EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

09/12/2016

Erneuerbare Energien: Sichere Anlage auf instabilen Märkten?

Energie und Umwelt

Erneuerbare Energien: Sichere Anlage auf instabilen Märkten?

Ein deutscher Windpark.

[mLu.fotos CC BY 2.0/Flickr]

Wer angesichts der bestehenden Marktschwankungen mit seinen Investitionen auf Nummer sicher gehen will, setzt auf erneuerbare Energien. Das zumindest besagt  eine aktuelle Studie von Ernst and Young. EurActiv-Kooperationspartner edie.net berichtet.

Erneuerbare Energien bleiben europaweit eine attraktive Anlageoption, zeigt der aktuelle Bericht „Power transactions and trends“ des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst and Young (EY). Diesem zufolge beliefen sich in Europa die Geschäfte mit erneuerbaren Energien im zweiten Quartal 2016 auf 3,53 Milliarden Euro. EY-RES-deals

Anreiz für Investitionen in saubere Energien sei vor allem der steigende Trend hin zu einer CO2-armen Wirtschaft, dem die meisten Industriestaaten nacheifern. Hinzu komme die steigende Nachfrage in den Schwellenmärkten.

„Angesichts der sektoralen und weltweiten Schwankungen ist es verständlich, wenn Käufer noch immer nach sicheren Anlageoptionen suchen. Regulierte Netzvermögenswerte und die Stromerzeugung mithilfe erneuerbarer Energieträger bleiben für viele Anleger weltweit wichtige Investitionsobjekte“, heißt es in der Zusammenfassung des Berichts.

Brexit-Poker

Investoren interessieren sich vor allem für saubere Energieanlagen, die durch Stromabnahmevereinbarungen gesichert sind. Diese garantieren EY-Statistiken zufolge langfristige und stabile Renditen.

Die Regierungsförderung scheint in ganz Europa zu variieren. Die Bundesrepublik folgt dem Beispiel Großbritanniens, indem sie Fördergelder für Erneuerbare abzieht, während sich Frankreich und Italien neue Finanzierungsziele gesteckt haben.

EY geht davon aus, dass einige Anleger ihr Kapital von jenen Ländern, die ihre regulativen Anreize zurückschrauben, in solche verlagern werden, die „eine investitionsfreundlichere Umgebung“ bieten.

Die Unsicherheit über die Folgen des anstehenden Brexits drohen, geplante Investitionen und die Finanzierung der Energieinfrastruktur in Großbritannien zu verzögern, warnt EY. Vor allem, weil Investoren womöglich aufgrund der Uneindeutigkeit der langfristigen Energiestrategie Londons höhere Renditen fordern werden.

Regionales Wachstum

Der Bericht zeigt, dass die Portfolios zu Energie-Investitionen weltweit immer diversifizierter werden. Besonderes Interesse liege dabei jedoch auf den Erneuerbaren und dem Potenzial neuer, bahnbrechender Energietechnologien wie der erhöhten Stromspeicherung in Batterien.

Ein Großteil der Investitionen im asiatisch-pazifischen Raum geht auf die gesteigerte Nachfrage nach Verträgen zur Erzeugung von Wärmekraft und sauberen Stromproduktion zurück – vor allem in China und Indien. Doch auch in Afrika und dem Nahen Osten nehmen Investitionen in erneuerbare Energien zu. EY gibt einen positiven Ausblick für Afrika. So soll dort nicht nur die Energienachfrage steigen. Auch Fördermaßnahmen der Regierungen werden den Erwartungen nach weitere Investitionen in der Region mobilisieren.

Auf dem gesamtamerikanischen Kontinent bleibt die Konsolidierung in den USA wichtiger Investitionsmagnet. Sowohl in Nord-, Mittel- und Lateinamerika versucht man, die neuen Chancen zu nutzen, die sich aus den jüngsten Energietechnologien ergeben. Dies treibt die Branchenkonvergenz voran. Bestes Beispiel hierfür ist die Fusion von Tesla und Elon Musks Solar City. In den USA werden die Investitionen in erneuerbare Energien wahrscheinlich weiter anwachsen, nun, da die Regierung ihre Klimaziele hochgeschraubt hat. Bis 2025 sollen 50 Prozent des dortigen Strommixes aus sauberen Energiequellen stammen.

Grüne Investitionen

Fortschrittliche, günstige Technologien dienen weltweit als  Motor für Investitionen in erneuerbare Energien. Diese wiederum treiben den Übergang hin zu einer CO2-armen Wirtschaft an.

Im zweiten Quartal dieses Jahres investierten Anleger insgesamt 61,5 Milliarden Dollar in saubere Energie. Damit liegen die Investitionen um 32 Prozent hinter den 90 Milliarden Dollar des Vorjahreszeitraums zurück, wie aktuelle Daten von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) zeigen.

Ein von der UN geförderter Bericht hält fest, dass erneuerbare Energieträger 2015 mehr zum Kapazitäts-Ausbau beitrugen als alle anderen Technologien zusammen. Weltweit wurden in jenem Jahr 286 Milliarden Dollar in die Erneuerbaren gesteckt.

Auf nationaler Ebene jedoch läuft Großbritannien Gefahr, die wirtschaftliche Chance neuer globaler Investitionen zu verpassen. Die Position des Landes auf dem Markt für erneuerbare Energien wird zunehmend schwächer. So fiel das Vereinigte Königreich vom zweiten Platz 2007 auf den mittlerweile 13. Rang. Grund für das schlechtere Abschneiden waren unerwartete Kehrtwendungen in der Umweltpolitik und die andauernde Unsicherheit über den Stellenwert der Erneuerbaren im britischen Energiemix.

Weitere Informationen