Arbeitslosigkeit: Rekordwerte in EU und Euro-Zone

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Bilanz 2011: Die Deutschen freuen sich über sinkende Arbeitslosenzahlen, in anderen EU-Ländern haben viele Menschen ihren Job verloren. Foto: dpa

Die Arbeitslosigkeit hat in der EU und in der Euro-Zone neue Höchstwerte erreicht. In acht EU-Ländern ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt für junge Menschen so schlecht, dass die EU-Kommission nun Expertenteams vor Ort entsendet.

Deutschland freut sich über sinkende Arbeitslosenzahlen, doch europaweit ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt miserabel. Im Euroraum lag die Arbeitslosenquote im Dezember 2011 bei 10,4 Prozent. Im Dezember 2010 hatte sie noch 10,0 Prozent betragen. In der EU27 lag die Arbeitslosenquote im Dezember 2011 bei 9,9 Prozent. Im Dezember 2010 hatte sie 9,5 Prozent betragen. Das geht aus den aktuellen Eurostat-Daten hervor.

Eurostat schätzt, dass im Dezember 2011 in der EU27 insgesamt 23,8 Millionen Menschen arbeitslos waren, davon 16,5 Millionen im Euroraum. Gegenüber November 2011 ist die Zahl der arbeitslosen Personen in der EU27 um 24.000 und im Euroraum um 20.000 gestiegen. Gegenüber Dezember 2010 nahm die Zahl der Arbeitslosen in der EU27 um 923.000 und im Euroraum um 751.000 zu.

Die niedrigsten Arbeitslosenquoten hatten Österreich (4,1 Prozent), die Niederlande (4,9 Prozent) und Luxemburg (5,2 Prozent). Die höchsten Quoten meldeten Spanien (22,9 Prozent), Griechenland (19,2 Prozent im Oktober 2011) und Litauen (15,3 Prozent im dritten Quartal 2011).

Jugendarbeitslosigkeit

Einen Job zu finden, wird vor allem für junge Menschen unter 25 Jahre immer schwieriger. Die Jugendarbeitslosenquote lag im Dezember 2011 in der EU27 bei 22,1 Prozent und im Euroraum bei 21,3 Prozent.

Die niedrigsten Quoten verzeichneten Deutschland (7,8 Prozent), Österreich (8,2 Prozent) und die Niederlande (8,6 Prozent) und die höchsten Quoten Spanien (48,7 Prozent), Griechenland (47,2 Prozent im Oktober 2011) und die Slowakei (35,6 Prozent).

Im Dezember 2011 lag die Arbeitslosenquote in den USA bei 8,5 Prozent und im November 2011 in Japan bei 4,5 Prozent.

"Action teams" für acht EU-Länder

Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte bei der informellen Tagung am 30. Januar in einer Powerpoint-Präsentation bereits auf die Probleme einzelner Länder bei der Jugendarbeitslosigkeit, bei der finanziellen Förderung kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU) und bei der Vollendung des Binnenmarktes hingewiesen.

In acht EU-Ländern ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt für junge Menschen so schlecht, dass die EU-Kommission im Februar Expertenteams in die acht Länder schicken wird, um die Lage vor Ort zu prüfen. Barroso schrieb dazu jeweils einen Brief an die Regierungschefs von Spanien, Griechenland, Slowakei, Litauen, Italien, Portugal, Lettland und Irland.

Darin listet die Kommission auf, welche Maßnahmen das Land nun unternehmen sollte, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Zudem sollen sogenannte "action teams", die aus EU-Beamten und nationalen Mitarbeitern zusammengesetzt werden, bis Mitte April gezielte Pläne ausarbeiten. Diese sollen in das Nationale Reformprogramm eingearbeitet werden, den die Mitgliedsstaaten im Rahmen des Europäischen Semesters bis Ende April an die EU-Kommission schicken müssen.

Ungenutzte EU-Gelder im Strukturfonds

Die betroffen Länder können zudem auf EU-Gelder hoffen. Beim Sondergipfel wurde beschlossen, dass diese Länder noch nicht zugewiesene Mittel der EU-Strukturfonds umwidmen können, um sie gezielt für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit einzusetzen. Von den Geldern sollen auch kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) profitieren, da sich die Kommission von den KMUs die Schaffung neuer Jobs verspricht.

EU-weit sind aus der laufenden Programmphase 2007-2013 etwa 82,3 Milliarden Euro an Strukturfondsmitteln noch nicht zugewiesen. Für die acht Krisenländer stehen maximal folgende EU-Mittel zur Verfügung:

Spanien: 10,7 Milliarden Euro
Griechenland: 4,3 Milliarden Euro
Slowakei: 2,3 Milliarden Euro
Litauen: 1,1 Milliarden Euro
Italien: 8 Milliarden Euro
Portugal: 3 Milliarden Euro
Lettland: 5 Millionen Euro
Irland: 2 Millionen Euro

EurActiv/mka

Ein englischsprachiger Beitrag zu diesem Thema erschien auf EurActiv.com.

Links

Eurostat: Arbeitslosenquote des Euroraums bei 10,4 Prozent (31. Januar 2012)

Kommissionspräsident: letter to eight member states' leaaders on youth unemployment (31. Januar 2012)

Rat: European leaders commit to strengthen EU growth and competitiveness (30. Januar 2012)

Rat:
Agreement on strengthening fiscal discipline and convergence (30. Januar 2012)

Rat: The fiscal compact ready to be signed (30. Januar 2012)

Ratspräsident:
Press remarks following the informal meeting (30. Januar 2012)

Kommission:
Informationen und Dokumente zum Informellen Europäischen Rat (30. Januar 2012)

Kommissionspräsident: Wachstum und Beschäftigung: Die nächsten Schritte (30. Januar 2012)

Kommissionspräsident: Statement following the Informal meeting of the European Council (30. Januar 2012)

Parlamentspräsident: Rede zur informellen Tagung des Europäischen Rates (30. Januar 2012)

Zum Thema auf Eurctiv.de

Ergebnisse des deutschen EU-Gipfels (31. Januar 2012)

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