EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

28/07/2016

COP21: UN warnt vor gefährlicher Erderwärmung trotz nationaler Klimaziele

Energie und Umwelt

COP21: UN warnt vor gefährlicher Erderwärmung trotz nationaler Klimaziele

Der Kohleaustieg kann laut Statoil nur unter bestimmten Voraussetzungen erfolgreich sein.

[glasseyes view/Flickr]

Nach kontroversen Verhandlungen gibt es nun einen Rahmenentwurf für den UN-Klimagipfel in Paris. Doch die nationalen Pläne zur Reduzierung der CO2-Emissionen reichen noch nicht, um die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzen, mahnten Jochen Flasbarth vom Bundesumweltministerium und UN-Klimachefin Figueres bei der Vorstellung des INDC-Berichtes der UN.

In einem Monat beginnt die 21. UN-Klimakonferenz in Paris (COP 21). Deren Ziel ist eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf maximal zwei Grad bis 2050. Der Ausstoß an Treibhausgasen soll sinken. Doch davon ist die Weltgemeinschaft weit entfernt – trotz aller Fortschritte, die Jochen Flasbarth vom Bundesministerium und UN-Klimachefin Christina Figueres bei der Vorstellung des INDC-Berichts der UN am heutigen Freitag hervorhoben.

“Bis jetzt haben bereits 146 Länder ihre nationale Klimaziel-Pläne (INDCs) für die Klimaschutzbemühungen der UN eingereicht – darunter auch 75 Prozent aller Entwicklungsländer”, verkündete Figueres. Etwa die Hälfte der Länder wolle nicht nur die Emissionen bis 2030 reduzieren, sondern darüber hinaus ihre Wirtschaft weiter dekarbonisieren, lobte sie. 

Werden die eingereichten Ziele voll implementiert, würden bis 2040 die Emissionen um neun Prozent sinken – das Bevölkerungswachstum eingerechnet -, so die neuesten UN-Berechnungen. Bis 2025 würden damit weltweit bereits vier Gigatonnen weniger Emissionen ausgestoßen.

Übergang zu CO2-armer Wirtschaft muss weitergehen

Figueres unterstrich die Wirkmacht der nationalen Ziele: Ohne die INDS wurde die Temperatur global bis 2100 um vier bis fünf Prozent steigen, mit den INDCs bliebe der Temperaturanstieg bei etwa 2,7 Grad. “Wir bewegen uns in die richtige Richtung, um die Temperaturen zu senken”, so die Chefin des UN-Klimasekretariats. “Aber es reicht nicht.”

Laut Wissenschaftlern ist der Wert von zwei Grad die Höchstgrenze, um die Folgen des Klimaerwärmung wie Dürren oder Überschwemmungen künftig einigermaßen zu beherrschen.

“Wir sind noch nicht, wo wir sein müssen”, sagte auch der Staatssekretär aus dem Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth. Selbst die prognostizierten 2,7 Grad seien noch nicht sicher. 

Rechtliche Verankerung der nationalen Klimaziele steht noch aus

Wie und ob das ehrgeizige Ziel umgesetzt werden kann, hängt von den Verhandlungen in Paris ab. Die Regierungen müssen dort zum einen entscheiden, wie sie die INDCs umsetzen und rechtlich verankern. Zum anderen gilt es, einen Pfad für eine weitere Verbesserung zu schaffen. 

Die letzte Verhandlungsrunde vor Paris in Bonn hatte für die Verhandlungen im Dezember einen Entwurf vorgelegt und sich darin auf zwei hochpolitische Themen fokussiert: Zum einen auf die Mittel zum Kampf gegen die der globalen Erwärmung. Zum anderen auf die Frage, wie man Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel helfen wird, vor allem den weniger entwickelten Ländern. Der Entwurf hält jedoch an den wichtigsten Stellen die Entscheidung offen. 

“Die INCCs werden Teil des Klimavertrages sein, sagte Flasbarth. Es sei aber noch offen, ob sie auch Teil der völkerrechtlichen Bindung sein werden – wofür sich Deutschland einsetze. Flasbarth beruhigte aber: “Es gibt in allen Ländern die Bereitschaft, selbst einen Beitrag zu leisten. Darum glaube ich an eine politische Verbindlichkeit.”

Kosten für Erneuerbare heute wesentlich geringer

Auch Figueres zeigte sich optimistisch. Seit den letzten Verhandlungen in Kopenhagen hätten sich einige Rahmenbedingungen positiv gewandelt. So seien die Kosten für Solar- und Windtechnologie inzwischen wesentlich geringer. Zudem würden die Kapitalmärkte nun die Risiken von fossilen Rohstoffen klarer sehen. 2,6 Billionen Dollar an Kapitalmarkt-Finanzierung hätten sich heute schon verschoben von fossile auf erneuerbare Energien.

Die größte Herausforderung sieht Figueres in den Entwicklungsländern. Die Industrieländer würden diesbezüglich eine historische Verantwortung tragen, mahnte sie. “Sie müssen zuerst ihre eigenen Emissionen verringern, aber dann auch den Entwicklungsländern dabei helfen – durch Investitionen auch in den öffentlichen Sektor, und durch die Finanzierung des Kohlenstoffmarktes.”

Hintergrund

Die Verhandlungen über den Klimawandel begannen 1992. Die Vereinten Nationen organisieren seither eine jährliche Klimakonferenz.

Die 20. Klimakonferenz fand vom 1. bis 12. Dezember 2014 in der peruanischen Hauptstadt Lima statt. Paris ist der Gastgeber der 21. Klimakonferenz im Dezember 2015. Die teilnehmenden Staaten müssen dabei ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll erreichen, dessen Ziel die CO2-Reduzierung von 2008 bis 2012 war.

Zeitstrahl

  • 1. November: UN-Zusammenfassung aller Verpflichtungen
  • 30. November - 11. Dezember 2015: COP 21 in Paris

Weitere Informationen