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Ressourcen und Umwelt


Seltene Erden werden knapper, warnen Experten. Die Hightech-Metalle sind auch für den Ausbau der Windkraft unerlässlich. Foto: dpa.

Seltene Erden werden knapper, warnen Experten. Die Hightech-Metalle sind auch für den Ausbau der Windkraft unerlässlich. Foto: dpa.

Aktuell - Mittwoch 23 November 2011 - Ressourcen und Umwelt

Debatte: Ressourcenschonendes Europa? (1)

Eine europäische Innovationsstrategie für Rohstoffeffizienz

Ohne Rohstoffe geht Europas Wirtschaft die Puste aus, warnt der grüne EU-Industriepolitiker Reinhard Bütikofer in einem Standpunkt auf EurActiv.de. Bütikofer fordert eine europäische Innovationsstrategie und verbindliche EU-Vorgaben für mehr Effizienz.

Zur Person

Foto: Grüne/EFAReinhard Bütikofer begann seine politische Laufbahn als Studentenvertreter in den 70er Jahren. In Heidelberg studierte Bütikofer Philosophie, Geschichte und Sinologie. Anfang der 80er Jahre trat er den Grünen bei. Zwischen 2002 bis 2008 war er deren Bundesvorsitzender. 2009 zog er als Spitzenkandidat der Grünen ins EU-Parlament ein. Opens external link in new windowBütikofer ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Schatzmeister der Fraktion Die Grünen / EFA und Mitglied der Ausschüsse "Industrie, Forschung und Energie" (Opens external link in new windowITRE) und "Sicherheit und Verteidigung" (Opens external link in new windowSEDE). Bütikofer hat 2011 den Opens external link in new windowInitiativ-Bericht "Eine erfolgreiche Rohstoffstrategie für Europa" des EU-Parlaments ausgearbeitet.
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Wann immer es um Ressourceneffizienz geht, kann man den Eindruck bekommen, als habe Europa sehr viel Zeit. Mehr Zeit noch als beim Thema Energieeffizienz. Diese wird immerhin seit einiger Zeit auf der politischen Agenda wahrgenommen, auch wenn die europäischen Anstrengungen zu diesem Thema bisher recht unverbindlich sind. Immerhin soll die Energieeffizienz bis 2020 um 20 Prozent gesteigert werden und es gibt einige konkrete legislative Vorhaben.

Ausbau der Erneuerbaren ist bedroht


Bei der Ressourceneffizienz gibt es bisher keine klaren Ziele; es gibt noch nicht einmal Einigkeit darüber, wie man Ressourceneffizienz überhaupt messen soll. Ressourceneffizienz verdient aber genau so viel Aufmerksamkeit wie die Energieeffizienz. Denn ohne Rohstoffe geht Europas Wirtschaft die Puste aus. Schließlich hat die europäische Wirtschaft mit fast 3 Tonnen pro Kopf und Jahr die höchste Netto-Einfuhr von Ressourcen in der Welt. Darüber hinaus schaffen wir ohne eine adäquate Rohstoffversorgung keinen Umbau hin zu einer grünen Wirtschaft. Ein vor kurzem veröffentlichter Opens external link in new windowBericht der Europäischen Gemeinsamen Forschungsstelle (Joint Research Centre) veranschaulicht dies und weist darauf hin, dass Europas Ausbau der Erneuerbaren durch Rohstoffknappheiten bedroht ist. Laut dem Bericht ist der Ausbau der Photovoltaik zum Beispiel von drei kritischen Metallen bedroht: Tellurium, Indium und Gallium.

Ressourceneffizienz, Substitution, Recycling


Nun ist die Situation auf den Rohstoffmärkten extrem volatil. Das Angebot von kritischen Rohstoffen, vor allem von Technologierohstoffen wie zum Beispiel Seltenen Erden, lässt viel zu wünschen übrig. In diesem Rahmen sind Unternehmen nicht mehr die einzigen Akteure, die um Ressourcen ringen. Auch Staaten widmen sich immer mehr der Rohstoffversorgung. China sichert sich zum Beispiel seine Seltenen Erden durch Exportbeschränkungen, während die Deutsche Bundesregierung die geplante "Allianz zur Rohstoffsicherung" - ein Bündnis deutscher Konzerne - zu unterstützen plant.

