Wohlbefinden und Lebensqualität sind in einer Gesellschaft, in der Lebensstandard, Glück, Freiheit und Gesundheit eine wichtige Rolle spielen, wichtige Faktoren für Politik und Wirtschaft. Politiker zeigen wachsendes Interesse an der Entwicklung eines 'Nationalen Brutto-Glück-Indexes', ähnlich dem BIP.

Overview

Lebensqualität ist ein umfassendes Konzept zum generellen Wohlbefinden in einer Gesellschaft. Das Konzept geht über Ansätze zu Lebensbedingungen hinaus, die dazu tendieren, sich auf materielle Ressourcen von Individuen zu konzentrieren (Geld, Zugang zu Gütern und Dienstleistungen). Stattdessen berücksichtigt dieses Konzept auch Indikatoren wie Glück, freie Wahl des eigenen Lebensstils und subjektives Wohlbefinden. Das Konzept ist darum multidimensional und wird sowohl mithilfe von objektiven als auch subjektiven Indikatoren gemessen.

Während objektive Indikatoren leicht zu erfassen sind, ist es schwieriger, die subjektive Dimension zu erfassen. Diese ist aber ein wichtiger Teil der individuellen Empfindung von Lebensqualität. Somit werden in diesem Bereich mehr Daten für Sozialpolitiken und -Programme benötigt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ein internationales, kulturübergreifendes und vergleichendes Instrument zur Bestimmung von Lebensqualität in sechs Bereichen entwickelt:

  • körperliche Gesundheit;
  • psychologische Gesundheit;
  • Grad an Unabhängigkeit;
  • soziale Beziehungen;
  • Umwelt und;
  • Spiritualität, Religion, persönliche Überzeugungen.

Die Organisation definiert Lebensqualität als die ‚Einschätzung einer Person zu ihrer Lebenssituation im Kontext von Kultur und dem Wertesystem, in dem sie lebt, und in Beziehung zu ihren Zielen, Erwartungen, Standards und Bedürfnissen’. Es sei ein weitreichendes Konzept, das auf komplexe Weise von der körperlichen Gesundheit, dem psychologischen Zustand, der persönlichen Überzeugung, den sozialen Beziehungen und der Beziehung zu auffälligen Eigenschaften der Umgebung abhängt.

Issues

Herausforderungen durch hohe Arbeitslosenzahlen, eine überalternden Bevölkerung, veränderte Familienstrukturen und soziale Ausgrenzung haben Aspekte der Lebensqualität auf die soziale Tagesordnung der EU gebracht, behauptet die Europäische Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofund).

Der Mangel an vergleichbaren Daten veranlasste Eurofund 2003 zur Durchführung der ersten Vergleichsstudie über die Lebensqualität in 28 europäischen Staaten. Für den gesamteuropäischen Quality of Life Survey (EQLS) wurden acht Kernbereiche ausgewählt, von denen die ersten sechs objektive Sachverhalte betrafen, die letzten beiden hingegen subjektive Wahrnehmung untersuchten:

  • die wirtschaftliche Situation;
  • häusliches und lokales Umfeld;
  • Beschäftigung, Bildung und Fähigkeiten;
  • Haushaltsstrukturen und Familienbeziehungen;
  • Verhältnis von Freizeit und Arbeit;
  • Gesundheit und Gesundheitsvorsorge;
  • subjektives Wohlbefinden;
  • die wahrgenommene Qualität der Gesellschaft.

Der Quality of Life-Bericht
(2004) vergleicht die EU-15 in Hinblick auf objektives und subjektives Wohlbefinden mit der EU-10. Die Schlussfolgerungen zeigen, dass selbst, wenn in der EU-10 mehr Bürger mit höherer Bildung lebten als in der EU-15, die EU-10 mit niedrigeren Lebensstandards, schlechteren Wohn- und Arbeitsbedingungen als auch schlechteren öffentliche Dienstleistungen konfrontiert sei.
Der andere auffällige Unterschied besteht darin, dass Bürger der EU-10 zweieinhalb Mal öfter von einem schlechten Gesundheitszustand berichteten als Bürger der EU-15. Laut Umfrage sind Bürger der neuen Mitgliedstaaten also ‚weniger glücklich’ und zufrieden als in der EU-15, aber dennoch gleichermaßen optimistisch, was die Zukunft betrifft. Es gebe einen beträchtlichen Unterschied zwischen dem subjektiven Wohlbefinden, entsprechend des Gefälles bei den objektiven Lebensbedingungen, insbesondere bei den wirtschaftlichen Ressourcen, Lebensstandards, Arbeitsbedingungen und der Gesundheit, wie im Fazit der Umfrage festgestellt wird.
Der Bericht zieht deshalb die Schlussfolgerung, dass die allgemeine Zufriedenheit in den 28 europäischen Staaten stark mit dem Einkommensniveau und dem BIP pro Kopf
zusammenhängt: Niedrige Werte der herkömmlichen Wirtschaftsindikatoren in den zwölf neuen Mitgliedstaaten und in der Türkei entsprechen einem geringen Grad an Zufriedenheit mit dem Leben im Allgemeinen.

