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09/12/2016

Idomeni: Hunderte Flüchtlinge in andere Lager gebracht

Idomeni: Hunderte Flüchtlinge in andere Lager gebracht

Tausende Flüchtlinge harren noch immer in Idomeni aus.

Foto: Valdrin Xhemaj/dpa

Nach den Ausschreitungen im griechischen Flüchtlingscamp Idomeni haben mehrere hundert Menschen das Lager verlassen. Die griechische Polizei verschärfte die Kontrollen in dem Grenzort.

Etwa 400 Flüchtlinge seien am Dienstagmorgen mit Bussen in andere Aufnahmeeinrichtungen gebracht worden, berichtete ein AFP-Fotograf. Am Nachmittag sollten weitere Busse abfahren. Nach Polizeiangaben waren am Montag bereits 300 Flüchtlinge abgereist. Der Hilfsorganisation Cyci zufolge wurden außerdem etwa hundert Menschen in ein Lager nahe Veria verlegt.

In Idomeni an der mazedonischen Grenze sitzen weiterhin mehr als 11.000 Menschen fest, seit die Fluchtroute über den Balkan vor einigen Wochen abgeriegelt worden war. Sie fordern die Einreise nach Mazedonien, um von dort aus weiter in Richtung Deutschland und andere europäische Länder zu kommen.

Am Sonntag hatten hunderte Flüchtlinge versucht, die Grenzanlage gewaltsam zu stürmen. Es kam zu stundenlangen Auseinandersetzungen mit der mazedonischen Polizei, etwa 260 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erlitten dutzende Flüchtlinge Verletzungen durch Gummigeschosse am Kopf, darunter auch drei Kinder.

Der Ansturm war durch ein auf Arabisch verfasstes Flugblatt ausgelöst worden, in dem fälschlicherweise die Öffnung der Grenze verkündet wurde. Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras warf ausländischen Freiwilligen vor, die Flüchtlinge angestachelt zu haben.

Die griechische Polizei verschärfte inzwischen die Kontrollen in dem Grenzort. Mehr als ein Dutzend Menschen sei festgenommen worden, hieß es aus Ermittlerkreisen. Unter ihnen sei auch ein deutscher Aktivist, der ein Messer bei sich getragen habe. Die Verdächtigen seien mit Ausnahme des Deutschen wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Die griechischen Behörden bemühen sich derzeit auch darum, ein improvisiertes Flüchtlingslager im Hafen von Piräus zu räumen. Etwa tausend Menschen ließen sich am Montag in ein nahe gelegenes Camp bringen. Fast 4000 weitere harren dort weiter aus.