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Der negative Ausblick für Frankreichs Kreditwürdigkeit setzt das Land weiter unter Reformdruck. Frankreichs Finanzminister François Baroin beteuerte umgehend, das Land werde seine Reformen durchziehen und seinen Schuldenberg abtragen.Foto: dpa

Der negative Ausblick für Frankreichs Kreditwürdigkeit setzt das Land weiter unter Reformdruck. Frankreichs Finanzminister François Baroin beteuerte umgehend, das Land werde seine Reformen durchziehen und seinen Schuldenberg abtragen.Foto: dpa

Aktuell - Dienstag 14 Februar 2012 - Finanzen und Wachstum

Sechs Euro-Länder herabgestuft

Moody's: Negativer Ausblick für Frankreich und Österreich

Gelingt der Euro-Zone die Kehrtwende? Die US-amerikanische Ratingagentur Moody's ist davon nicht überzeugt. Die Kreditwürdigkeit von sechs Euro-Ländern wurde herabgestuft. Frankreich und Österreich droht der Verlust des Spitzenratings AAA.

Frankreich und Österreich geraten weiter unter Druck. Nach der Aberkennung der Top-Note durch die Ratingagentur Standard & Poor's äußerte nun auch Moody's Zweifel an deren Top-Bonität. Dasselbe Urteil traf in der Nacht zum Dienstag das Nicht-Euro-Land Großbritannien. Allen drei EU-Ländern stellte Moody's einen Verlust des Spitzenratings AAA in Aussicht.

Zugleich beurteilte die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Italiens, Spaniens, Portugals, Maltas, der Slowakei und Sloweniens schlechter und senkte auch deren Noten.

Moody's begründete seinen Schritt mit "einer Reihe von spezifischen Kreditrisiken, für die die öffentlichen Finanzen dieser Staaten besonders anfällig sind". Die Finanzierungsbedingungen blieben noch mehrere Quartale lang unsicher, dies habe Folgen für die Kreditwürdigkeit der Staaten.

Die Bonität Deutschlands ist dagegen auch aus Sicht von Moody's gesichert. Die Agentur bezeichnete die Top-Note AAA als angemessen und bekräftigte dieses Rating zugleich für die Euro-Staaten Finnland, Luxemburg und die Niederlanden sowie für Dänemark. Auch der Euro-Rettungsfonds EFSF behält bei Moody's die Spitzenbewertung.

Je kreditwürdiger ein Land beurteilt wird, desto günstiger kann es in aller Regel auf dem Kapitalmarkt neue Kredite aufnehmen. Zudem sind viele institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen verpflichtet, beim Kauf von Schuldpapieren ein möglichst geringes Risiko einzugehen.

Warnung an Frankreich


Frankreich signalisierte umgehend, dass es den Warnschuss gehört hat. Finanzminister François Baroin beteuerte kaum eine halbe Stunde nach der Entscheidung von Moody's, das Land werde seine Reformen durchziehen und seinen Schuldenberg abtragen. "Die Regierung ist entschlossen, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit voranzutreiben, besonders durch die Reform der Finanzierung der Sozialsysteme, des Arbeitsmarkts und eine Senkung des Staatsdefizits", erklärte er.

Zugleich lenkte Baroin den Blick auf die positive Seite des Rating-Urteils: Moody's habe die hohe Produktivität und breite Vielfalt der französischen Wirtschaft hervorgehoben. Der Ausblick für die weitere Entwicklung der Bonitätsnote sei wegen der Risiken in der Euro-Zone insgesamt auf negativ gesetzt worden. Staatspräsident Nicolas Sarkozy stellt sich voraussichtlich im Frühjahr der Wiederwahl. Sein härtester Gegner, der Sozialist François Hollande, hat zuletzt in den Umfragen zusehends mit Kritik an der Sparpolitik der konservativen Regierung gepunktet.

Auch Großbritannien wertete das Signal der Experten als Bestätigung seines Sparkurses. Die Entscheidung sei ein Beleg dafür, "dass Großbritannien in der gegenwärtigen globalen Lage nicht von seinem Kurs abweichen darf", erklärte Finanzminister George Osborne. "Dies sollte allen die Augen öffnen, die glauben, dass sich Grossbritannien vor seinen Schulden wegducken kann." Die konservativ-liberale Regierung hat wegen ihrer Einschnitte an Popularität verloren.

Moody's stuft sechs Euro-Länder herab

Negativer Ausblick


Bei Moody's hat das Top-Rating AAA von Frankreich, Österreich und Großbritannien nun einen negativen Ausblick. Dies bedeutet nicht zwangsläufig eine Herabstufung in naher Zukunft, ist aber ein Hinweis darauf, dass der Spielraum bei einer Verschlechterung der öffentlichen Finanzen nur noch gering ist.

Die Kreditwürdigkeit Italiens und Spaniens wird von Moody's jetzt mit A3 bewertet. Damit liegen sie am unteren Rand der Noten, die als Ausweis einer guten Kreditqualität gelten. Die nächstniedrige Stufe ist bereits ein B-Rating und bedeutet eine zufriedenstellende Bonität. Italien rutschte um eine Stufe herunter, Spanien um zwei. Die Sorgen, die beiden Staaten drohten wie Griechenland, Portugal und Irland Hilfen ihrer Euro-Partner zu brauchen, haben zuletzt aber deutlich nachgelassen. Italien hat unter der Experten-Regierung von Mario Monti an den Märkten Glaubwürdigkeit zurückgewonnen.

Auch Malta hat nun die Note A3, die Slowakei und Slowenien liegen bei A2. Portugal ist auf Ba3 von Ba2 abgerutscht. Damit gilt eine Investition in Anleihen des Landes als spekulativ.

Standard & Poor's hat vor einem Monat neun der 17 Euro-Länder herabgestuft. Fitch senkte Ende Januar den Daumen über Italien, Spanien, Belgien, Zypern und Slowenien.

EurActiv/rtr

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