Die Mehrheit der Europäer in der EU-27 stimmt darin überein, dass ein Arbeitsplatz nicht nur dass Einkommen sichert, sondern auch soziale Kontakte, Selbstsicherheit und eine bessere Lebensqualität mit sich bringt. Diejenigen, die während der letzten fünf Jahre mehr als zwei Jahre arbeitslos waren, geben eine geringere Zufriedenheit mit dem Leben im Allgemeinen als auch mit dem Familienleben, dem sozialen Leben und mit der Gesundheit an, als solche, die kontinuierlich beschäftigt waren.

In Hinsicht auf Indikatoren zum Umfeld wie Umweltverschmutzung und dem Mangel an Grünflächen, Familienbindungen und sozialen Netzen gibt es keine eindeutigen Unterschiede innerhalb der EU-25.

Tatsächlich legt die Umfrage eine Unterscheidung von vier europäischen Staatengruppen nahe, in denen sehr unterschiedliche Lebensbedingungen herrschen:

  • die nord- und mitteleuropäischen Mitgliedstaaten;
  • die mediterranen Mitgliedsstaaten (Griechenland, Portugal und Spanien) zusammen mit den wohlhabendsten neuen Mitgliedstaaten (Zypern, Tschechien, Malta und Slowenien);
  • die baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen), Ungarn, Polen und die Slowakei, und;
  • Rumänien, Bulgarien und die Türkei, die eine eigene Gruppe bilden, da ihre Lebensqualität sowohl in objektiver als auch subjektiver Hinsicht entscheidend schlechter ist als die der EU-25.

Nach dem European of Life Survey hat Eurofund eine Reihe von tiefgehenden Berichten zu verschiedenen einzelnen Indikatoren angefertigt, so zu Einkommensunterschieden und MängelnFamilienArbeit und sozialen NetzwerkenLebenszufriedenheitGlück und Zugehörigkeitsgefühlsozialen Dimensionen des WohnenUnterschieden zwischen Stadt und LandTeilnahme an der Zivilgesellschaft und Arbeits- und Lebensbedingungen.

Positions

Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, man könne die Herausforderungen der Zukunft nicht mit den Instrumenten der Vergangenheit messen.

Joaquín Almunia, Kommissar für Wirtschaft und Währung, sagte, das BIP sei ein Instrument der 1930er Jahre; es ziehe nachhaltiges Verbraucherverhalten nicht in Betracht.

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas sagte, das BIP messe den letztendlichen Marktwert von Waren und Dienstleistungen. Es werde weithin angenommen, dass das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Menschen sich verbesserten, umso vermögender sie würden. Aber wirtschaftlicher Wohlstand sei nicht alles. Lebensqualität hänge auch von der Art der konsumierten Waren ab, ebenso wie von dem Zugang zum Gesundheitswesen, der Qualität der Bildung, familiären Beziehungen, der Integrität der Beamten und dem Zustand der Umwelt. Es sollte möglich sein, diese wichtigen Aspekte zu messen. Das BIP sei kein Indikator, mit dem man Wohlbefinden messen könne.

Bruno S. Frey, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität in Zürich, betonte, dass Wohlbefinden nicht am Glücksgefühl gemessen werden könne. Es wäre ein Fehler, wenn Politiker versuchen würden, das Glück zu maximieren. Er sagte, Indikatoren für die Lebenszufriedenheit seien wichtig, aber man müsse die Menschen selbst entscheiden lassen, wie sie ihr Glück finden wollten.

