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22/01/2017

COP21: Die Welt feiert das Klima-Abkommen

Energie und Umwelt

COP21: Die Welt feiert das Klima-Abkommen

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Foto: dpa

Die Welt feiert die Einigung von Paris, mit der sich erstmals die ganze internationale Gemeinschaft und nicht nur der Club der Industrienationen zum Kampf gegen den Klimawandel verpflichtet.

Der nach langem Ringen am Samstag verabschiedete Vertrag soll die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius begrenzen und auf lange Sicht den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen einläuten. „Dieses Abkommen ist unsere beste Chance, den einen Planeten zu retten, den wir haben“, lobte US-Präsident Barack Obama. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem Hoffnungszeichen, dass es gelingen werde, die Lebensbedingungen von Milliarden Menschen auch in Zukunft zu sichern. Auch Umweltverbände äußerten sich grundsätzlich positiv, sehen nun aber Deutschland in der Pflicht für einen schnelleren Kohle-Ausstieg. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger – dem 1997 geschlossenen Kyoto-Protokoll – ist das Abkommen von Paris rechtlich nicht bindend. Vielmehr bleibt es jeder Nation weitgehend selbst überlassen, ihre Zusagen einzuhalten.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius gab die Einigung, der vierjährige Verhandlungen weltweit und ein zweiwöchiges zähes Ringen um Details in Paris vorausgingen, am Samstagabend unter tosendem Applaus der Delegierten aus fast 200 Ländern bekannt. „Es ist ein Sieg für den gesamten Planeten und künftige Generationen“, zog US-Außenminister John Kerry Bilanz, der die amerikanische Delegation in Paris führte. „Zum ersten Mal machen sich alle Länder dieser Welt gemeinsam auf den Weg, den Planeten zu retten“, erklärte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Ab 2020 würden die Staaten alle fünf Jahre neue Klimaschutzpläne vorlegen, die so ambitioniert wie irgend möglich sein müssten. Für diese Pläne gelte das verbindliche Prinzip, dass sie nicht abgeschwächt werden dürften, sondern immer ehrgeiziger werden müssten. Auch China, einer der größten Treibhausgas-Emittenten, bewertete das Abkommen als „großen Schritt vorwärts“, wenngleich es nicht perfekt sei. China sei damit zufrieden, sagte Chefunterhändler Xie Zhenhua.

Papst Franziskus nutzte eine Messe vor Zehntausenden Menschen am Sonntag in Rom zu einem eindringlichen Appell, das Abkommen mit Leben zu füllen: „Ich ermahne die gesamte Staatengemeinschaft, mit Dringlichkeit auf dem eingeschlagenen Pfad voranzuschreiten“, sagte er.

Entwicklungsländer bekommen mehr Spielraum – und mehr Geld

Das Abkommen entspricht in nahezu allen Punkten dem Entwurf, den Frankreich zur Abstimmung vorgelegt hatte. Darin hatte es geheißen, die Erderwärmung solle auf deutlich weniger als zwei Grad Celsius beschränkt werden, möglichst auf nur 1,5 Grad. Zudem sind zusätzliche Finanzhilfen für Entwicklungsländer noch vor 2025 vorgesehen. Sie sollen über die bisher vereinbarten mindestens 100 Milliarden Dollar ab 2020 hinausgehen. Das Geld soll den Ländern helfen, von fossilen Brennstoffen wegzukommen.

Zudem wird angestrebt, den weiteren Treibhausgas-Anstieg möglichst bald zu stoppen und den Ausstoß danach möglichst rasch mit fortschrittlicher Technik zu reduzieren. Entwicklungsländer sollen dabei ihre Emissionen noch über einen längeren Zeitraum erhöhen dürfen als Industriestaaten. Bis zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts soll der Treibhausgas-Ausstoß aber nur noch so hoch sein, dass Wälder und Ozeane die Menge der Schadstoffe aufnehmen und verarbeiten können.

Greenpeace: Nun ist Merkel gefragt

Auch bei Umweltverbänden stieß das Pariser Abkommen auf grundsätzliche Zustimmung. Sie drängten aber auf rasche Fortschritte bei der Umsetzung der Vereinbarungen. „Die Bewährungsprobe für das Abkommen stellt sich in den nächsten Monaten und Jahren bei der Umsetzung durch die Regierungen und bei den Investitionsentscheidungen von Unternehmen“, erklärte Germanwatch.

Der NABU erklärte, endlich gebe es wieder eine gemeinsame Basis der Staatengemeinschaft für den weltweiten Klimaschutz. Allerdings klaffe mit der angestrebten Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad jetzt eine noch größere Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Denn bisher liefen die vorgelegten freiwilligen Klimaschutzpläne der Staaten auf eine Erwärmung von 2,7 Grad zu und der jetzt geschlossene Vertrag lasse offen, wie diese Lücke geschlossen werden könne. Für die EU bedeute das Abkommen, dass die Klimaziele bis 2030 deutlich nachgeschärft werden müssten. Auch Deutschland müsse dies durch einen schnelleren Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas tun. Ein Schwachpunkt des Abkommens sei, dass die Emissionen aus dem internationalem Luft- und Schiffsverkehr nicht einbezogen seien.

Auch Greenpeace forderte, Bundeskanzlerin Merkel müsse nun darauf drängen, dass die EU rasch ihre Klimaschutzziele nachbessere. Vor allem aber müsse sie mit einem deutschen Kohle-Ausstieg zeigen, dass die Hoffnung aus Paris gerechtfertig sei.