Oettinger: Steigende Stromkosten bis 2030

EU-Energiekommissar Günther Oettinger zufolge müssen sich die Verbraucher in Deutschland und Europa auch in den kommenden 20 Jahren mit steigenden Strompreisen auseinandersetzen. Foto: EC

Die Klimaziele der EU werden die Strompreise noch fast 20 Jahre lang steigen lassen, hat EU-Energiekommissar Günther Oettinger angekündigt. „Jetzt zu investieren heißt, höhere Preise zu bekommen“. Nach dem nötigen Investitionsschub werde es erst ab 2030 stabile oder fallende Preise geben.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger erklärte gegenüber der Financial Times Deutschland, dass die steigenden Energiepreise Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen treffen werden. Auch der Anteil der Energieausgaben am Bruttoinlandsprodukt werde steigen.

Die Kommission will in dieser Woche die "Energie Roadmap 2050" vorstellen. Darin spielt sie fünf Szenarien durch – von einem sehr hohen Anteil erneuerbarer Energien bis zu einer Kombination aus Erneuerbaren, Atomstrom und konventionellen Kraftwerken mit CO2-Speicherung (CCS). Bis 2050 will die EU die CO2-Emissionen um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 senken.

"Wenn wir warten, wird es nicht billiger"

Dazu müssten die Emissionen in der Stromproduktion um fast 100 Prozent gesenkt werden, sagte Oettinger der FTD. "Nahe null zu kommen ist technisch machbar, bei sicherer Versorgung und zu akzeptablen Preisen." Welcher Weg dafür gewählt wird, solle bis Ende 2013 diskutiert und danach entschieden werden. "Die Frage für unsere Generation ist: Investieren wir jetzt oder später? Wenn wir warten, wird es nicht billiger."

Der Kommissar widersprach Berichten, wonach Brüssel weiter auf Atomkraft setze: "Wir halten weder an der Atomkraft fest, noch befürworten wir den Ausbau von neuen Atomkraftwerken." Der Anteil der erneuerbaren Energien werde deutlich auf mindestens 55 Prozent beim Endenergieverbrauch steigen.

Bei der CO2-Speichertechnologie CCS (Carbon Capture and Storage) müsse es bis Mitte des Jahrzehnts Klarheit geben, ob sie funktioniere. "Ohne CCS können wir Kohlekraftwerke auf Dauer nicht akzeptieren."

Erst Anfang letzter Woche hatte der Energieversorger Vattenfall sein 1,5-Milliarden-Projekt im brandenburgischen Jänschwalde abgeblasen (EURACTIV.de vom 6. Dezember 2011). Damit wird die Speicherung und Abscheidung von Kohlendioxid derzeit in Deutschland nicht erprobt.

dto

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Presse

FTD: Oettinger sieht Strompreis steigen bis 2030 (11. Dezember 2011)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

Verzicht auf EU-Millionen: Vattenfall stoppt CCS in Brandenburg (6. Dezember 2011)

Deutscher Strompreis: Oettinger warnt vor Deindustrialisierung (22. August 2011)