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29/09/2016

Deutsche Windkraft an Land geht zurück

Energie und Umwelt

Deutsche Windkraft an Land geht zurück

Im ersten Halbjahr 2015 wurden 1,1 Gigawatt Onshore-Windenergie neu installiert – ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum.

[Windwärts Energie/Flickr]

Der rasante Ausbau der Onshore-Windenergie in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr stark verlangsamt. Die Windkraft-Industrie sieht jetzt die Bundesregierung, aber auch die EU am Zug.

Verschnaufpause für die Windkraft in Deutschland: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres ist der Bau von Windrädern im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie (BWE) wurden 1,1 Gigawatt neu installiert – ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Mit 443 neu gebauten Windrädern feiert die Industrie aber immer noch das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte der Windenergie an Land. Der Zubau entspricht etwa der Leistung eines AKW-Blocks.

„Der Rückgang fällt relativ hoch aus, aber wir bewegen uns immer noch auf einem hohen Niveau. Das ist nach wie vor ein gutes Ergebnis“, erklärt BWE-Präsident Hermann Albers am Donnerstag in Berlin. Die Verlangsamung des Ausbaus führt Albers darauf zurück, dass 2014 ein Rekordjahr war: Im letzten Jahr hätten viele Windrad-Bauer mit Blick auf die drohende EEG-Reform und die aufkommende Strompreis-Diskussion ihre Projekte vorgezogen.

„Ich will aber nicht verhehlen, dass die (seit August 2014 geltende) EEG-Novelle bereits erste Wirkung zeigt“, sagt Albers. So sei der „Repowering-Bonus“ gestrichen worden, wodurch manche Anlagenbauer darauf verzichtet haben könnten, alte Kraftwerke durch wirkungsstärkere Anlagen zu ersetzen.

Windkraft-Industrie prognostiziert Aufwärtstrend

Im zweiten Halbjahr rechnet der Windenergie-Verband wieder mit einem deutlich stärkeren Zubau, da ab 2016 die Förderung sinkt. Insgesamt würden 2015 daher mindestens vier Gigawatt neu installiert. Dazu kommt noch der Ausbau von Windenergie vor der Küste mit über zwei Gigawatt Leistung.

Dennoch sieht Verbandschef Albers für 2016 Gewitterwolken aufziehen: So sinkt nicht nur die Förderung aus dem EEG sondern der Verband rechnet auch mit einem steigenden Zinsniveau. Für „erhebliche Verunsicherung im Mittelstand“ sorgt zudem das von der Bundesregierung geplante Ausschreibungsmodell für Windenergie.

Die Bundesregierung erarbeitet derzeit Eckpunkte für ein System, wonach sich die Förderhöhe für Strom aus erneuerbaren Energien spätestens 2017 durch Ausschreibungen ermittelt wird, statt wie bisher über gesetzlich festgelegte Fördersätze.

Unsicherheitsfaktor Ausschreibungsmodell

Der Windenergie-Verband lehnt das Ausschreibungsmodell ab, fordert von der EU eine Studie über die Effektivität von Förderinstrumenten, die – wie in einer Untersuchung von vor zehn Jahren – zeigen würde, dass ein feed-in-Modell „mit großem Abstand an der Spitze“ stehe, so Albers.

Sollte das Modell jedoch wie von der Bundesregierung vorgesehen kommen, müsse ab 2017 ein behutsamer Übergang gelten, indem man den mittelfristigen Abbau berücksichtigt. Zudem müsse die Bundesregierung ein viel größeres jährliches Ausschreibungsvolumen – weit über 2.500 Gigawatt hinaus festlegen.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau fordert schon für 2016 Klarheit über das Ausschreibungsmodell: „Wir müssen Schluss machen mit dem Auf und Ab“, kritisiert Matthias Zelinger vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Das Bundeswirtschaftsministerium müsse bei den Ausschreibungen umgehend klare Regeln erlassen.

„Die Windturbinenhersteller sind belastet durch den ständigen Wechsel zwischen Phasen der Investitionszurückhaltung wegen unsicherer künftiger Rahmenbedingungen und Phasen mit Schlussverkaufsstimmung durch Vorzieheffekte“, so Zelinger.

Umweltschutz bremst Windkraft-Ausbau

Zusätzlich erschwerten die gestiegenen Standards bei Umweltverträglichkeitsprüfungen den weiteren Ausbau der Windenergie zu Land, erklärt Verbandschef Albers. Durch den Umweltschutz gingen automatisch 20 bis 30 Prozent der potenziellen Widmungsfläche für Windenergie verloren. Die Politik müsse diesen Umstand berücksichtigen und sei zukünftig gefordert, mehr Widmungsfläche vorzugeben, damit das aktuelle Volumen der Netto-Nutzungsfläche für Windkraft gehalten werden kann, so Albers.

Um die deutschen Klimaziele zu erreichen, setzt die Bundesregierung eigentlich einen Ausbau von jeweils um die 2,5 Gigawatt Windenergie an Land sowie Solarenergie pro Jahr. Bei der Photovoltaik waren es 2014 jedoch nur um die 1,9 Gigawatt. Mit je um die 40 Gigawatt installierter Leistung liefern Solar- und Windstrom den wichtigsten Anteil an erneuerbarer Energie.

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