Das stürmische Wachstum der Windkraft

Die Windkraft an Land boomt. [© Martin Schachermayer (CC BY-NC-ND 2.0)]

In der Windkraft an Land herrscht ein regelrechter „Gold-Rausch“ kurz vor der Förder-Änderung. Das Plus ist weit höher als die Branche vor einem Jahr vorhergesagt hatte.

Die Windbranche verzeichnet an Land vor der Umstellung der bisherigen Förderung ein stürmisches Wachstum.

Im vergangenen Jahr wurden über 1600 Windräder mit einer Leistung von gut 4600 Megawatt gebaut, wie der Bundesverband Windenergie (BWE) am Dienstag in Berlin mitteilte. „2016 ist ein gutes Jahr für die Windenergie gewesen“, sagte BWE-Präsident Hermann Albers. „Die Energiewende klappt von unserer Seite.“

Das Plus ist weit höher als die Branche vor einem Jahr vorhergesagt hatte und entspricht rechnerisch der Leistung von zehn größeren Kohlekraftwerken. Es ist der zweitstärkste Zubau in der Windenergie-Geschichte und übersteigt die gut 2500 Megawatt, die die Bundesregierung als Ziel ausgegeben hat. Der BWE erwartet, dass das Wachstum 2017 in gleicher Größenordnung bleibt und 2018 dann auf 3000 bis 3500 Megawatt zurückgeht.

Hintergrund des Booms mit einem um ein Viertel stärkeren Ausbau als 2015 ist die Umstellung der Förderung neuer Projekte: Statt festgelegten, garantierten Abnahmepreisen für den Strom über 20 Jahre werden nun Windparks ausgeschrieben. Wer für seinen die geringsten Strom-Abnahmepreise verlangt, erhält den Zuschlag. Dies gilt aber als weit weniger attraktiv.

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Daher wurde mit Hochruck versucht, ohnehin geplante Projekte noch nach dem alten Förderregime genehmigen und dann umsetzen zu lassen. Dies wird sich beim Bau 2017 noch bemerkbar machen und dann ab 2018 auslaufen. Die Investmentbank Barclays sprach in einer Analyse zu den Windrad-Produzenten Vestas und Nordex von einem „Gold-Rausch“ in diesem Jahr.

Windenergie wichtigste Ökostrom-Quelle

Die Windenergie an Land ist unter den Erneuerbaren der wichtigste Zweig: Sie macht gut 40 Prozent des Ökostroms und über zehn Prozent am gesamten Stromverbrauch aus. Die Erneuerbaren insgesamt kommen inzwischen auf einen Anteil von einem Drittel. Größere Bedeutung wird die Windkraft noch durch den Ausbau auf hoher See bekommen: 2017 wird ein Neubau von 1400 Megawatt erwartet, in den nächsten Jahren dann jeweils etwa 1000 Megawatt in Nord- und Ostsee.

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Die Windbranche kontert Kritik an dem stärker als geplanten Ausbau mit dem Hinweis, dass Biomasse-Anlagen nach Förderkürzungen praktisch gar nicht mehr gebaut werden und die Solarbranche dem auch für sie ausgegebenen 2500-Megawatt-Ziel weit hinterherhinkt. 2016 sind wohl nur gut die Hälfte davon errichtet worden. Zudem werden immer mehr alte Windräder abgerissen: 2016 waren es so fast 400 Megawatt-Leistung.

Bemerkbar macht sich inzwischen, dass nicht mehr nur in den nördlichen Bundesländern gebaut wird. Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen holen trotz zunehmender Widerstände von Landschafts- und Vogelschützern auf. Wegen Netz-Engpässen hat die Regierung zudem beschlossen, den Zuwachs in Schleswig-Holstein, Mecklenburg oder Niedersachsen zu begrenzen.

Mit den Ausschreibungen kann die Regierung so nicht nur die Subventionen drücken, sondern die Neubau-Menge auch nach Regionen genauer steuern. Sie will in den nächsten Jahren jeweils nur 2500 Megawatt – nach Abriss von Alt-Anlagen – neu bauen lassen.

Die Branche hofft aber zum einen auf die Bundestagswahl und mögliche neue Ziele im Rahmen der Koalitionsverhandlungen. Ferner werde die sogenannte Sektorkopplung Folgen haben. Dies bedeutet, dass zunehmend Ökostrom im Verkehr oder zur Wärme-Erzeugung gebraucht wird, um für den Klimaschutz fossile Brennstoffe wie Benzin oder Gas zu verdrängen. „Die Bundesregierung hat dies ein wenig unterschätzt“, sagte Albers voraus.

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