Studie: Wer wählt die AfD?

Menschen mit niedrigen Einkommen, mittlerer Schulbildung und hohen Verlustängsten neigen einer Studie zufolge verstärkt dazu, AfD zu wählen. [EPA/CLEMENS BILAN]

Menschen mit niedrigen Einkommen, mittlerer Schulbildung und hohen Verlustängsten neigen einer Studie zufolge verstärkt dazu, AfD zu wählen.

Das ist Ergebnis einer Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mit der Universität Paderborn und dem Meinungsforschungsinstitut policy matters, die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde. „Kontrollsorgen, Abstiegsangst, Angst vor Arbeitslosigkeit und Verunsicherung über die Zukunft fördern nachweislich den Zulauf zu Rechtspopulisten“, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann.

Studie: "Kleiner Mann" ist nicht der typische AfD-Wähler

Es sind vor allem die „kleinen Leute“ mit eher niedrigem Einkommen und geringem Bildungsgrad, die AfD wählen, lautet die gängige Meinung. Doch ganz so einfach ist es nicht, zeigt nun eine Studie zum typischen Wähler der rechtspopulistischen Partei.

Die Soziologieprofessorin Bettina Kohlrausch erklärte, 22 Prozent einer 5,6 Millionen Menschen umfassenden „Gefährdeten“-Gruppe wähle AfD. Die Gruppe setzt sich demnach aus Personen zusammen, die ein Einkommen unter 2500 Euro im Monat, maximal mittlere Reife haben und angeben, dass ihr Schicksal sehr stark von anderen und von außen bestimmt wird. Obwohl die Wirtschaftsdaten generell gut seien, gebe es Beschäftigte, die für sich und ihre Kinder einen Abstieg fürchteten.

Es gehe also mehr um Ängste der Menschen als etwa einen Arbeitsplatzverlust, sagte Kohlrausch. 67 Prozent der AfD-Anhänger gäben an, sie machten sich Sorgen um ihre persönliche Zukunft. In der Gesamtbevölkerung sind dies nur 46 Prozent. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hatte bereits Anfang August darauf hingewiesen, dass nur wenige Wähler, die etwa bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl für die AfD stimmten, arbeitslos seien.

AfD: Mit Euro-Austritt und Minus-Zuwanderung in den Wahlkampf

Die AfD will mit der Forderung nach einer deutlich strengeren Asylpolitik und dem Austritt aus Euro-Zone und EU nach dem Brexit-Beispiel in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Der Wahlforscher Richard Hilmer sagte, Beschäftigte in Großbetrieben neigten weit weniger zu einer AfD-Wahl als die in kleinen Firmen. Dies hänge mit der fehlenden Tarifbindung zusammen, was das Unsicherheitsgefühl verstärke. Dagegen sehen die Autoren keinen Unterschied im Wahlverhalten von Gewerkschaftsmitgliedern und Wählern, die keiner Gewerkschaft angehören.

IW-Studie: AfD-Anhänger befürworten eher Volksabstimmungen 

DGB-Chef Hoffmann forderte, die Politik müsse auf die Ängste eingehen, die einen realen Hintergrund hätten. Dazu gehöre, Fehlentwicklungen auf dem Arbeitsmarkt wie einen großen Niedriglohnsektor oder viel Leiharbeit zu korrigieren. Außerdem müsse die Tarifbindung erhöht und das Niveau der Alterssicherung nicht weiter gesenkt werden.

Studie: "Kleiner Mann" ist nicht der typische AfD-Wähler

Es sind vor allem die „kleinen Leute“ mit eher niedrigem Einkommen und geringem Bildungsgrad, die AfD wählen, lautet die gängige Meinung. Doch ganz so einfach ist es nicht, zeigt nun eine Studie zum typischen Wähler der rechtspopulistischen Partei.

Das IW untersuchte indes in einer am Mittwoch vorgelegten Erhebung die Meinung von AfD-Anhängern. Sie neigen demnach nicht nur beim Thema Flüchtlinge oder Euro zu grundsätzlich anderen Positionen als Wähler von Union oder SPD. Dies betreffe etwa das Verhältnis zur Türkei, ein stärkeres Engagement Deutschlands in internationalen Krisen, das Sicherheitsgefühl und die Frage von Volksabstimmungen. Während Unions- und SPD-Anhänger Volksabstimmungen zu 58 beziehungsweise 56 Prozent ablehnten, sprächen sich 88 Prozent der AfD für diese Form der direkten Demokratie aus.