EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

27/09/2016

Bundesregierung fordert von Belgien Abschaltung grenznaher Atomkraftwerke

Energie und Umwelt

Bundesregierung fordert von Belgien Abschaltung grenznaher Atomkraftwerke

Dampf steigt aus dem belgischen Atomkraftwerk Tihange des Betreibers Electrabel.

Foto: Oliver Berg/dpa

Deutschland verlangt von der belgischen Regierung, zwei Reaktoren vorübergehend vom Netz zu nehmen. Es gebe „offene Sicherheitsfragen“, so Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Die Bundesregierung hat die belgische Regierung offiziell gebeten, die grenznahen Atomkraftwerke Tihange und Doel vorübergehend vom Netz zu nehmen. Die Akw-Blöcke Tihange 2 und Doel 3 sollten „bis zur Klärung offener Sicherheitsfragen“ abgeschaltet werden, erklärte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in Berlin. Hendricks verwies auf eine Stellungnahme der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) und Beratungen zwischen deutschen und belgischen Experten.

In Deutschland und den Niederlanden gibt es aufgrund von Sicherheitsbedenken massive Vorbehalte gegen die Kraftwerke Tihange und Doel. Beide Standorte haben jeweils mehrere Reaktoren. Tihange liegt rund 60 Kilometer von der deutschen Grenze bei Aachen entfernt, Doel liegt 130 Kilometer von der Bundesrepublik entfernt im Norden Belgiens. An den Reaktoren der beiden Standorte traten immer wieder technische Probleme und Mängel auf.

„Die unabhängigen Experten der RSK können mir nicht bestätigen, dass die Sicherheitsreserven von Tihange 2 und Doel 3 eingehalten werden können“, erklärte Hendricks. „Deshalb halte ich es für richtig, die Anlagen vorübergehend vom Netz zu nehmen, jedenfalls so lange, bis die weiteren Untersuchungen abgeschlossen sind.“ Ein solcher Schritt wäre „ein starkes Zeichen der Vorsorge. Und er würde zeigen, dass Belgien die Sorgen seiner deutschen Nachbarn ernst nimmt“, betonte die Umweltministerin. Hintergrund der Beratungen waren die in den Reaktordruckbehältern der beiden Anlagen gefundenen Wasserstoffflocken.