Afrikas Einfluss wächst; Eröffnung des Frankophonie-Gipfels

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Während der 13. Gipfel der Frankophonie in Montreux in der Schweiz eröffnet wird, enthüllen neue Statistiken eine wachsende Vorherrschaft der afrikanischen Länder, deren demographische Explosion das Gleichgewicht der Organisation kippen könnte. EurActiv sprach mit Abdou Diouf, dem Generalsekretär der „Organisation Internationale de la Francophonie“ (OIF).

Französisch sei weiterhin eine Weltsprache und werde dies auch bleiben, denn gemeinsam mit dem Englischen sei es die einzige Sprache, die auf allen fünf Kontinenten gesprochen werde, so Diouf, der ehemaliger Präsident Senegals ist.

In der Tat zeigen die jüngsten Statistiken, dass die Zahl der Französischsprecher in der Welt von „200 Millionen im Jahr 2006 auf 220 Millionen heute“ steige.

Ein Großteil dieses Anstiegs könne Afrika zugeschrieben werden, wie der jüngste OIF-Bericht zur Lage der Sprache weltweit aufzeigte, der gestern (21. Oktober) veröffentlicht wurde.

Während die Zahl der Menschen, die Französisch lernen oder eine französischsprachige Schule besuchen, in Europa zwischen 2007 und 2010 um sieben Prozent fiel, wuchs sie um massive 31,5 Prozent im subsaharischen Afrika und in der Region des indischen Ozeans. In Nordafrika und im Nahen Osten stieg die Zahl um 12,6 Prozent. Weltweit stieg der Durchschnitt um 13 Prozent.

Diese Statistik mag für den französischen Präsidenten, Nicolas Sarkozy, eine unangenehme Lektüre sein, da ihn seine einschränkende Immigrationspolitik den ausdrücklichen Zielen der OIF von Offenheit und Vielfalt entgegen stellt.

Staats- und Regierungschefs von etwa 70 französischsprachigen Ländern sind derzeit für den 13. internationalen „Frankophonie“-Gipfel in der schweizerischen Stadt Montreux versammelt, welcher vom 22. bis zum 24. Oktober stattfindet.

Doch Diouf weist die Unterstellung zurück, dass die Gipfel ein Versuch seien, die Vorherrschaft des Englischen als Weltsprache zu bekämpfen.

Der Ansatz der „Francophonie“ sei es nicht, Englisch oder eine andere Sprache zu bekämpfen. Das Ziel sei es, die kulturelle und sprachliche Vielfalt zu bewahren, nach dem Prinzip, dass jedes sprachliche Monopol der Welt schade.

Des Weiteren diene die „Organisation Internationale de la Francophonie“ als Beispiel für die Demokratisierung der internationalen Beziehungen, betonte er. Jeder Mitgliedstaat habe eine Stimme, egal, ob es klein oder groß, nördlich oder südlich gelegen, landumschlossen oder geographisch isoliert sei.

Es gebe weder Privilegien noch Vetorechte. Es handele sich um einen Ort, in dem Länder die Chance hätten, untereinander einen ehrlichen Gedankenaustausch zu fördern, sagte Diouf.

Er unterstrich, dass die OIF in der Lage sei, gemeinsame Positionen auszuarbeiten, um mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen, trotz der wichtigen wirtschaftlichen Klüfte zwischen den Entwicklungsniveaus ihrer Mitglieder. Er gestand aber ein, es stimme, dass über bestimmte Themen die Position jedes Mitgliedes stark von der der anderen abweiche.

Auf die Frage, was die „Francophonie“ mache, um ihr Profil als eine internationale Institution zu fördern, wie etwa der Commonwealth, dessen Spiele ihm eine globale Sichtbarkeit garantiert, antwortete Diouf, in der Tat gebe es ein französischsprachiges Pendant, das seit 1995 jedes vierte Jahr stattfinde.

Aber niemand interessiere sich für Züge, die rechtzeitig ankommen würden, sagte er in einem ironischen Bezug auf die Organisationsprobleme, die auf die Commonwealth-Spiele dieses Jahres in Delhi einen Schatten geworfen haben. Er zeigte sich weiterhin zuversichtlich, dass der Gipfel am Wochenende eine weitere Möglichkeit anbieten werde, die Aktivitäten der OIF der Welt mitzuteilen.

In einem getrennten Interview mit EurActiv wies die schweizerische Außenministerin, Micheline Calmy-Rey, Behauptungen ab, dass sich die OIF selbst an den Rand drängte, weil sie sich auf die Förderung der französischen Sprache zu sehr konzentriere. Sie betonte, die „Francophonie“ habe eine „echte Fähigkeit zu beeinflussen“ (EurActiv 11.10.10).

Auf die Bitte um einen Vergleich der OIF mit anderen internationalen Institutionen sagte Diouf, die „Francophonie“ habe mit den G8 oder den G20, die hauptsächlich wirtschaftliche Organisationen seien, kaum etwas zu tun.

Als eine Organisation, die auf einer gemeinsamen Sprache und gemeinsamen Werten beruhe, sei die „Francophonie“ dem Commonwealth näher, obwohl sie sich nicht der Schützung und Förderung der englischen Sprache verschrieben hätten, so Diouf.

Der Chef der OIF sagte, dass beide Organisationen den gemeinsamen Wunsch hätten, eine gerechtere Welt zu schaffen, und in der Lage seien, an der Förderung von globaler Aktion in der Unterstützung der „Länder des Südens“, wie etwa bei internationalen Handelsverhandlungen, zusammenzuarbeiten.

Diouf sagte, er habe sich vor jedem Treffen der G8 oder der G20 gemeinsam mit dem Generalsekretär des Commonwealths zu Gunsten dieser Länder ausgedrückt.

Um das ganze Interview (auf Französisch) zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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