EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

28/09/2016

Gazprom plant Aktivierung des Gaspipeline-Projekts „Poseidon“

Energie und Umwelt

Gazprom plant Aktivierung des Gaspipeline-Projekts „Poseidon“

Gazprom-Chef Alexej Miller will stillgelegtes Gas-Projekt "Poseidon" aktivieren.

Britta Pedersen/dpa

Gazprom hat das Projekt „Poseidon“ wiederbelebt, das eine Offshore-Pipeline bauen will, die russisches Gas aus Griechenland nach Italien bringt.

Unklar ist noch, welchen Weg die Pipeline nehmen soll. Zurzeit liegen zwei Optionen auf dem Tisch – über die Türkei oder Bulgarien.

Am Mittwoch wurde ein „Memorandum of Understanding“ für das Gaspipeline-Projekt zwischen Griechenland und Italien unterzeichnet, das auf einer südlichen Route russische Gaslieferungen an Europa ermöglichen soll. Unterzeichnet haben diese Abscihtserklärung Alexey Miller, CEO von Gazprom, Marc Benayoun, CEO der  italienischen Edison und Theodoros Kitsakos, der CEO von Griechenlands öffentlichen Gasversorger DEPA. Ebenfalls anwesend war  von George Tsipras, Generalsekretär für Internationale Wirtschaftsbeziehungen des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten Griechenlands.

Der feierlichen Unterzeichnung folgte ein Treffen zwischen Miller und Federica Guidi, Minister für wirtschaftliche Entwicklung Italiens.

Nach Aussage von Gazprom sollen die bereits geleisteten Vorarbeiten für das ITGI Poseidon-Projekt seitens Edison und DEPA genutzt werden.

Auf Eis gelegt

„Poseidon“ wurde vor Jahren auf Eis gelegt, als offensichtlich wurde, dass TAP, die Trans-Adriatic Gas-Pipeline, Teil des südlichen Gaskorridors werden soll, der Gas aus Aserbaidschan nach Europa bringen soll. Unklar ist, ob „Poseidon“ als Konkurrenzprojekt zur TAP oder als zusätzlicher Weg für russisches Gas nach Europa geplant ist. „Die Entwicklung der innereuropäischen Kapazitäten für den Gastransport sind ein wichtiges Element bei der Sicherung einer zuverlässiger Gasversorgung für europäische Kunden, einschliesslich der Versorgung mit russischem Gas“, wurde Miller zitiert.

Die geplante Route der Poseidon-Pipeline

Die geplante Route der Poseidon-Pipeline

IGI

„Eine mögliche Entwicklung dieses neuen Versorgungskorridors in voller Übereinstimmung mit den EU-Gesetzen und Vorschriften, wird die italienische Versorgungssicherheit und die Rolle Italiens als ein wichtiger südeuropäischer Gashub fördern und steht im Einklang mit Zielen der nationalen Energiestrategie“, so Benayoun.

Kitsakos, der CEO von Griechenlands öffentlichen Gasversorger DEPA sagte: „Die Wiederbelebung des ITGI-Poseidon-Projekt stärkt die Energiesicherheit Europas durch einen zusätzlichen Versorgungskorridor und verbessert Griechenlands Rolle als wichtiges Tor für Gas aus den unterschiedlichsten Quellen und Routen.“

Der Süd-Korridor

Die russische Presse beschreibt „Poseidon“ als Fortsetzung des „Türkischen Stream“ oder spricht vom „South Stream“. Letzterer wurde 2013 auf Eis gelegt, als die EU-Kommission Bulgarien unter Druck setzte, das Projekt zu stoppen, da es sich gegen gültiges EU-Recht richten würde. Daraufhin reagierte Russland reagierte mit dem „Türkischen Stream“-Projekt, das den Wechsel des Einstiegspunkts russischen Gases  vom bulgarischen Hafen in Varna durch den türkischen Hafen Kıyıköy am europäischen Ufer des Landes vorsah.

Aufgrund der Verschlechterung der russisch-türkischen Beziehungen nach der Veröffentlichung der russischen Kriegspläne an der syrischen Grenze am 24. November 2015, scheint Russland zum ursprünglichen „South-Stream“-Projekt zurückkehren zu wollen.

Sergei Pravosudov, Direktor des Russischen Instituts für nationale Energetik, bezeichnete die bulgarische Route als zusätzliche Option für russisches Gaslieferungen. Allerdings sei die Regierung in Sofia bisher unfähig, eine entsprechende Entscheidung für ihr Land zu treffen, wie er der russischen Presse gegenüber sagte.

„Unsere Hoffnungen in Bulgaren zu setzen, macht keinen Sinn. Aber wenn die EU-Kommission – oder besser die USA – Bulgaren erlauben, russisches Gas zu bekommen, würden sie diese Gelegenheit gerne nutzen „, so Pravosudov.

Gas-Experten äußerten gegenüber EurActiv, dass das Rennen, welche der beiden Pipeline-Projekte zuerst in der Region Fuß fasst entscheidend ist, da es keinen Markt für zwei Projekte gibt.

Weitere Informationen