Die Professoren Daniel Kahneman und Alan B. Krueger von der Universität Princeton in New Jersey gehen davon aus, dass ein nationaler Index zum Wohlbefinden möglicherweise als Ergänzung zu nationalen Einkommens- und Produktberechnungen entwickelt werden könne. Jedoch sei es ihrer Einschätzung nach nicht möglich, das ‚Nationale Brutto-Glück’ mit dem gegenwärtigen Wissensstand und den Grenzen beim Messen subjektiver Empfindungen zu entwickeln.

Die britische und die australische Regierung engagieren sich dennoch für die Entwicklung nationaler Maßnahmen zugunsten des subjektiven Wohlbefindens.

David Cameron, Vorsitzender der britischen konservativen Partei, hat eine Politische Gruppe zu Lebensqualität ins Leben gerufen, die alle Aspekte von Lebensqualität untersuchen soll. Diese umfassen Verkehr und Wohnsituation; Stadtplanung und öffentliche Flächen; Umweltverschmutzung, Abfall, Biodiversität und ländliche Gebiete, sowie Energie und Klimawandel. Zur Gruppe gehören verschiedene  Arbeitsgruppen, die sich jeweils um einen der Themenbereiche kümmern. Ziel ist es, die Konservativen im Juli 2007 mit einem unabhängigen Beitrag zu der Frage der Lebensqualität zu unterstützen.

Marco Grasso und Luciano Canova von der Universität Mailand haben die Lebensqualität (Quality of life, QOL)-Indizes mit dem BIP pro Kopf der EU-Länder verglichen. Es müsse festgestellt werden, dass eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zwischen den QOL- und GDP-Rankings bestehe. Das bedeute, dass das Einkommen im Allgemeinen ein guter Anhaltspunkt für die Lebensqualität in der EU sei.

Die weltweite Quality of Life-Umfrage von Mercer – Human Resource Consulting fand heraus, dass Zürich, Genf, Wien, Düsseldorf, Frankfurt, München und Bern zu den zehn Städten mit der weltweit besten Lebensqualität zählen. Das weltweite Gesundheits- und Sanitär-Ranking sieht 2007 die nordeuropäischen Hauptstädte Helsinki, Oslo und Stockholm unter den besten sechs. 

Laut dem weltweiten Lebensqualität-Index 2005 der Economist Intelligence Unit sei es leicht zu verstehen, dass Irland den ersten Platz der internationalen Liste für Lebensqualität belege, wenn man das Zusammenspiel von Moderne und Tradition bei der Lebenszufriedenheit berücksichtige. Irland kombiniere erfolgreich die wünschenswertesten Elemente der Gegenwart– materieller Wohlstand, niedrige Arbeitslosenzahlen, politische Freiheiten – mit der Bewahrung gewisser Elemente der Vergangenheit, wie einem stabilen Familienleben und der Vermeidung eines Zusammenbruchs der Gemeinschaft. Letztere stärkten die Zufriedenheit mit dem Leben und milderten die Neuerungen der Moderne.

Timeline

  • Die World Database of Hapiness ist eine Webseite der wissenschaftlichen Forschung zum Thema subjektive Lebensfreude.
  • April 2007: Die Ergebnisse der Umfrage Worlwide Quality of Life („Lebensqualität weltweit“; Mercer - Human Resource Consulting) von 2007 wurden veröffentlicht.
  • 30. Juni 2007: Die OECD, die Europäische Kommission, die Organisation der islamischen Konferenz, die Vereinten Nationen, das Entwicklungsprogramm der UN und die Weltbank entschieden, einen neuen Ansatz zu entwickeln, mit dem die Veränderung von Gesellschaften durch den Gebrauch qualitativ hochwertiger, verlässlicher Statistiken erfasst werden soll. Außerdem soll damit der Fortschritt in zahlreichen Gebieten überprüft werden, welche die Lebensqualität der Bürger betreffen.
  • 19. und 20. November 2007Konferenz zum Thema „Jenseits des BIP - Messung des Fortschritts, des Wohlstands und des Wohlergehens der Nationen“ (Beyond GDP - measuring progress, true wealth and the wellbeing of nations).
  • 2007: Die European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Europäische Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen) wird ihre zweite Umfrage über „Lebensqualität“ durchführen.
  • März 2008: Das Europäische Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung veröffentlichte eine Studie über „Happiness Across the Life Cycle“ (Zufriedenheit im Leben).
  • 14. Mai 2008: Die Kommission wird einen Aktionsplan für Nachhaltige Produktions- und Verbrauchsmuster annehmen.