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Die Vierzigtausendeinwohnerstadt Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg setzt seit Jahren auf die Selbstversorgung mit Erneuerbarer Energie. Ein Modell mit großer Zukunft? Foto: LouPe / pixelio.de.

Die Vierzigtausendeinwohnerstadt Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg setzt seit Jahren auf die Selbstversorgung mit Erneuerbarer Energie. Ein Modell mit großer Zukunft? Foto: LouPe / pixelio.de.

Aktuell - Dienstag 22 März 2011 - Unternehmen und Arbeit

Debatte: EU-Energiepolitik nach Fukushima

Reck: "Energiesystem wird dezentraler und mittelständischer sein"

Eine Technologie, deren Einsatz absolute Sicherheit voraussetzt, kann keine Zukunftsoption für die Energieversorgung sein, meint Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). In einem Standpunkt auf EurActiv.de fordert Reck Investitionen in intelligente Netze und dezentrale Speicherlösungen. Gefragt sei eine ökologische Industrialisierung.

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Zum Autor

Hans-Joachim Reck ist Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) in Deutschland. Der VKU vertritt die Interessen von mehr als 1.400 Mitgliedsunternehmen, die in den Bereichen Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung und Umweltschutz tätig sind.
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Die dramatischen Ereignisse in Japan haben die Welt bis ins Mark erschüttert. Obwohl die (ökologischen und ökonomischen) Folgen heute im Einzelnen noch nicht absehbar sind, ist eines unumstritten: Das schwere Unglück in Fukushima wird die Welt nachhaltig verändern. Eine Neubewertung der Kernenergie ist vor diesem Hintergrund zwingend notwendig. Fest steht: Wir benötigen Energie, sie ist die Grundlage unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands. Aber woher wollen wir diese beziehen? Und vor allem: Wie wollen wir sie zukünftig erzeugen?

Fossile Energien schädigen das Klima nachhaltig


Europa muss jetzt intensiv darüber nachdenken, wie es in absehbarer Zukunft ohne Kernenergie auskommen kann. Der jetzt von EU Energiekommissar Oettinger mit den Unternehmen vereinbarte "Stresstest" ist ein erster wichtiger Schritt, um die Sicherheit der europäischen Kernkraftwerke zu prüfen. Er darf allerdings kein Feigenblatt sein, um danach wieder einfach zur Tagesordnung zurückzukehren. Eine Technologie, deren Einsatz absolute Sicherheit voraussetzt und bei der die Frage der Endlagerung nicht gelöst ist, kann keine Zukunftsoption für eine nachhaltige europäische Energieversorgung sein. Gleichzeitig werden fossile Energien immer knapper und teurer. Aber es ist noch genug davon da, um das Klima nachhaltig zu schädigen.

Die Verantwortung für unser Weltklima – und damit für unsere Wirtschaft und das Gemeinwohl – erfordert ein deutlich engagierteres Handeln. Das gilt auch und gerade für die Energieerzeugung und den -verbrauch. Wir müssen das Energiesystem deshalb gründlich umbauen. Dabei sollten wir auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, auf den Aufbau und Ausbau intelligenter Energienetze und auf Effizienzsteigerungen setzen.

Effizienteste Technologie: Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)


Die tragende Säule einer sinnvollen und nachhaltigen Klima- und Energiepolitik ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Für 2020 strebt die Europäische Union einen Anteil von 20 Prozent am Primärenergieverbrauch an. Dieser Ausbau ist machbar, doch er kostet Geld. Umso wichtiger ist es, Investitionen verstärkt in erneuerbare Energien umzulenken. Da die technisch-wirtschaftliche Lebensdauer von Kraftwerken rund 40 Jahre beträgt, ist es wichtig, bereits heute umzudenken. Schaffen wir das nicht, wird es schwer und teurer die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen.

Wenn wir die Erneuerbaren sinnvoll einbinden wollen, müssen wir parallel den Netzausbau forcieren – insbesondere die Verteilnetze vor Ort. Nur eng vermaschte und intelligente Netze, die sogenannten Smart Grids, können schwankende Einspeisemengen von Wind- und Sonnenenergie ausgleichen. Zudem sind eine effizientere Erzeugung und ein effizienterer Umgang mit der vorhandenen Energie notwendig. Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sind mit Wirkungsgraden von bis zu 90 Prozent die effizienteste Energieerzeugungstechnologie. Zudem sind sie sind ein hervorragender Türöffner für erneuerbare Energien, weil sie flexibel hinsichtlich der einsetzbaren Brennstoffe sind. In Deutschland haben wir mit diesen Anlagen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Energieversorgung: dezentral und intelligent


Heute ist die Energieversorgung in Europa noch vorwiegend zentral ausgerichtet. Wenige Großkraftwerke in der Hand weniger Unternehmen bringen die Energie über die Übertragungsnetze zu den Verbrauchern. Dezentrale Erzeugungsanlagen sind bislang nur eine Ergänzung der Strukturen. Genau hier wird eine Trendwende erfolgen: Das zukünftige Energiewirtschaftssystem wird dezentraler und mittelständischer geprägt sein. Weitreichende Veränderungen zeichnen sich vor allem in den Erzeugungs- und Netzinfrastrukturen ab. Um die Potenziale an Ort und Stelle zu nutzen, werden zukünftig kleinere Erzeugungsanlagen Strom in die Verteilnetze einspeisen. Erzeugung und Verbrauch werden lokal und intelligent ausgesteuert und überregional verteilt. Unterstützt wird dieses System von zentralen Stromspeichern aber auch von dezentralen Speicherlösungen wie etwa Fernwärmenetzen und Elektrofahrzeugen. Damit dreht sich das Bild um: Künftig werden die zentralen Strukturen die dezentralen ergänzen.

