EU-Kommission: Millionenschwere Geldstrafen für Automobilzulieferer

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EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager greift weiterhin hart durch. [European Commission]

Die EU-Kommission wirft mehreren Herstellen von Fahrzeugteilen vor, an einem oder mehreren Kartellen beteiligt gewesen zu sein. EURACTIV Brüssel berichtet.

Deutschlands Mahle Behr, Frankreichs Valeo und vier japanische Firmen – Panasonic, Calsonic, Denso und Sanden – müssen eine Geldstrafe in Höhe von 155 Millionen Euro zahlen. Die sechs Automobilzulieferer sollen laut Kommission Markt- und Preisabsprachen getroffen sowie vertrauliche Informationen über die Lieferung von Klima- und Motorkühlkomponenten auf den europäischen Märkten ausgetauscht haben.

„Auch wenn man Klimaanlagen und Kühlkomponenten meist nicht als Produkte wahrnimmt, sind sie definitiv etwas, das man spürt“, erklärt EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. „In diesem Falle könnten Sie sie anhand ihres Geldbeutels gespürt haben, selbst wenn die Temperaturen in Ihrem Auto gut reguliert werden.“

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Alle sechs Unternehmen gaben bereits zu, beteiligt gewesen zu sein, und wollen den Fall regeln. Denso wurde Immunität gewährt, da es drei der besagten Kartelle offenbart hatte. Somit umging es eine 287 Millionen Euro schwere Geldstrafe. Dennoch muss das Unternehmen 322.000 Euro für seine Verstrickung in ein viertes Kartell zahlen. Auch Panasonic, das eines der Kartelle preisgab, entging einem Bußgeld. Mahle Behr erhielt eine Geldstrafe von 62,1 Millionen Euro; Sanden muss 64,6 Millionen Euro zahlen. Gegen Valeo wurde ein Bußgeld von 26,7 Millionen Euro verhängt und gegen Calsonic eines in Höhe von 1,7 Millionen.

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Die vier Kartelle waren von 2004 bis 2009 aktiv. Zu den betroffenen Autoherstellern zählten Volkswagen, BMW, die Daimler-Marke Mercedes, Geelys Volvo, Suzuki, Nissan Renault und Jaguar Land Rover.

Dies ist der sechste Bußgeldentscheid, den die Kommission seit ihren mehrjährigen Ermittlungen in der Automobilzulieferindustrie erlassen hat. Zuvor hatte die Institution Zulieferern von Wälzlagern, Kabelbäumen, Weichschaum für Autositze, Fahrzeugstandheizungen und Generatoren und Anlasser Geldstrafen auferlegt. Derzeit ermittelt sie gegen Zulieferer für Insassenschutzsysteme.