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25/09/2016

Schiefergas spaltet Europa

Energie und Klimaschutz

Schiefergas spaltet Europa

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (li.) und EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard (re.) sind nicht immer einer Meinung. Beispiel: Schiefergas. Foto: EC

Die Meinungen der Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission beim Thema Schiefergas gehen stark auseinander. Die wissenschaftliche Chefberaterin des EU-Kommissionspräsidenten gibt grünes Licht für die umstrittene Gewinnung des Rohstoffs – entgegen der Meinung von EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard.

Die EU-Exekutive veröffentliche Ende März (27. März) ein Grünbuch mit den EU Energie- und Klimazielen für 2030. EU-Energiekommissar Günther Oettinger sprach sich in diesem Kontext für Schiefergas aus.

"Ich bin für die Produktion von Schiefergas, besonders aus Sicherheitsgründen und um die Gaspreise zu mindern", sagte er. "In den USA, die ein großer Produzent von Schiefergas sind, ist der Gaspreis viermal geringer als in Europa."

Schiefergas löste in den USA ein industrielles Revival aus. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass bereits um 2035 die Selbstversorgung von Öl und Gas für die USA erreicht sein könnte.

Jedoch brachten lähmende Produktionskosten, die Schließung von Erkundungen und Sorgen um die Umwelt bei den Regierungen die Expansion in Europa ins Schwanken.

EU-Klimakommissarin vorsichtig bei Schiefergas

Der EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard schlug einen anderen Ton beim Schiefergas an. Hedegaard ist der Ansicht, dass die Förderung in Europa wenig gemeinsam hat mit der in den USA.

"Wir nehmen nicht an, dass es so einfach in Europa werden wird: die geologischen Umstände sind anders und so auch die Umweltvorschriften und die Bodenaktivität", sagte sie bei der Vorstellung des Grünbuchs der Kommission.

Anne Glover, die wissenschaftliche Chefberaterin des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, widersprach Hedegaards Ansicht und gab vom wissenschaftlichen Standpunkt aus grünes Licht.

Während einer Debatte des Zentrums für Europäische Politik (European Policy Centre, kurz EPC) über Wissenschaft und Politik am Dienstag (9. April) in Brüssel sagte sie: "Es werden, wie bei allen Energieproduktionen, Risiken involviert sein, ob es nun Wind- oder Kohlekraftanlagen sind."

Glover warnte vor einer Ablehnung: "Aus meiner Sicht werden uns die Beweise ermöglichen, weiter zu machen [mit der Schiefergasproduktion]. Aber im Zusammenhang mit der Extraktion und der Produktion müssen nicht-wissenschaftliche Themen diskutiert werden."

Europa tendiert zur Ablehnung

Der portugiesische EU-Abgeordnete António Fernando Correia de Campos, Leiter des Beurteilungssauschuss technischer und wissenschaftlicher Optionen (Science and Technological Options Assessment Panel, kurz STOA) heißt das Schiefergas ebenfalls gut.

Für den Abgeordneten ist klar, dass Europa innerhalb der nächsten fünf Jahre Schiefergas aus den USA importieren wird. Grund sind die Schiefergaspreise der USA, die momentan ungefähr ein Viertel bis ein Fünftel der aktuellen europäischen Gasimporte kosten. "Wir gründen unsere Probleme auf einem Ablehnungsparadigma, das einen Schritt hinter dem Vorsorgeprinzip ist", sagte er.

Die Mitgliedsstaaten bleiben weiterhin in ihren Ansätzen beim Schiefergas gespalten. Letzten Oktober kündigte der britische Finanzminister George Osborne mögliche Steuervergünstigungen für einheimisches Schiefergas an. Im selben Monat verkündete Polen, die Schiefergasproduktion zu unterstützen. Bis 2020 möchte das Land 12,5 Millionen Euro in die Exploration investieren.

Jedoch haben sich groß angelegte Produktionen als schwierig erwiesen. EU-Regierungen und größere Energieunternehmen stellen ihre Exploration ein oder setzen sie aus. Zudem verhängte Frankreich ein Moratorium für Schiefergasbohrungen.

Währenddessen halten die Zweifel bei den Aktivisten über die Sicherheit der Schiefergasgewinnung an.

"Einige begutachtete Studien haben gezeigt, dass [Gewinnungs-] Operationen und Produktionstätigkeiten signifikant das Krebsrisiko für Gemeinden, die weniger als einer halben Meile weg von Bohrungsstellen wohnen, erhöhen", sagte Antoine Simon von "Friends at the Earth of Europe" gegenüber EurActiv.

Euractiv.com
Übersetzung: csc

Links

EurActiv Brüssel: EU’s chief science advisor gives shale gas go-ahead (11.April 2013)