Die Annahme des REACH-Pakets im Europäischen Parlament wird für die Chemikalienindustrie grundlegende Veränderungen bedeuten. Denn künftig müssen Unternehmen belegen können, dass die von ihnen eingesetzten Chemikalien sicher sind und die Gesundheit nicht gefährden. 

Das Parlament hat am 13. Dezember 2006 den REACH-Kompromiss mit 529 zu 98 Stimmen angenommen (24 Enthaltungen). 

Der Vorschlag muss nun vom Ministerrat am 18. Dezember 2006 bestätigt werden – eine reine Formsache. 

Die neuen Vorschriften, die im Juni 2007 in Kraft treten, verpflichten Hersteller und Importeure von Chemikalien, Gesundheits- und Sicherheitskontrollen für 30.000 Substanzen durchzuführen, die in Konsumgütern verwendet werden. Zu diesen gehören Plastikteile an Computern oder Handys und Substanzen die in Textilien, Farbe, Möbel, Spielzeug und Waschmitteln verwendet werden.

Alle Chemikalien müssen im Laufe eines Zeitraums von 11 Jahren bei der neuen Chemikalienagentur in Helsinki registriert werden. Die gefährlichsten Substanzen und diejenigen, die häufig verwendet werden, werden dabei als erstes überprüft. 

Guido Sacconi, der Chefunterhändler des Parlaments, hatte am 1. Dezember 2006 die Details des Kompromisses bekannt gegeben. Einen zentralen Bestandteil der Einigung bilden die Bestimmungen über den Ersatz besonders besorgniserregender Substanzen durch sicherere Alternativen (siehe EurActiv 4. Dezember 2006). Bestehen solche Alternativen zu einem vertretbaren Preis, müssen gefährliche Substanzen ersetzt werden. Besteht keine Alternative, müssen die Unternehmen einen Substitutionsplan oder einen Forschungs- und Entwicklungsplan vorlegen, um die Substanz zu einem späteren Zeitpunkt zu ersetzen.

Trotz Warnungen seitens der Umweltorganisationen, dass die Verordnung durch die Lobbybemühungen der Industrie abgeschwächt wurde, ist es den Abgeordneten gelungen, den wichtigsten Teil des Textes zu bewahren – die Umlagerung der Beweislast von den Behörden auf die Unternehmen. 

In Zukunft müssten nationale Behörden nicht länger ihre Bedenken bezüglich bestimmter Chemikalien begründen. Vielmehr läge die Verantwortung für den Nachweis, dass ihre Produkte sicher seien, bei den Herstellern, so Chris Davies, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion der Liberalen Demokraten (ALDE).