EU-Finanzierungssuchende: Schwedische Regionen ebnen den Weg

  

Um die lokalen und regionalen Behörden dazu zu ermutigen, EU-Finanzierung zu ersuchen, hat die schwedische Westregion einen „Beratungsdienst“ entwickelt, der ihnen hilft, Fördermittel zu bekommen, die den eigenen langfristigen Entwicklungszielen entsprechen. Seine Gestalter stellen das Modell als „solide und einzigartig“ dar, und hoffen, dass es EU-weit repliziert wird.

Dieser spezielle Beraterdienst, der Westschwedische EU-Projektanalysendienst oder WEPA genannt, nimmt die politischen Visionen seiner Mitgliedsregionen und -gemeinden als Ausgangspunkt.

In anderen Worten, anstatt sie einfach in die Richtung zu stoßen, in der derzeit erhältliche EU-Gelder zu finden sind, fragen sie sie nach ihren Entwicklungszielen und beginnen erst dann ein Brainstorming zu möglichen Finanzierungsquellen.

WEPA – ein politischeres Modell?

Der Präsident Westschwedens, Kjell Peterson, erklärte EurActiv, dass seine Region, genau wie andere europäische Regionalkörperschaften reichliche Erfahrungen habe in der alltäglichen Weiterleitung von EU-Informationen an die Basisebene und in der Hilfe an vor Ort anwesende und regionale Mitglieder, Projektideen zu entwickeln.

Jedoch würden in den meisten anderen Ländern Projektideen häufig von individuellen Beamten oder Abteilungen in lokalen und regionalen Behörden angetrieben, wohingegen das WEPA-Modell direkt auf die politischen Visionen der lokalen Behörden baue, so Peterson.

WEPA in der Praxis

Das Modell besteht in verschiedenen Schritten: In einer Vorbereitungsphase setzen sich Vertreter von Westschweden mit ausgesuchten Abgeordneten und Beamten zu einem eintägigen Start-Meeting zusammen. Nach diesem ersten Schritt ermöglicht die Analysenphase dem regionalen Büro, mögliche Finanzierungsoptionen zu bewerten, auf den Prioritäten der Region basierend.

In einem zweiten eintägigen Empfehlungstreffen werden die Behörden die nächsten Schritte umreißen und schlussendlich während der Anwendungsphase die lokalen Behörden ein Projekt ausrichten, das sich um EU-Gelder bewirbt und das durchwegs Hilfe von Westschweden bekommt.

Westschwedische Beamte, die von EurActiv befragt wurden, nannten die Arvika-Gemeinde als ein Beispiel des erfolgreichen Funktionierens von WEPA.

Arvika war die erste lokale Behörde, die das Modell probierte. Beim ersten Treffen nahmen etwa 30 führende Politiker und Beamte an einer zweitägigen Diskussion teil. Westschweden nahm 25 Gebiete zur Kenntnis, die Arvika mit Hilfe von EU-Geldern entwickeln wollte. Diese wurden analysiert und weitere Prioritäten gesetzt, die für eine Summe von 260.000 Euro in drei erfolgreichen Projektanwendungen resultierten.

Zum Beispiel zielte eines der Projekte darauf ab, ältere Menschen dank neuer Technologien aus der Isolierung zu befreien. Man riet Arvika, sich um Gelder aus dem „Ambient Assisted Living“-Programm zu bewerben, und die Gemeinde schloss sich einem erfolgreichen Projekt einer europäischen Partnerschaft unter niederländischer Leitung an.

Die Arvika- und WEPA-Modelle haben Beamten zufolge beträchtliches Medieninteresse in Schweden erhalten: sowohl „Sveriges Radio“ als auch mehrere lokale Zeitungen hätten über die Erfolge des Modells berichtet.

WEPA: Lückenfüllen für lokale Beamte

WEPA werde benötigt, so Peterson, da in vielen Fällen die Beamten vor Ort einfach nicht die Zeit oder das Geld hätten, den langwierigen Prozess zu beginnen, sich um Sektor- oder Strukturfonds zu bewerben. Auf lokaler und regionaler Ebene werden EU-finanzierte Projekte als getrennt von der „normalen Arbeit“ der Beamten gesehen, weshalb es manchmal schwierig sei, die benötigten Ressourcen für die Bewerbung zu finden, so der Präsident Westschwedens.

Die Unsicherheit des Prozesses, sogar im Falle einer guten Bewerbung, und die mangelnde Kompetenz und Erfahrung im Prozess, der zu einer Bewerbung um EU-Gelder führt, seien auch große Hürden.

Kann es anderswo klappen?

Dem Präsidenten Westschwedens und einigen Beamten zufolge kann dieses Modell anderswo repliziert werden. Peterson sagte, Westschweden sei bereits von anderen Regionalbüros des Landes kontaktiert worden, deren Mitglieder vom Modell gehört hätten und sich dafür interessierten, es selbst auszuführen.

Gleicherweise hätten sie auch Anfragen nach Präsentationen von anderen europäischen Regionalbüros erhalten, die solche Dienste ihren Mitgliedern ebenfalls anbieten wollten. Westschweden plane auch, sich für ein „Interreg IVa“-Projekt zu bewerben, um WEPA in Regionen Dänemarks und Norwegens auszuprobieren.

Jedoch, obwohl das Modell in skandinavischen Ländern leicht zu replizieren ist, die Schwedens Niveaus an Reichtum und Regierungsinfrastruktur teilen, bleibt es abzusehen, ob WEPA in Ländern funktionieren kann, in denen BIP und Regierungsebenen von gänzlich anderen politischen Traditionen abstammen.

Eine Lösung, so Beamte Westschwedens, könnte es sein, höhere Investitionen von der Europäischen Kommission für solche Projekte zu bekommen, die internationalen Austausch für regionale und lokale Behörden fördern.

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