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04/12/2016

COP21-Verhandlungen: Zwei-Grad-Ziel reicht kleinen Inselstaaten nicht aus

Energie und Umwelt

COP21-Verhandlungen: Zwei-Grad-Ziel reicht kleinen Inselstaaten nicht aus

Die Republik der Marshallinseln produziert weniger als 0,00001 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen.

[Stefan Lins/Flickr]

Die internationalen Verhandlungen vor der 21. UN-Klimakonferenz stocken. Doch jetzt treten die kleinen Inselstaaten nach vorne, die um ihre Existenz bangen. Sie kämpfen für ein ehrgeiziges Klimaabkommen. EurActiv Frankreich berichtet.

Die Marshallinseln sind der erste kleine Inselstaat, der seine CO2-Reduzierungsziele für die im Dezember in Paris stattfindende Klimakonferenz (COP 21) einreicht.

Der Inselstaat will die Treibhausgas-Emissionen bis 2025 um 32 Prozent und bis 2030 um 45 Prozent senken. Bis 2050 soll es dort demnach keine CO2-Emissionen mehr geben. Die Marschallinseln hoffen darauf, dass die größeren CO2-Emittenten ihrem Beispiel folgen und ehrgeizigere Ziele anstreben.

Der Plan der Marshallinseln stimmt mit den Empfehlungen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPPC) für eine Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs um 1,5 Grad überein. Doch die Beiträge vieler großer CO2-Emittenten wie China und Russland gehen nicht in diese Richtung.

Die derzeitigen nationalen Beiträge zur COP 21 würden nur rund ein Drittel der erforderlichen Bemühungen für eine Begrenzung der Erwärmung auf unter zwei Grad abdecken, erklärt die Internationale Energie-Agentur in einem neuen Bericht.

Der französische Außenminister Laurent Fabius sagt: „Ich begrüße die Veröffentlichung der nationalen Beiträge der Marschallinseln zur COP 21, die erste eines kleinen Inselentwicklungslandes, das vom Klimawandel stark betroffen ist.“

„Das wird ein starkes Signal an die internationale Gemeinschaft sein“, so Fabius. Die Oktoberfrist für die Einreichung der nationalen Beiträge rückt immer näher. Doch bis jetzt veröffentlichten nur ungefähr 50 der 195 an den Verhandlungen teilnehmenden Länder ihre nationalen Pläne.

Geringe Auswirkungen

Die CO2-Emissionen der Marshallinseln sind „im weltweiten Kontext vernachlässigbar“. Die Republik hat nur 53.000 Einwohner und produziert weniger als 0,00001 Prozent der weltweiten Emissionen. Zum Vergleich: EU, USA und China generieren die Hälfte der weltweiten Treibhausgas-Emissionen.

„In Anbetracht ihres niedrigen Bruttoinlandprodukts (ungefähr 3.600 US-Dollar), ihrer extremen Anfälligkeit und ihrer Abhängigkeit von externer Unterstützung sind die vorgeschlagenen Ziele der Marshallinseln im Vergleich zu denen, die von anderen Länder vorgeschlagen werden, ehrgeizig“, wie aus dem nationalen Plan des Inselstaates hervorgeht.

Den kleinen Inselstaaten mangelt es bei internationalen Verhandlungen an Schlagkraft. Doch sie gehören zu den ersten Staaten, die unter einem Anstieg des Meeresspiegels und den anderen Auswirkungen der globalen Erwärmung leiden.

1,5-Grad-Ziel

Das übergeordnete Ziel des Beitrags der Marshallinseln ist es, für die Botschaft der Allianz kleiner Inselstaaten (AOSIS) zu werben. Sie will bei den UN-Verhandlungen das Ziel einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad erreichen. Das erklärte Ziel liegt bei zwei Grad.

Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht die Existenz vieler kleiner Inselstaaten. Für sie ist der Unterschied entscheidend.

Nach Angaben des jüngsten IPCC-Berichts würde ein Temperaturanstieg um vier Grad einen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter bis zum Jahr 2100 bedeuten – mit verheerenden Folgen für 30 Prozent der Bevölkerung der Inselstaaten.

Hört überhaupt jemand zu?

Beim letzten Ministertreffen am 21. Juli in Paris scheint die Botschaft angekommen zu sein.

„Alle Parteien verpflichteten sich dazu, einen Kompromiss zu den großen politischen Fragen zu finden. Die Diskussionen konzentrieren sich auf einige heikle Punkte, zum Beispiel einen Plan zusammenzusetzen, um unter einem 1,5 oder Zwei-Grad-Ziel zu bleiben“, sagte Fabius.

Der Minister verkündete dabei auch seinen Plan, ein Vorabtreffen Anfang November vor der eigentlichen Klimakonferenz zu organisieren. Dabei will er alle noch bestehenden Probleme ausbügeln.

Hintergrund

Die Gruppe der Kleinen Inselentwicklungsländer (SIDS) repräsentiert die Inselstaaten des Pazifiks, der Karibik, des Atlantiks und des Indischen Ozeans. Sie alle haben ähnliche Entwicklungsherausforderungen: Kleine Bevölkerungen, begrenzte Ressourcen, hohe Anfälligkeit für Naturkatastrophen und externe Schocks sowie eine enorme Abhängigkeit vom internationalen Handel.

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