Ökologische Industrialisierung: EU als Vorbild


Die EU muss die Führung für den Umbau der Energieversorgung übernehmen. Wie einst die Industrialisierung Europas zum Vorbild wurde, muss nun die ökologische Industrialisierung zum Vorbild werden. Green Tech ist Europas Zukunft. Das bedeutet nachhaltige Jobs und Wertschöpfung. Dafür benötigen wir aber einen europäischen Energiebinnenmarkt mit ausgebauten Grenzkuppelstellen, für den Übergang eine zuverlässige Rohstoffversorgung und ein verbindliches internationales Abkommen zur Senkung der CO2-Emissionen. Das kann nur die EU organisieren und leisten!
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Weitere Standpunkte zur EurActiv.de-Debatte "EU-Energiepolitik nach Fukushima":

Opens external link in new windowKemfert: Gaskraftwerke als Brückentechnologie (18. März 2011)

Opens external link in new windowMayr: Die Brücke schnellstens abreißen (17. März 2011)

Opens external link in new windowSchreyer: Europas Weg aus der Atomenergie (16. März 2011)

Links


Informationen / Dokumente

EU: Opens external link in new windowVertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom)

Bundesregierung: Opens external link in new windowEnergiekonzept 2050

EU-Kommission: Opens external link in new windowKlimawandel: Kommission legt Fahrplan für die Schaffung eines wettbewerbsfähigen CO2-armen Europa bis 2050 vor (8. März 2011)

EU-Kommission: Opens external link in new windowRoadmap for moving to a low-carbon economy in 2050 (8. März 2011)

EU-Kommission: Opens external link in new windowClimate change: Questions and Answers on a Roadmap for moving to a low carbon economy in 2050 (8. März 2011)

Europäischer Rat: Opens external link in new windowSchlussfolgerungen des Europäischen Rates / Energie-Gipfel (4. Februar 2011)

EU-Parlament:
Opens external link in new windowEntschließung des Europäischen Parlaments vom 25. November 2010 zu dem Thema "Weg zu einer neuen Energiestrategie für Europa 2011-2020" (25. November 2010)

EU-Kommission: Energie 2020. Eine Strategie für wettbewerbsfähige, nachhaltige und sichere Energie (10. November 2010)

EU-Kommission:Opens external link in new windowEnergieeffizienz. Übersicht

EU-Kommission: Opens external link in new windowProgress reports. Renewable Energy Targets: Commission calls on Member States to boost cooperation (31. Januar 2011)

EU-Kommission: Opens external link in new windowCommission Communication on renewable energy (31. Januar 2011)

EU-Kommission: Opens external link in new windowZiele für erneuerbare Energien: Kommission fordert Mitgliedstaaten zu intensiverer Zusammenarbeit auf. Pressemitteilung (31. Januar 2011)

EU-Kommission: Opens external link in new windowFinancing Renewable Energy in the
European Energy Market
(2. Januar 2011)

Mehr zum Thema auf Atomkraft auf EurActiv.de

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Opens external link in new windowMez: Atom-Renaissance – Viel Rauch um Nichts? (10. März 2010)
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Mehr zum Thema auf Erneuerbare Energie auf EurActiv.de

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Opens external link in new windowEuropas Erneuerbare: "Standortoptimierung wäre verfrüht" (22. September 2010)

Opens external link in new windowChristian Hey: "Die Brücke steht schon" (5. Mai 2010)

Opens external link in new windowWie europäisch ist das Energiekonzept 2050? (6. September 2010)

Opens external link in new windowDie Vision vom Super Grid (8. März 2010)

In der Reihe "EU Quo Vadis - Standpunkte zur Energiepolitik" sind auf EurActiv.de erschienen:

Christian Hey: Opens external link in new windowEuropas Weg zu 100 Prozent Ökostrom (11. März 2010)
Manuel Sarrazin:
Opens external link in new windowAutonomie oder Verflechtung? (10. März 2010)
Rebecca Harms: Opens external link in new windowKein Platz für Kohle und Atom (10. März 2010)
Lutz Mez:
Opens external link in new windowAtom-Renaissance – Viel Rauch um Nichts? (10. März 2010)
Michaele Schreyer:
Opens external link in new windowWeg zur EU-Energiewende (8. März 2010)
Reinhard Loske: Opens external link in new window"Den Konsumismus überlisten" (8. März 2010)
Fritz Reusswig:Opens external link in new window Opens external link in new window"Wir brauchen die dritte industrielle Revolution" (1. März 2010)
Hans-Josef Fell: Opens external link in new window"Weitgehendes Versagen der EU-Energiepolitik" (1. März 2010)

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