstieg verdoppelt Kapazität der Atomenergie

Die Kernkraft scheint in Finnland eine glänzende Zukunft zu haben. [Aija Lehtonen / Shutterstock]

Finnland ist auf dem Weg in eine entkarbonisierte Zukunft und plant die Erhöhung der Kohlendioxidsteuern und die Einführung entsprechender Gesetze im Jahr 2018. Damit soll das Ende der Kohlekraft eingeleitet werden. Jetzt hoffen  Kernkraftanbieter auf eine neue Chance.

Der Leiter der finnischen Energieabteilung, Riku Huttunen, sagte gegenüber Reuters, dass Finnland plant, die Kohleenergie bis 2030 abzuschaffen und dass im nächsten Jahr mit der Gesetzgebung begonnen wird.

Finnland steht an der Spitze aller nordischen Länder bei der Kohlenutzung, mit einem fossilen Brennstoffanteil von etwa 10% an der Stromversorgung. Huttunen fügte hinzu, dass die neuen Regeln einen „Handlungsspielraum“ lassen werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das heißt, Kohlekraftwerke könnten im Falle von Stromausfällen am Netz bleiben.

Um die dadurch entsehende Lücke zu schließen, muss Finnland die Energiemenge aus anderen Brennstoffquellen erhöhen. Unter anderem durch die Kernenergie. In den Jahren 2018 und 2024 sollen zwei neue Reaktoren ans Netz gehen. Das ist ein weiterer Schritt Helsinkis, sich von russischen Energieimporten unabhängig zu machen. Zurzeit importiert Finnland 66 Prozent der Kohle aus Russland.

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Die EU-Kommission bereitet eine Überarbeitung der Regeln für staatliche Beihilfen im Energiebereich vor. Ein Entwurf der neuen Regeln sieht Einschränkungen zur Förderung der Erneuerbaren Energien vor und ermöglicht Subventionen für den Neubau von Atomkraftwerken.

Finnland nutzt Kernkraft, um etwa 30 Prozent seines Energiebedarfs zu decken. Die World Nuclear Association (WNA) zählt die finnischen Reaktoren zu den weltweit effizientesten, die bis 2015 eine Kapazität von bis zu 60 Prozent erreichen könnten, wenn alle aktuellen Projekte abgeschlossen werden.

Doch diese Rechnung könnte für Finnlands nicht aufgehen, da das benachbarte Schweden zwei seiner eigenen Reaktoren schließt und somit weniger Strom über die zwischen den beiden Ländern miteinander verbundenen Energienetze fließen wird.

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Der deregulierte nordische Energiemarkt braucht zusätzliche Energiequellen, da er weitgehend auf die Wasserkrafterzeugung angewiesen ist und es daher zu Engpässen kommen könnte.

Schweden ist das einzige Land der Welt, das mehr als einen Atomreaktor pro Million Einwohner hat. Doch die öffentliche Stimmung gegen die Atomenergie wächst stark. Diesem Druck gab der schwedische Gestzgeber 2010 nach und legte fest, dass neue Atomkraftwerke nur gebaut werden können, um stillgelegte zu ersetzen und das nur an denselben Standorten.

2015 wurde mit dem Anstieg der Energiesteuer der Druck weiter erhöht. Aus diesem Grund beschloss das staatliche Unternehmen Vattenfall, die geplante Schließung zwei seiner Reaktoren statt innerhalb von zehn Jahren auf drei und fünf Jahre zu beschleunigen.

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