Hannover Messe: Merkel wirbt für Freihandel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (L) begrüßt die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo nach ihrer Ankunft zur Eröffnungszeremonie der Hannover Messe 2017. [EPA/CARSTEN KOALL]

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zur Eröffnung der weltgrößten Industriemesse Hannover Messe die Bedeutung eines freien Handels betont.

Sie erteile „Abschottung und Protektionismus eine klare Absage, weil sie auf Dauer immer wieder zu Verlusten führen“, sagte Merkel am Sonntagabend bei der gemeinsamen Eröffnung mit Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo. Szydlo forderte von der Europäischen Union mehr Achtung für die Souveränität ihrer Mitgliedstaaten.

Merkel sagte, sie spreche sich „klipp und klar für einen fairen Freihandel aus“. Als gutes Beispiel nannte sie das mit Kanada geschlossene Handelsabkommen CETA. Trotz des Kurswechsels der USA unter Präsident Donald Trump hält Merkel auch das Freihandelsabkommen TTIP für nicht gescheitert. Sie sei hier „sehr ermutigt“ durch ihren Besuch bei Trump.

CeBIT: Hoffen auf den Freihandel

Eben noch zu Gesprächen im Weißen Haus eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel in Hannover die CeBIT mit einem Plädoyer gegen Protektionismus und für Freihandel. Ein Handelsabkommen mit Japan soll Europa unabhängiger von den USA machen.

Polen ist in diesem Jahr Partnerland der vor 70 Jahren ins Leben gerufenen Messe. Merkel verwies auf die engen Wirtschaftsbeziehungen beider Länder. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen seien ein Beispiel für den „Offenheitsgrad der deutschen Wirtschaft insgesamt“.

Szydlo sagte, in Hannover werde sich „ein junges, mutiges Polen“ präsentieren. Dabei betonte Szydlo Erfolge ihrer eigenen Regierung. „Heute ist Polen ein Land, das sich ehrgeizig entwickelt.“ Für die Europäische Union forderte sie, Konsequenzen aus dem Austritt Großbritanniens zu ziehen. Es müsse über den Rechtsstaat und die Meinungsfreiheit gesprochen werden.
Außerdem betonte sie die Souveränität der einzelnen Mitgliedstaaten: „Wir müssen in Europa daran denken, dass wir auch souveräne Staaten achten müssen.“

BDI: "Abschottungstendenzen sind Gift"

Angesichts der wachsenden Widerstände gegen die Globalisierung sieht die Industrie Gefahren für ihre Geschäfte und Arbeitsplätze. Der deutsche Wohlstand sei schließlich zu 87 Prozent abhängig vom Außenhandel. EURACTIVs Medienpartner „WirtschaftsWoche“ berichtet.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, mahnte mit Blick auf den polnischen Gast deutlich Presse- und Meinungsfreiheit an. Diese seien „unerlässlich“ für eine Industrienation, sagte Kempf an das Partnerland der Hannover Messe vor dem Hintergrund von Eingriffen der PiS-Regierung in Justiz und Presse gerichtet.

Kempf erinnerte zugleich an den Besuch des damaligen Präsidenten Barack Obama auf der Messe vor einem Jahr. Obamas damalige Aussagen über die Bedeutung eines freien Handels hätten viele geteilt – seit dem Regierungswechsel zu Präsident Donald Trump gebe es dagegen zunehmende „Versuche von Protektionismus und Isolation“.

Die Messe mit dem Titel „Integrated Industry-Creating Value“ steht unter dem Motto der digitalen Entwicklung in Richtung der sogenannten Industrie 4.0. Es werden 6500 Aussteller aus 70 Ländern anwesend sein. Für Besucher ist die Messe von Montag bis Freitag geöffnet.