Deutsche Maschinenbauer: Keine einseitigen Brexit-Zugeständnisse

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Deutschen Maschinenbauern liegt laut VDMA mehr am EU-Binnenmarkt als am britischen Absatzmarkt. [Foto: melis/shutterstock]

Deutschlands produzierendes Gewerbe fordert faire Brexit-Gespräche statt einseitiger Zugeständnisse zugunsten Großbritanniens. Der Binnenmarkt sei der Industrie wichtiger. EURACTIV Brüssel berichtet.

Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), fordert zügige Gespräche über den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs. „Wir müssen unbedingt vermeiden, in zwei Jahren ohne ein Abkommen dazustehen.“

Mit Absätzen im Wert von 7,4 Milliarden Euro war Großbritannien laut VDMA letztes Jahr das viertgrößte Exportziel der deutschen Maschinenbauer. Davor liegen nur die USA, China und Frankreich. Die Exporte in andere EU-Länder machten im Vergleich dazu 72,5 Milliarden Euro beziehungsweise 46 Prozent des gesamten Branchenhandels aus.

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Die Mahnungen klingen immer dringlicher: Angela Merkel und Francois Hollande pochen angesichts der Entwicklungen in den USA und des Brexit auf die Einheit der EU.

Den Binnenmarkt der übrigen 27 Mitgliedsstaaten zu wahren ist laut Brodtmann von besonders großer Bedeutung: „Klar ist aber, dass der langfristige Erhalt des Binnenmarktes für die Industrie wichtiger ist als kurzfristige Handelserleichterungen mit Großbritannien. Deswegen darf ein Abkommen mit der EU nicht attraktiver sein als eine EU-Mitgliedschaft.“

„Eine Sonderrolle als Trittbrettfahrer darf es für Großbritannien nicht geben“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands.

Diese veröffentlichte der VDMA als Gegenreaktion auf die Behauptung britischer Europaskeptiker, deutsche Exporteure würden nach dem Brexit ohnehin verzweifelt versuchen, einen Handels-Deal mit Großbritannien abzuschließen, um ihre Ausfuhren zu sichern.

Die britische Premierministerin Theresa May will am heutigen Mittwoch den zweijährigen Austrittsprozess einleiten. Ihr zufolge sei kein Deal besser als ein schlechter Deal – eine Aussage, die dem britischen Industrieverband EEF große Kopfschmerzen bereitet. Sie warnen, britische Exporte in die EU, insbesondere Autos, Chemikalien und Maschinerie, könnten mit Zöllen von durchschnittlich 5,3 Prozent belegt werden, sollte es nach den zwei Verhandlungsjahren kein Abkommen geben. „Die Idee, einfach mit leeren Händen auszutreten, mag eine Verhandlungstaktik sein. In der Realität jedoch wäre dies ein großes Risiko und ein kostenschwerer Schlag“, befürchtet EEF-Vorstandsvorsitz Terry Scuoler.

Erst kürzlich gestand der britische Brexit-Minister David Davis, die Regierung in London habe die wirtschaftlichen Folgen eines Austritts ohne neues Handelsabkommen noch nicht ausgewertet.

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