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27/08/2016

IEA-Bericht: Energiebedingte CO2-Emissionen könnten ab 2020 sinken

Energie und Klimaschutz

IEA-Bericht: Energiebedingte CO2-Emissionen könnten ab 2020 sinken

Die IEA schlägt einen Maßnahmenkatalog vor, mit dem Ziel den Höchststand der energiebedingten Emissionen frühzeitig zu erreichen.

Die globalen energiebedingten Treibhausgas-Emissionen könnten bereits in fünf Jahren ihren Höchststand erreichen, erklärt die Internationale Energieagentur (IEA) in einem aktuellen Bericht. Allerdings müssten dafür die Regierungen weltweit die Subventionen für fossile Brennstoffe auslaufen lassen und den Bau neuer Kohlekraftwerke verbieten. EurActiv Brüssel berichtet.

Die Internationale Energieagentur (IEA) legt in ihrem am Montag veröffentlichten Bericht dar, wie die energiebedingten Emissionen zehn Jahre früher als ursprünglich angenommen ihren Höchststand erreichen können. Das wäre ein wichtiger Meilenstein für den Klimaschutz. Dies sei möglich, ohne die wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Aussichten einer Region zu verändern und würde keine wirtschaftlichen Kosten verursachen, so die IEA in ihrem Bericht Energy and Climate Change.

Das ist ein wichtiges Signal an die Gipfelteilnehmer der im November in Paris stattfindenden 21. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP21). Ziel der Konferenz ist die Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter zwei Grad.

Doch die zur Vorbereitung der Konferenz durchgeführten Untersuchungen der Regierungen für die beabsichtigen nationalen Beiträge (INDCs) deuten in eine andere Richtung. Sie zeigen eine Verlangsamung der energiebedingten Emissionen – doch ihr Höchststand soll demnach nicht vor 2030 erreicht werden. Die Länder, die für zwei Drittel der Emissionen verantwortlich sind, haben ihre Versprechen entweder formal eingereicht, oder ihren wahrscheinlichen Inhalt umrissen.

Die IEA-Bewertung der beabsichtigten nationalen Beiträge fällt gemischt aus. Die Zusagen würden helfen. Sie würden aber hinter der “großen Kurskorrektur” zurückbleiben, die es für das Erreichen des Zwei-Grad-Ziels brauche.

Die IEA schlägt einen Maßnahmenkatalog vor, mit dem Ziel den Höchststand der energiebedingten Emissionen frühzeitig zu erreichen. Er soll auch das Wachstum umweltschädlicher Kohle und des Öls in den nächsten fünf Jahren verlangsamen und die erneuerbaren Energien ankurbeln.

Die Maßnahmen im Einzelnen:

  • Den Einsatz der am wenigsten effizienten Kohlekraftwerke zunehmend zurückfahren und ein Verbot für den Bau neuer Kraftwerke.
  • Ein Auslaufen der Subventionen für fossile Brennstoffe für die Endverbraucher bis 2030.
  • Die Reduzierung von Methan – Emissionen bei der Öl- und Gasproduktion. Methan ist noch schädlicher für das Klima als CO2.
  • Erhöhung der Energieeffizienz in der Industrie, bei Gebäuden und beim Verkehr.
  • Erhöhung der Investitionen in erneuerbare Technologien von 270 Milliarden US-Dollar 2014 auf 400 Milliarden US-Dollar 2030.

Dem IEA-Szenario zufolge sollte der Kohleverbrauch vor 2020 seinen Höchststand erreichen und zurückgehen. Die Ölnachfrage steigt demnach bis 2020 und verharrt auf diesem Niveau. Die energiebedingten Treibhausgasemissionen sollten um 2020 ihren Höchststand erreichen.

Die Energieintensität der Weltwirtschaft und die Kohlenstoffintensität der Stromerzeugung sollen sich bis 2030 um 40 Prozent verbessern. Nach IEA-Einschätzung soll die Verbindung zwischen Wirtschaftswachstum und dem Emissionswachstum in China ungefähr 2020 durchbrochen werden. Die IEA erwartet diese Entkopplung allerdings sehr viel früher (beinahe 30 Prozent) als die EU.

