Artenschutz: Eisbären leiden unter Abkühlung der Russland-NATO-Beziehungen

Seit 2004 gab es keine Zählung der Eisbärenpopulation in der Barentssee mehr. [tableatny/Flickr]

Eine Mission zur Schätzung der Eisbärenpopulation in der Barentssee wurde teilweise abgesagt. Russland hatte sich zuvor geweigert, die norwegischen Forscher auf russisches Staatsgebiet zu lassen. EURACTIV Frankreich berichtet.

Die immer schlechter werdenden Beziehungen zwischen Russland und der NATO könnten den Schutz der fragilen Umwelt des Nördlichen Polarkreises und damit das Überleben der Eisbären in der Region gefährden.

Nach Angaben des Barents Observer wird eine norwegisch-russische Mission zur Zählung der Eisbären in diesem Jahr nicht mehr stattfinden. Die Eisbärenpopulation in der Barentssee konzentriert sich überwiegend auf die norwegische Insel Svalbard und das Franz-Josef-Land, das zu Russland gehört. Moskau hat dieses Gebiet jetzt für norwegische Forscher gesperrt.

Die letzte Zählung der Eisbären in der Region fand 2004 statt. Das norwegische Außenministerium hatte im vergangenen Winter ein Abkommen mit Moskau für eine gemeinsame neue Zählung unterzeichnet. „Die Eisdecke auf der Barentssee ist seit 2004 stark zurückgegangen, was den Bereich, in dem Eisbären leben können, stark begrenzt“, wie informierte Kreise aus dem norwegischen Klima- und Umweltministerium im Februar dieses Jahres im Barents Observer zitiert wurden. Das norwegische Polarinstitut ist gezwungen, seine Zählung auf das norwegische Territorium zu begrenzen.

Rätselhafte Population

Bei der letzten Zählung schätzten Forscher die Zahl der Bären in dem Gebiet auf 1.850 bis 3.400 Tiere. Der Eisbär ist Symbol für den Klimawandel. Denn er ist vom Rückzug des Eises auf der Arktischen See bedroht, die eines seiner wichtigsten Jagdgebiete ist. Doch ohne zuverlässige Daten bleibt die genaue Eisbärenpopulation ein Mysterium.

Das Jagdverbot für Robben in bestimmten Gebieten hat das Nahrungsangebot für die Eisbären vergrößert. Deshalb gehen einige Beobachter von einer größeren Population aus.

Die Zahl der Eisbären, die in Kanada rund um die Beaufortsee leben, ging nach Angaben des amerikanischen Journals Ecological Applications von 1.500 im Jahr 2001 auf 900 im Jahr 2010 zurück. Doch der Zustand von 18 anderen Eisbärengruppen in Gebieten, die zu sechs unterschiedlichen Ländern gehören, ist ein Rätsel. Die praktischen Schwierigkeiten, die Lebensräume zu erreichen, bedeuten, dass diese Populationen keiner spezifischen Studie unterworfen sind.