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27/09/2016

Ende der Grabungen in Ephesos: Strafsanktion gegen Österreich

Ende der Grabungen in Ephesos: Strafsanktion gegen Österreich

Im Altertum war Ephesus eine der ältesten, größten und bedeutendsten Städte Kleinasiens.

Foto: Tatiana Popova / Shutterstock

Die türkische Regierung hat Österreich die Grabungslizenz für Ephesos entzogen. Das sorgt für Irritation in der Welt der Kultur und Wissenschaft.

Im Altertum war Ephesus eine der ältesten, größten und bedeutendsten Städte Kleinasiens und verfügte mit dem Tempel der Artemis über eines der Sieben Weltwunder. In der Antike lag die Stadt direkt am Meer. Aufgrund klimatischer und seismischer Veränderungen verschob sich die Küstenlinie im Laufe der Jahrhunderte nach Westen, so dass sich die Reste der Stadt heute mehrere Kilometer landeinwärts befinden. Ephesos gehört heute zu einer der meistbesuchten archäologischen Stätten und wurde 2015 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben. Seit 1895, also mehr als 120 Jahre sind hier österreichische Wissenschaftler tätig und haben Großartiges freigelegt und rekonstruiert.

Mit einer lakonischen Meldung verkündete nun vor einer Woche eine türkische staatliche Agentur den von der Regierung in Ankara verordneten Stopp der österreichischen Ausgrabungen in der antiken Stadt. Mittlerweile erhielt Sabine Ladstätter, Direktorin des Österreichischen Archäologischen Institutes, auch per Brief durch das Kultusministerium die Aufforderung übermittelt, dass die Archäologen und Mitarbeiter zwei Monate vor dem regulären Ende der heurigen Grabungskampagne die historische Stätte verlassen müssen. Betroffen sind von diesem Beschluss sind allerdings nicht nur 12 österreichische Wissenschaftler sondern insgesamt 200 Forscherinnen und Forscher aus 20 Nationen – und zudem auch noch 55 türkische Hilfskräfte.

Wie Recherchen ergaben, handelt es sich bei dieser Verfügung um eine Art Strafsanktion der türkischen Regierung. Sie will damit auf die kritischen Äußerungen österreichischer Politiker reagieren, die aufgrund der von Präsident Recep Tayyip Erdogan verfügten Maßnahmen zur Beschränkung der Presse-und Meinungsfreiheit sowie zur Knebelung des Justizwesens unter anderem einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen forderten. Dass politische Meinungsverschiedenheiten zu einem Abbruch international anerkannter kulturell-wissenschaftlicher Arbeit missbraucht werden, sorgt für allgemeines Kopfschütteln.

Der frühere österreichische Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle sagt: „Wissenschaft und Forschung haben seit jeher eine verbindende Funktion und können auch in angespannten Zeiten eine wichtige Brücke bilden“.

Die Türkei schneidet sich mit dieser überzogenen Reaktionen auch noch ins eigene Fleisch. Denn das von Österreich geleitete internationale Forscherteam hatte  bislang wesentlich dazu beigetragen, die antike Stätte weiter zu erforschen, zu restaurieren und auch einem breiten Publikum zugänglich zu machen, womit Ephesos zu einer der attraktivsten archäologischen Stätten des gesamten Mittelmeerraumes wurde“.

Inzwischen wird nach Möglichkeiten gesucht, ein Einlenken der verantwortlichen türkischen Stellen zu erreichen. So führte gestern der österreichische Honorarkonsul von Izmir, Ülkü Caner, in Wien Gespräche auf diplomatischer Ebene, um mit den zuständigen Referenten im Außenministerium mögliche Schritte zu beraten, wie wieder eine Normalisierung der Beziehungen zumindest auf dem Gebiet von Wissenschaft und Kultur erreicht werden könnte.