Libyscher Thronerbe im Brüsseler Rampenlicht

  

Der im Exil lebende libysche Kronprinz, Mohammed El Senussi, ist gestern (20. April) im Europäischen Parlament aufgetreten. Er präsentierte sich als Verfassungsverfechter und setzte sich für die monarchische Verfassung seines Landes aus dem Jahr 1951 als Basis für das künftige Libyen ein.

In einem übervollen Konferenzraum drängten sich gestern EU-Parlamentarier aller Fraktionen, um einen Blick auf den im Westen kaum bekannten libyschen Thronfolger Prinz Mohammed El Senussi zu werfen. Organisiert wurde die royale Stippvisite von der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (ECR ) im EU-Parlament.

Den EU-Abgeordneten erzählte El Senussi auf Arabisch von der bewegten Geschichte seiner Familie. Senussis Großonkel König Idris wurde 1969 von Oberst Muammar Gaddafi vom Thron gestürzt. Fortan sollte die gesamte Königsfamilie unter dem brutalen Regime Gaddafis zu leiden haben.

1988 verbannte Gaddafi El Senussi und seine Familie ins Ausland. Großbritannien wurde zur neuen Heimat des libyschen Prinzen. Von seinem Vater Hasan as-Senussi wurde El Senussi 1992 zum Thronfolger und Oberhaupt der königlichen Familie ernannt. Kurz darauf verstarb der Vater.

Nach eigenen Angaben arbeiten El Senussi und seine Brüder seitdem mit der libyschen Opposition zusammen. Gemeinsam wollen sie diverse Veranstaltungen in Europa organisiert haben.

El Senussi sprach Frankreich und Großbritannien seinen persönlichen Dank dafür aus, dass sie die Flugverbotszone über Libyen eingerichtet haben. Darüber hinaus forderte der Kronprinz, dass sich weitere westliche und arabische Länder Frankreich und Großbritannien anschließen, um Druck auf Gaddafi auszuüben. Was er genau unter Druck versteht, sagte er nicht.

Mit dem libyschen Übergangsrat in Bengasi habe er gute Beziehungen, so El Senussi. Er betonte jedoch, dass es sich bei dem Rat lediglich um eine Übergangslösung handle. Das Fundament für die Zukunft des Landes müsse die Verfassung von 1951 bilden, durch die die Unabhängigkeit Libyens von Italien und die konstitutionelle Erbmonarchie als Staatsform verankert worden seien.

El Senussi signalisierte jedoch, dass er für Verfassungsänderungen offen sei. Das libysche Volk solle zudem selbst entscheiden, ob es lieber in einer konstitutionellen Monarchie oder einer Republik leben wolle. In seine Heimat will der Kronprinz erst nach dem Sturz Gaddafis zurückkehren.

Für ihn habe der Wille des Volkes absolute Priorität, so der Thronfolger. Deshalb fordere er momentan auch keine Bodentruppen, weil Volkes Wille dazu fehle. Dies könne sich aber im Laufe der Zeit noch ändern.

Die Lage in der umkämpften Hafenstadt Misrata hat sich gestern dramatisch verschlechtert. Die 300.000-Einwohner-Stadt ist die letzte Rebellenhochburg im Westen des Landes. Hunderte Zivilisten sollen bei Kämpfen zwischen Gaddafis Truppen und libyschen Rebellen getötet worden sein. 

   
Unter den Opfern waren der britische Fotojournalist und Oscar-nominierte Dokumentarfilmer Tim Hetherington und der amerikanische Fotograf Chris Hondros. Die beiden Kriegsfotografen kamen bei einem Mörserangriff ums Leben.

Ein Sprecher der Rebellen wird von der Nachrichtenagentur reuters mit den Worten zitiert, dass die Militäraktion der Nato in Misrata völlig ineffizient sei und nichts an der Lage vor Ort geändert habe.

Bei einem ersten Treffen mit dem Präsidenten des libyschen Übergangsrates, Mustafa Abdel-Jalil, hatte der französische Präsident Nicolas Sarkozy stärkere militärische Unterstützung zugesichert.

(Übersetzung und leichte Veränderungen von EurActiv Deutschland.)

Positionen: 

Zeitplan: 

Links: 
Sektionen: 
Personen: 
Orte: 
Themen: 
Anzeige