Studie: Energieeffizienz und Erneuerbare bringen Vorteile in Milliardenhöhe

Weltweit werden bis 2040 etwa 7,8 Billionen Dollar in erneuerbare Energien investiert. [Foto: Shutterstock]

Die Klima-Uhr tickt. Sollen die Vereinbarungen der Pariser Klimakonferenz eingehalten werden, muss es auf internationaler Ebene einen ordentlichen Ruck gegen fossile Energieträger und für die erneuerbaren Energien geben. Der heute eröffnete „Berlin Energy Transition Dialogue“ will ein Zeichen setzen und hat reichlich Neues im Gepäck.

Ein Viertel der deutschen Treibhausgase stoßen alleine die 30 größten Kohlekraftwerke aus. Der Kohlehunger von Industriestaaten wie den G20 führt weltweit zu dramatischen Schäden an Umwelt und Menschen. Verbände der erneuerbaren Energien und Umweltorganisationen fordern schon lange, Rückgrat gegen die übermächtigen Energiekonzerne zu zeigen.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), der als Wirtschaftsminister seine Hände schützend vor die Kohleindustrie hielt, will nun die deutsche G20-Präsidentschaft dazu nutzen, der deutschen und der internationalen Energiewende einen ordentlichen Schub zu geben. Vor den Gästen des „Berlin Energy Transition Dialogue“ – Minister, Wirtschaftsvertreter und Verbände aus mehr als 93 Staaten –  hielt er ein Plädoyer für die Energiewende mit einem Augenzwinkern an die USA: „Energiepolitik ist kein Thema, das sich in nationalen Grenzen besprechen lässt. Den Klimawandel bekämpfen wir nicht mit Zäunen und Abschottung, sondern mit internationaler Zusammenarbeit. Wir brauchen den Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft – und das über Landesgrenzen hinweg.“

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Gemeinsamer Bericht von IEA* und IRENA**: Hände weg von Kohle & Co. 

Im Vorfeld des G20-Gipfel im Juli sieht sich die Bundesregierung in der Pflicht, die Regierungen erneut auf die Pariser Klimaziele einzunorden und Gegnern der Energiewende von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das geht im Hinblick auf die amerikanische Klimapolitik wohl am ehesten über den Nachweis, dass eine Verzögerung der Energiewende zu Gunsten fossiler Energieträger erhebliche Investitionsverluste mit sich bringt.

Insofern ist es als Erfolg des deutschen Wirtschafstministeriums zu werten, dass es erstmals die Internationale Energieagentur (IEA) und die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) zusammengebracht hat, um diesen Beweis in einer neuen Studie anzutreten.

„Trump versucht offenbar, entgegen allen wissenschaftlichen Fakten klimapolitisch die Uhr zurückzudrehen. Vor diesem Hintergrund ist es ein starkes Signal, wenn die beiden Organisationen mit ihrem sehr unterschiedlichen Hintergrund gemeinsam betonen, dass massive und weiter ansteigende Investitionen in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz nicht nur für die Erreichung der Klimaziele notwendig sind, sondern darüber hinaus milliardenschwere ökonomische Vorteile bringen“, so Rainer Hinrichs-Rahlwes, Vorstandsmitglied beim Bundesverband Erneuerbare Energie e.V., gegenüber EURACTIV. „Eine Verzögerung wird sehr teuer“, so Hinrichs-Rahlwes.

Die Studie mache deutlich, dass eine Verschleppung der globalen Energiewende das Risiko verlorener Investitionen in fossile Energien – sogenannter „stranded investments“ –  drastisch erhöht. Diese im Grunde bekannte, in der Studie erneut belegte Aussage sei ein starkes Argument dafür, dass auch Deutschland aus der Kohle aussteigen müsse – und das möglichst schnell. „Die Zahlen aus der Studie machen sehr deutlich, dass jede Investition in weitere fossile Kraftwerke oder gar neue Tagebaue für Braunkohle nicht nur klimapolitisch unverantwortlich ist, sondern auch ökonomisch wider besseres Wissen Milliardenverluste in Kauf nimmt“, so Hinrichs-Rahlwes.

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Eine Abkehr von der fossilen Energie könnte laut INRA-Angaben hingegen zu einer Steigerung des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,8 Prozent (1,6 Billionen US-Dollar) bis zum Jahr 2050 führen – ausgehend von einer Steigerung der betrieblichen Effizienz durch neue Technologien sowie durch sinkende Kosten bei der Energiegewinnung aus den Erneuerbaren. Hinzu kommt das ungeheure Potential an neuen Arbeitsplätzen der Energiewende, die das der fossilen Brennstoffgewinnung mehr als kompensieren wird.

Eines macht die Studie ebenfalls deutlich: Jede weitere Minute, um die die globale Energiewende verschleppt wird, bedeutet für die Volkswirtschaften verlorene Einnahmen. Und sollte dies kein Argument für die egierungschefs der G20 sein, bleibt da immer noch die eingegange Verpflichtung die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

„Auch wenn 2017 aufgrund der Bundestagswahlen vielleicht nicht das Jahr für mutige Entscheidungen ist, so setze ich doch darauf, dass die nächste Bundesregierung endlich klare Signale setzt und den Ausstieg aus der Kohle, Öl und anderen fossilen Energieträgern endlich anpackt und den Ausbau erneuerbarer Energien weiter beschleunigt“, hofft Hinrichs-Rahlwes.

Hintergrund

*IEA-International Energy Agency: Die Internationale Energieagentur wurde 1974 als Kooperationsplattform von 16 Industriestaaten gegründet, um gemeinsam gegen die damalige Ölkrise vorzugehen. Seitdem gehören F&E, Markteinführungen und die Anwendung von Energietechnologien zum gemeinsamen Aufgabenbereich der inzwischen 29 Mitgliedstaaten, inklusive der USA. Zudem verfügt die IEA über Ölreserven, mit denen sie strategisch in den Ölmarkt eingreifen kann. Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 forderte die IEA in ihrem „World Energy Outlook Special Report 2015“, dass Subventionen für fossile Energieträger beendet und Investitionen in Erneuerbare Energien deutlich erhöht werden sollen.

**IRENA-International Renewable Energy Agency: Die Internationale Organisation für erneuerbare Energien mit Hauptsitz in der Ökostadt Masdar City in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist eine internationale Regierungsorganisation von derzeit 149 Staaten und die EU. Ziel der 2009 in Bonn gegründeten Organisation ist die Förderung einer weltweiten, nachhaltigen Nutzung erneuerbarer Energien. Laut Satzung entwickelt IRENA praxisnahe Lösungen regenerativer Energien für unterschiedliche Politikansätze, berät die Länder bei der Anpassung politischer Rahmenbedingungen und sammelt zugängliche Daten über das Potenzial erneuerbarer Energien, Best-Practice-Darstellungen, effektive Finanzierungsmechanismen und zum neuesten Stand des technischen Know-how.

Die internationale Energiewende-Konferenz wird von der Bundesregierung gemeinsam mit dem Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE), dem Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar), dem Beratungsunternehmen eclareon sowie der Deutschen Energie Agentur (dena) veranstaltet