Eine schnellere Entkoppelung hänge von verbesserten Energieeffizienzmaßnahmen ab, so der IEA-Bericht.

Die EU verspricht, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent im Vergleich zu den Werten von 1990 zu senken. Damit würde sich der Rückgang der energiebedingten CO2-Emissionen gegenüber 2000 um das Doppelte beschleunigen. Damit werde die EU zu einer der am wenigsten kohlenstoffintensiven Energiewirtschaften weltweit, so die IEA.

Doch ohne die fünf Maßnahmen wird die Verbindung des weltweiten Wirtschaftswachstuns und der Emissionen bis 2030 nicht durchbrochen. Sie schwächt sich aber deutlich ab. Die Wirtschaft wächst zwischen 2013 und 2030 um 88 Prozent – die CO2-Emissionen um acht Prozent.

2030 werden die erneuerbaren Energien die führende Stromquelle sein. Die ineffiziente Stromgewinnung durch Kohlekraftwerke geht jedoch nur leicht zurück.

“Da die IEA-Analyse wiederholt gezeigt hat, dass die Kosten und die Schwierigkeiten zur Abschwächung der Treibhausgas-Emissionen jedes Jahr steigen, drängt die Zeit”, sagte die IEA-Geschäftsführerin Maria van der Hoeven.

Für den langfristigen Erfolg der Pariser Klimakonferenz empfiehlt die IEA vier Schritte:

  • Die Bedingungen für einen frühzeitigen Höchststand der weltweiten energiebedingten Emissionen schaffen
  • Eine alle fünf Jahre stattfindende Überprüfung der nationalen Klimaziele
  • Übertragung des Klimaziels der Welt in ein gemeinsames langfristiges Emissionsziel
  • Aufbau eines Verfahrens zur Rückverfolgung der Errungenschaften im Energiesektor

NGOs fordern von EU Schub für erneuerbare Energien

Das Climate Action Network (CAN) Europe, Greenpeace und der WWF forderten heute von der Kommission eine starke Politik zur Erreichung und Übertreffung des EU-Ziels für erneuerbare Energien bis 2030.

Unverbindliche Ziele mit finanziellen Belohnungen für Länder, die sie übertreffen, seien Anreize für die Regierungen, mit den erneuerbaren Energien weiterzumachen, schreiben die NGOs in ihren Empfehlungen.

Die NGOs würden zwar verbindliche Ziele bevorzugen. Doch das werde wahrscheinlich nicht von den Regierungen akzeptiert.

“Europas Erfolg bei den Erneuerbaren wurde von verbindlichen nationalen Zielen für die erneuerbaren Energien angetrieben. Sollten sie ausbleiben, wird es wichtig sein, dass ein durchsetzbarer Rahmen weiterhin das Wachstum der erneuerbaren Energien in der EU ankurbelt”, sagte die WWF-Referentin für erneuerbare Energien Imke Lübbeke.

Die EU-Kommission überlegt derzeit, wie sie ihr Ziel für die erneuerbaren Energien für das Jahr 2030 als Teil des EU-Rahmens für die Energiepolitik erfüllen will.

Die EU-Staats- und Regierungschefs verständigten sich beim Gipfel im Oktober darauf, verbindliche nationale Ziele für die erneuerbaren Energien zu streichen. Sie wollen sie durch einen Regulierungsrahmen ersetzen. Dieser ist Teil des Abkommens zu den Klima- und Energiezielen für 2030. Unter anderem sollen erneuerbare Energien 2030 mindestens 27 Prozent der Energie für Europa liefern.

Hintergrund

Die Internationale Energieagentur (IEA) ist eine selbständige Organisation innerhalb der OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development; Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Regierungen ihrer 29 Mitgliedsstaaten in Energiefragen zu beraten und zu einer sicheren, nachhaltigen, umwelt- und klimaverträglichen sowie wirtschaftlichen Energieversorgung beizutragen.

Im November findet die 21. UN-Klimakonferenz in Paris statt. Ziel der Konferenz ist die Begrenzung der Klimaerwärmung auf unter zwei Grad.

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