"Bis zu 1 Million neue Jobs für Deutschland"


Um den rohstoffpolitischen Herausforderungen gewachsen zu sein, braucht es eine konkurrenz- und zukunftsfähige europäische Innovationsstrategie, basierend auf Ressourceneffizienz, Substitution, Wiederverwertung und Recycling. Solch eine Strategie könnte die zentralen Anforderungen der Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit erfüllen. Ein effizienter Verbrauch von Rohstoffen könnte in Zeiten der Wirtschaftskrise als ein Konjunkturprogramm wirken. Schließlich schätzt eine Studie, dass in Deutschland alleine bis zu 100 Milliarden Euro jährlich durch Ressourceneffizienz eingespart werden könnten. Dies würde auch bis zu 1 Million neue Jobs für Deutschland schaffen.

"EU-Wettbewerbsrat ignoriert die Frage von Effizienzzielen"


Als Berichterstatter des Europäischen Parlaments zu Rohstoffen konnte ich bei der Ressourceneffizienz konkrete Ansatzpunkte setzen. Mein Opens external link in new windowBericht, welcher im September vom Parlament verabschiedet wurde, fordert zum Beispiel die Europäische Kommission auf, mittel- und langfristige Ziele zur Verbesserung der Ressourceneffizienz zu vereinbaren sowie die Ökodesign-Richtlinie auf den Rohstoffverbrauch zu erweitern.

EU-Umweltkommissar Janez Potočnik kann sich mit seinem Arbeitsplan für ein ressourceneffizientes Europa, welcher viele meiner Kernforderungen beinhaltet, auf uns stützen. Allerdings fehlt es der Opens external link in new windowRoadmap an konkreten Gesetzesinitiativen. Das liegt in großem Maße daran, dass die EU Wirtschaftsminister auf die Bremse treten. In den Opens external link in new windowSchlussfolgerungen des EU-Wettbewerbrates zum Thema wird die Erarbeitung von konkreten Effizienzzielen schlichtweg ignoriert, von einer möglichen Erweiterung der Ökodesign-Richtlinie gar nicht zu sprechen.

Für den Umbau hin zu einer effizienten, nachhaltigen und zukunftsfähigen Wirtschaft sind konkrete Ressourceneffizienzziele und Maßnahmen unverzichtbar. Es müssen europäische ordnungspolitische Weichen gestellt werden, die das Potenzial der Ressourceneffizienz ausschöpfen. Jetzt müssen die Mitgliedsstaaten mitspielen.

Links


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Dokumente zur EU-Ressourcen- und Rohstoffpolitik

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Öffnet externen Link in neuem Fenster"Fahrplan für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaft bis 2050". Mitteilung. KOM (2011) 112 (8. März 2011)

EU-Kommission: Öffnet externen Link in neuem FensterDie Rohstoffinitiative — Sicherung der Versorgung Europas mit den für Wachstum und Beschäftigung notwendigen Gütern. KOM (2008) 699 (4. November 2010)

EU-Parlament: Opens external link in new windowBericht über eine erfolgreiche Rohstoffstrategie für Europa
(2011/2056(INI)). Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE). Berichterstatter: Reinhard Bütikofer. Angenommen am 13. September 2011.
(25. Juli 2011)

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JRC: Opens external link in new windowReport on Critical Metals in Strategic Energy Technologies. Pressemitteilung (26. Oktober 2011)

JRC: Opens external link in new windowReport on Critical Metals in Strategic Energy Technologies (Oktober 2011)

NABU:Öffnet externen Link in neuem FensterSchwacher EU-Plan zur Ressourceneffizienz (19. September 2011)

BMWi: Opens external link in new windowRohstoffstrategie der Bundesregierung (Oktober 2010)

BMWi: Opens external link in new windowDeutschen Rohstoffagentur

Studie Ökoinstitut: Opens external link in new windowStudy on Rare Earths and Their Recycling (Januar 2011)

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