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29/08/2016

Energiekennzeichnung: Kommission will neues Bewertungssystem für Elektrogeräte einführen

Energie und Umwelt

Energiekennzeichnung: Kommission will neues Bewertungssystem für Elektrogeräte einführen

Die Kommission will die A+-Kategorie beim Energieverbrauch von Haushaltsgeräten abschaffen.

[euenergyweek/Flickr]

Die EU-Kommission wird ihr System zur Energiekennzeichnung für Kühlschränke und Fernseher umgestalten. Dabei will sie verwirrende Klassifizierungen wie A+++ streichen und zur Skala A-G zurückkehren. EurActiv Brüssel berichtet.

Die Kommission wird nicht alle Aspekte der Energiekennzeichnung verändern. EurActiv vorliegende Dokumente zeigen, dass das entsprechende Farbschema zur Bewertung der Energieeffizienz rot bis grün bleibt. Alle zehn Jahre soll es ein neues Notensystem geben.

Die Kommission plant die Veröffentlichung der überarbeiteten Richtlinie zur Energiekennzeichnung zum 15. Juli. Neben Kühlschränken und Fernsehgeräten soll sie zehn andere Produktkategorien wie Geschirrspüler abdecken.

Die politischen Entscheider führten die ursprünglichen Effizienzklassen ein, um die Energieeffizienz zu fördern. Außerdem wollten sie so den Wettbewerb für die Entwicklung umweltfreundlicherer Produkte antreiben. Doch die meisten Produkte entsprechen heute der grünen A-Klasse. 2010 wurden deshalb die Kategorien A+, A++ und A+++ geschaffen.

Europaparlament und Ministerrat müssen die überarbeitete Richtlinie debattieren. Dann müssen sie einen identischen Gesetzentwurf billigen, bevor die Richtlinie EU-Gesetz werden kann.

Verwirrend

Die “Plusse” seien irreführend und verwirrend, sagen Verbraucherschutz-, und Umweltschutzorganisationen. Demnach würden Verbraucher eher mehr Geld für ein Produkt der Klasse A anstelle eines Produkts der Klasse B ausgeben. Bei A++-Produkten im Vergleich zu A+-Produkten würden sie eher zögern, mehr Geld für das energieeffizientere Produkt auszugeben.

Die Etikettierung werde überprüft, um den Fortschritten bei der Energieeffizienz-Technologie Rechnung zu tragen und sie deutlicher zu machen, so Energie- und Klimapolitikkommissar Miguel Arias Cañete.

Die Arbeitsdokumente, die noch überarbeitet werden, bestätigen das. Etikettierungen nach dem Inkrafttreten der Richtlinie werden mit A bis G bewertet. Außerdem soll es eine Überprüfung der Etikettierungen geben, die zuvor eingeführt wurden. Diese soll innerhalb von fünf Jahren nach dem Einführungsdatum stattfinden.

Nach Angaben des Entwurfs sollen Anbieter während der Übergangsperiode sowohl bestehende als auch neue Etikettierungen an die Händler liefern. Allerdings können sie nicht gesetzlich dazu verpflichtet werden.

“A-G Etikettierungen haben gute Arbeit dabei geleistet, die Käufer in Richtung effizienter Produkte zu lotsen, die die Stromrechnung senken”, sagt der Koordinator für Umweltkampagnen bei Coolproducts, Stephane Arditi. “Doch all die Plusse sind ein richtiges Minus bei der Klarheit und dem Verständnis gewesen. Es ist großartig, dass wir jetzt zu einer deutlichen A-G-Kennzeichnung zurückkehren.”

Industrie ist besorgt

Die Neubewertung der Produkte sei “sehr besorgniserregend” für die Hersteller und würde die Verbraucher verwirren, sagt Andrea Voigt, Generaldirektorin der Branchengruppe European Partnership for Energy and the Environment (EPEE). Ein vor diesem Datum eingeführtes Produkt könnte mit A bewertet sein – und damit besser als ähnliche oder bessere Produkte, die in der Kategorie C geführt sind, aber nach dem Datum auf den Markt kamen.

“Ein kategorischer Ausschluss von A und B erscheint mir ein wenig seltsam”, sagte sie. Eine alle zehn Jahre stattfindende Maßstabsänderung sei willkürlich, so Voigt. Die Kategorien A und B wegzulassen würde nicht bei allen Produkten funktionieren.

Die Maßstabsänderung widerspräche der Kommissionspolitik der “besseren Regulierung”, da sie mehr Bürokratie laut Voigt mehr Bürokratie verursachen würde. Gegenüber EurActiv sagte sie: “Wir haben eine funktionierende Kennzeichnung, sie erfüllt ihren Zweck. Warum soll es eine Maßstabsänderung geben?”

Keine Verbrauchskennzeichnung

Das Papier sieht keine Einführung eines Labels vor, das den gesamten Energieverbrauch eines Produkts zeigt. Die neue Regulierung könnte das auf einem Etikett anzeigen – wenn es relevant ist.

Die derzeitigen Etikette zeigen die Effizienz, aber nicht den tatsächlichen Energieverbrauch. Dadurch könnten große Produkte eine bessere Kennzeichnung als kleinere bekommen, warnen Aktivisten.

Die Kommission wird eine von ihr betreute Datenbank einrichten, damit die Anbieter die Regeln einhalten. Das geht aus dem Dokument hervor. Nach offiziellen Angaben würde die Einrichtung der Datenbank rund zwei Millionen Euro kosten.

Die EU ist die letzte wichtige Region, die die Einrichtung einer solchen Datenbank plant. Sie soll den Händlern und Kunden dabei helfen, auf die Kennzeichnungen zuzugreifen.

Die technischen Regeln, die die Beamten zur Umsetzung der Gesetzgebung schreiben, sollen den Nutzen elektronischer Etikettierungen “verordnen”, um die Vorteile digitaler Technologien zu nutzen, wie es im Papier heißt. Sie könnten andere Etikettierungen in Zukunft ersetzen oder ergänzen.

Die nationalen Regierungen sollten Werbekampagnen starten, wenn die neuen Kennzeichnungen kommen. Sie sollten gewährleisten, dass die Strafen für die Nichteinhaltung “effektiv, angemessen und abschreckend sind”. 

Weitere Informationen

Kommission

Coolproducts

European Partnership for Energy and the Environment