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29/09/2016

Bloomberg-Studie: COP21-Klimaziele erfordern zusätzliche 5,3 Billionen Dollar

Energie und Umwelt

Bloomberg-Studie: COP21-Klimaziele erfordern zusätzliche 5,3 Billionen Dollar

Weltweit werden bis 2040 etwa 7,8 Billionen Dollar in erneuerbare Energien investiert.

Foto: Shutterstock

Das Ergebnis einer aktuellen Bloomberg-Studie zeigt: Es fehlen 5,3 Billionen Dollar, um die CO2-Konzentration auf einem unbedenklichen Level zu halten. EurActiv-Kooperationspartner le Journal de l’environnement berichtet.

Es ließ sich bereits erahnen, doch jetzt steht es schwarz auf weiß: Die bisher vorgesehenen Investitionen in eine CO2-arme Wirtschaft werden nicht ausreichen, um das Ziel der Pariser Weltklimakonferenz (COP21) zu erreichen. Im Dezember hatten sich Staats- und Regierungschefs aus aller Welt darauf geeinigt, den Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad zu begrenzen.

Zu diesem Ergebnis kam eine jährliche Trendstudie von Bloomberg New Energy Finance (BNEF), welche am gestrigen Montag veröffentlicht wurde. Sie gibt einen Überblick über den weltweiten Energiemix bis 2040. Dabei bezieht sie sich auf die nationalen Klimabeiträge (INDCs, Intended Nationally Determined Contributions) und die großen Entwicklungstendenzen, wie die angekündigte Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft.

Billige Wind- und Solarkraft

In den kommenden drei Jahrzehnten werden die Energiepreise sowohl bei den erneuerbaren als auch den fossilen Trägern aus unterschiedlichen Gründen spürbar sinken: etwa ein Drittel bei Kohle und Gas, mehr als 40 Prozent bei der Onshore-Windkraft und ganze 60 Prozent bei der Solarenergie. Die letzten beiden Energiequellen werden laut BNEF für viele Länder die kostengünstigste Möglichkeit zur Stromerzeugung darstellen. In Europa könnten die Erneuerbaren mehr als zwei Drittel des Energiebedarfs decken – in den USA hingegen nur 44 Prozent.

Dies sind gute Neuigkeiten für Stromanbieter und Anleger. Bis 2040 werden sie etwa 7,8 Billionen Dollar (6,91 Billionen Euro) in erneuerbare Energien investieren, davon 3,4 Billionen Dollar (3,01 Billionen Euro) in die Solarkraft und 3,1 Billionen Dollar (2,75 Billionen Euro) in die Windenergie. Das sind stattliche Summen, doch bei Weitem nicht genug, um die Treibhausgase der Energiebranche nachhaltig auf 450 ppm CO2 in der Atmosphäre zu beschränken. Der aktuelle Durchschnittswert liegt bei etwa 400 ppm.

Auf heißen Kohlen sitzen

Um die Kohlenstoffbilanz ausreichend zu verbessern, müssten die Energieversorger zusätzliche 5,3 Billionen Dollar (4,7 Billionen Euro) in CO2-arme Energieträger investieren, betont BNEF. Darüber hinaus sollten sie laut Studie komplett auf besonders kohlenstofflastige Brennstoffe verzichten.

BNEF geht jedoch davon aus, dass sich die großen Schwellenländer – allen voran Indien – nicht von der Kohle verabschieden werden. So wird man schätzungsweise noch mindestens zwei Billionen Dollar (1,77 Billionen Euro) in Kohletechnologien stecken. Die führenden Politiker Neu Delhis glauben, nur auf diese Weise den wachsenden Bedarf ihres Landes decken zu können, der sich in den kommenden dreißig Jahren vervierfachen dürfte.

Auch China spielt eine entscheidende Rolle im Klimawandel. Durch das verlangsamte Wirtschaftswachstum und die selbst auferlegten Ziele des neuen Fünfjahresplans, wird Peking seine CO2-Bilanz deutlich verbessern: 2040 wird die jährliche Energieerzeugung durch Kohle BNEF zufolge 1.000 Terrawattstunden niedriger sein, als noch vor einem Jahr angenommen. Das entspricht in etwa der Menge an Energie, die französische Anlagen in zwei Jahren produzieren.

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Hintergrund

Im Dezember 2015 einigten sich die fast 200 Teilnehmerstaaten der Pariser Weltklimakonferenz (COP21) in einem historischen, internationalen Vertrag, den Temperaturanstieg auf zwei Grad über den vorindustriellen Werten zu begrenzen.

Als langfristiges Ziel fasst der Text eine maximale Erwärmung von 1,5 Grad ins Auge.