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21/02/2017

Dieselautos stoßen mehr Stickoxid-Emissionen aus als Lkw

Energie und Umwelt

Dieselautos stoßen mehr Stickoxid-Emissionen aus als Lkw

Alle großen Dieselhersteller verstoßen einer aktuellen Studie nach gegen Abgasvorschriften.

[SuperCar-RoadTrip.fr/Flickr]

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat angesichts der jüngsten Abgasstudie des Forschungsinstituts ICCT eine zusätzliche Ausweitung der Abgastests in Deutschland gefordert.

„Die Studie belegt erneut, wie wichtig es ist, Stickoxid-Emissionen auf der Straße zu messen und nicht im Labor“, sagte Hendricks der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe). Zwar werde es ab diesem Jahr endlich auch die Straßentests für Pkw geben. „Künftig müssen Nachkontrollen unabhängig von den Herstellern durchgeführt werden, und zwar anhand von zufällig ausgewählten Serienfahrzeugen. Dann ergeben Tricksereien derHersteller keinen Sinn mehr.“

Verbraucher könnten sich nicht länger auf Tests verlassen, die die Hersteller selbst mit speziell präparierten Fahrzeugen vornehmen, sagte Hendricks weiter. Sie verwies auf die Straßenmessungen, die es bei Lkw schon länger gebe. „Da sind die Emissionen deutlich zurückgegangen“, sagte die Umweltministerin der Zeitung.

Dieselautos stoßen viel mehr Stickoxide aus als Lastwagen

Laut ICCT stoßen Dieselautos mit der neuesten Abgasnorm Euro 6 sehr viel mehr schädliche Stickoxide aus als moderne Lkw und Busse. Im Durchschnitt sind die Emissionen demnach doppelt so hoch. Das ICCT führt dies auf die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen für Abgastests bei den verschiedenen Fahrzeugtypen zurück.

Die ICCT-Forscher verglichen den Angaben vom Freitag zufolge Messdaten von 24 Bussen und Lastwagen der Schadstoffnorm Euro VI mit Testergebnissen für Diesel-Pkw. Dabei nutzten sie Daten des Kraftfahrtbundesamts (KBA) und des Technischen Forschungszentrums Finnland. Demnach stießen die Lkw und Busse im Schnitt 210 Milligramm Stickoxide (NOx) pro Kilometer aus. Bei den Dieselautos mit Euro-6-Norm waren es 500 Milligramm.

„Schon alleine der direkte Vergleich der Fahrzeugemissionen je Kilometer ist erstaunlich genug“, urteilte ICCT-Forscherin Rachel Muncrief. „Bezogen auf den Kraftstoffverbrauch, unter Berücksichtigung der höheren Lastanforderungen für Lkw und Busse, liegen die Stickoxid-Emissionen von Diesel-Pkw jedoch sogar um einen Faktor zehn höher als die vergleichbaren Werte für Nutzfahrzeuge.“

Druck auf Hersteller von Dieselautos

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte ein Einschreiten der Bundesregierung. Diese müsse „mit verpflichtenden Nachrüstungen dafür sorgen, dass Dieselautos geltende Grenzwerte auch im täglichen Gebrauch einhalten“. Die ICCT-Daten zu Lastwagen zeigten, dass dies „kein Hexenwerk“ sei.

Grünen-Fraktionschef Hofreiter forderte die Hersteller von Dieselautos auf, „schleunigst die Finger von dieser dreckigen Technologie“ zu lassen. Er griff zugleich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an. Für diesen sei es „beschämend, dass erneut eine Nichtregierungsorganisation Fakten auf den Tisch legt“. Das wäre eigentlich „Dobrindts Job“, mahnte Hofreiter. Das Bundesverkehrsministerium wollte die ICCT-Studie nicht kommentieren.