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Globales Europa


Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney am letzten Tag seiner Europareise in Warschau. Foto: dpa

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney am letzten Tag seiner Europareise in Warschau. Foto: dpa

Aktuell - Freitag 3 August 2012 - Globales Europa

Europareise

Romneys "Fettnäpfchen-Tour"

Die Reise des US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney nach Europa hätte zur Schärfung seines außenpolitischen Profils beitragen können. Sie geriet jedoch zu einer Aneinanderreihung von Patzern.

Es lief anders als geplant. Wollte der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney nach Europa reisen, um außenpolitische Kompetenz zu beweisen, ist er damit gescheitert. Als "Tour de Fettnapf" bezeichnet SPIEGEL ONLINE den Besuch, "Romney blamiert sich in Europa" schreibt der Tagesspiegel.

Bei der letzten Station in Polen hatte Romneys Pressesprecher Rick Gorka die mitreisende Presse beschimpft. "Zeigen Sie etwas mehr Respekt", "Du kannst mich mal" und "Leck mich am Arsch" habe Gorka zu den Journalisten gesagt, als diese versuchten, Romney Fragen zu stellen, berichtete die Tagesschau. Danach habe er sich entschuldigt.

Zuvor hatte Romney in Israel Jerusalem als Hauptstadt des Landes bezeichnet und erklärt, dass das niedrigere Einkommen der Palästinenser kulturellen Gründen geschuldet sei. Die Palästinenser warfen ihm daraufhin "Rassismus" vor.  Am Anfang der Reise hatte er sich bereits in Großbritannien unbeliebt gemacht. Dort hatte er die Fähigkeit der Briten angezweifelt, die Olympischen Spiele zu organisieren.

Bereit für die nächsten Monate?


Die US-amerikanische Medien bewerten Romneys Reise unterschiedlich. Das Wall Street Journal schreibt, seine Reise sei voller Symbolik gewesen, wenn auch mit wenig neuen politischen Ansätzen. Die Reise habe aber seine Kampagne bereichert – trotz der Faux pas. Die Washington Post ist um einiges kritischer. Neben den Pannen, habe sich Romney zu delikaten Themen kaum geäußert. Insgesamt habe das Intermezzo mit Romneys Pressesprecher die turbulente Reise noch illustriert. Sie endete damit, die Zweifel noch zu unterstreichen, ob er und seine Kampagne für die nächsten drei Monate bereit seien.

In Bezug auf Polen wird nicht nur die Beschimpfung durch Gorka kritisch gesehen. Bei der letzten Station seiner Reise hat er den polnischen Präsidenten Bronisław Komorowski, den Ministerpräsidenten Donald Tusk, den Außenminister Radoslaw Sikorski und den Ex-Präsidenten und früheren Gewerkschaftsführer Lech Walesa getroffen. Als er am Grab des Unbekannten Soldaten den Kriegsopfern gedachte, hat Romney die freundschaftlichen polnisch-amerikanischen Beziehungen gepriesen. Polen sei im zweiten Weltkrieg an Amerikas Seite gewesen, ebenso wie im Irak und in Afghanistan. Es gebe in der Geschichte kein vergleichbares Beispiel. "Polen hat keinen engeren Freund und Partner als Amerika", so Romney.

Polens engster Freund und Partner?


Der Leiter des Brüsseler SWP-Büros Roderick Parkes hält das für übertrieben. Polens engste Freunde seien in der EU. Auch die Aussage Romneys, der stetige Aufschwung des Landes sei ein "glänzendes Beispiel von Wohlstand und Reichtum, den wirtschaftlicher Erfolg bringen kann" kritisiert Parkes in einem Öffnet externen Link in neuem FensterBeitrag für EurActiv. "Und es ist ungeschickt von Romney, zu sagen, dass Polens Wirtschaft in Europa vorne liegt. Als ob das ein Bonus für ein Land wäre, das mit seinen Nachbarn eng verbunden ist." Insgesamt habe Romney in Nostalgie geschwebt, aber den Polen keine richtigen Antworten gegeben. So bleibe etwa die Frage offen, wie die Republikaner sich im Fall des Wahlsieges in Osteuropa engagieren würden.

Barack Obama hatte als Kandidat vor den letzten US-Wahlen 2008 eine ähnliche Europareise gemacht. Anders als Romney war er umjubelt worden, besonders bei seinem Besuch in Berlin. Die Amerikaner halten Obama außenpolitisch für kompetenter als Romney: Einer Umfrage der CNN/ORC zufolge finden das 53 Prozent der Befragten. 41 Prozent bevorzugen Romneys Außenpolitik. Das war im Juli. Mit seiner Europareise wollte Romney den Trend umkehren.

Daniela Heimpel

Links

Mitt Romney: Öffnet externen Link in neuem FensterRemarks In Poland: "Freedom And Friendship"
 
CNN: Öffnet externen Link in neuem FensterRomney walks political tightrope on foreign policy (25. Juli 2012)
 
The New York Times: Öffnet externen Link in neuem FensterA Different Continent, a Different Tune (31. Juli 2012)

Washington Post: Öffnet externen Link in neuem FensterRomney wraps up tumultuous overseas tour (1. August 2012)
 
The Wall Street Journal: Öffnet externen Link in neuem FensterRomney's Overseas Trip Produces Hits and Misses (1. August 2012)
 
Tagesschau: Öffnet externen Link in neuem FensterDie seltsame Auslandsreise des Mitt Romney (1. August 2012)

Tagesschau: Öffnet externen Link in neuem FensterRomney-Berater beschimpft mitreisende Presse (31. Juli 2012)




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