Interview: Europa hat Probleme, das 'neue Russland' zu akzeptieren [DE]

  

Die Spannungen im Dialog zwischen der EU und Russland würden unausweichlich zunehmen, da die sich Russlands entwickelnde Wirtschaft, sein Militär und die enormen Energievorräte dem Land in den internationalen Beziehungen eine viel stärkere Verhandlungsposition verleihe als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen sei, sagte Piotr Dutkiewicz, Leiter des Instituts für Europa- und Russlandstudien an der Carleton University in Ottawa, Kanada. Er sprach in einem Interview mit EurActiv Slowakei.

„Politisch gesehen hat Europa Probleme, das neue durchsetzungsfähigere und aggressivere Russland zu akzeptieren“, sagte Dutkiewicz. Eine Bevorzugung von Ad-Hoc-Maßnahmen gegenüber langfristigen Einigungen zeige jedoch, dass „Russland vemutlich am Scheideweg“ stehe, was seine zukünftige Rolle in der Welt angehe. 

Die Entwicklung der russischen Gas-Pipelines zeige jedoch, dass Russland „Europa gegenüber ein loyaler Partner“ sei – umso mehr, da derzeit „100% des Gases, das Russland verkauft, an Europa geht und gegenwärtig keine Pläne bestehen, Pipelines nach Asien zu bauen“, so Dutkiewicz.

Erste Verhandlungen über ein neues Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Russland waren immer wieder ins Stocken geraten, jüngst nach einem Veto Litauens, das Bedenken im Hinblick auf die Sicherheit der Energieversorgung und Russlands Beteiligung an regionalen Konflikten in Georgien und der Republik Moldau hatte (EurActiv vom 30. April 2008).

Professor Dutkiewicz gesteht ein, dass die EU als Ganze zwar „Russland nicht als Feind“ sehe, es für die neuen EU-Mitgliedstaaten politisch gesehen aus historischen Gründen jedoch „sehr schwierig ist, wie das ‚alte Europa’ zu denken“.

Über den „sicheren Zugang zu Russlands Bodenschätzen“ hinaus wisse die EU nicht, was sie von dem Land wolle, behauptet Dutkiewicz. Die Beziehung sei angegriffen, da die „Geister des Kalten Krieges“ über den europäischen Hauptstädten und dem Kreml ihr Unwesen trieben. Zudem wisse Russland nicht, an wen man sich wenden solle, wenn es um die Beziehungen zur Union gehe; dies sei den Verhandlungen nicht zuträglich, fügte er hinzu.

„Aufgrund der wechselnden EU-Ratspräsidentschaften [und] der Tatsache, dass jeder Mitgliedstaat ein Veto gegen wichtige politische Initiativen einlegen kann”, sei ein Russland, das eher an bi- statt an multilaterale Beziehungen gewöhnt sei, „versteht“ einen Verhandlungsprozess nicht, der von einem einzelnen EU-Staat blockiert werden kann.

Dennoch seien, aus wirtschaftlicher Sicht, „europäische Unternehmen sehr zufrieden mit der Dynamik des Handels zwischen Europa und Russland“ – nicht zuletzt, da die wachsende Kaufkraft des Landes bedeute, dass es mehr europäische Produkte kaufen könne, so Dutkiewicz. 

Wenn Russland „seine internen Regelungen etwas ändert und die Korruption in den Griff bekommt“, hätten europäische Unternehmen zudem zu seinen Dienstleistungs- und Kapitalmärkten als auch Rohstoff- und Produktmärkten Zugang, fügte er hinzu.

Dutkiewicz sieht „sehr bedeutende Unterschiede” zwischen den Beziehungen Russlands zu der EU und den Beziehungen zu den USA. „Europäer werden als natürliche Partner – Handelspartner beispielsweise – gesehen, was für Nordamerika nicht der Fall ist“. Russlands Handel mit Nordamerika sei, verglichen mit anderen Ländern, „bedeutungslos“.

Um das vollständige Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier.

Links: 
Sektionen: 
Orte: 
Themen: 
Anzeige