Jeder soll ein Akademiker sein

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Durch massenhaft zugängliche online-Universitätskurse soll eine Öffnung der höheren Bildung für alle erreicht werden. Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Kostenfreier Zugang zu höherer Bildung für alle. Unter diesem Motto bündelt die Initiative OpenupEd die Online-Veranstaltungen (MOOC) vieler offener Universitäten auf einer Plattform. Bildung soll so unabhängiger von örtlichen, zeitlichen, kulturellen oder finanziellen Beschränkungen werden.

Die Eröffnung des Online-Portals OpenupEd wurde von EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou mit den Worten begrüßt: "Ich heiße diese Initiative sehr willkommen, die zehntausenden, vielleicht sogar Millionen von Studenten Zugang zu Bildungsmöglichkeiten eröffnen könnte, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten."
 
Das Portal bietet sogenannte Massive Open Online Courses (MOOC) an. Ein Internetanschluss ist alles, was benötigt wird, um sich in diese Universitätskurse einzutragen. Bezahlt werden muss nichts. Ein Hindernis könnte jedoch die Sprache sein. Bisher werden viele der Kurse meist nur in der Landessprache der Partneruniversität angeboten, die sie auf die Plattform stellt.

Für ein Teilnahme-oder Abschlusszertifikat (Badge) werden ebenfalls keine Gebühren erhoben. Soll der abgeschlossene Online-Kurs jedoch auf ein Studium angerechnet werden, muss ein sogenanntes credit certificate beantragt werden. Dieses kann, je nach Dauer und Anbieter des Kurses, zwischen 25 bis 400 Euro teuer werden.

"Das MOOC-Konzept findet bereits großen Zuspruch, vor allem in den USA, aber dieser europaweite Start stellt eine neue Dimension dar", so Vassiliou.

Die ersten MOOCs waren meist lediglich Vorlesungen, die von den Professoren online gestellt wurden (xMOOC). Mit zunehmenden Erfolg wurden aber auch Lehrveranstaltungen extra für die online-Verwertung konzipiert. Derweil werden bereits massiv Online-Veranstaltungen von privaten Plattformen angeboten. Beim kalifornischen Anbieter Coursera, dem sich auch die LMU und die TU München angeschlossen haben, sind bereits mehr als 2,7 Millionen Studenten eingeschrieben.

"Besserer Zugang zur Hochschulbildung nötig"

 
Etwa 50 online-Kurse werden von verschiedenen Partnern, im Wesentlichen offene Universitäten, derzeit auf der europäischen Plattform  bereitgestellt. Neben acht EU-Mitgliedsstaaten gehören auch Russland, Israel und die Türkei zu den Staaten, aus denen Bildungseinrichtungen bei OpenupEd teilnehmen. Deutsche Universitäten tragen derzeitig noch nicht zu OpenupEd bei. Koordiniert wird die Initiative vom Europäischen Dachverband der Fernuniversitäten (EADTU).
 
"Europa kann mit der umfassenden Nutzung der Möglichkeiten dieser MOOC-Revolution ein faszinierendes Angebot bieten, mit einer breiteren Perspektive für die Öffnung der Bildung. Wir wollen auf die Notwendigkeit eines besser zugänglichen Systems der Hochschulbildung reagieren, wobei der Lernende im Mittelpunkt steht", sagt Fred Mulder, Vorsitzender der EADTU Taskforce für offene Bildung.

Themen: Von Wirtschaft bis zu kreativem Schreiben

Das Themenspektrum der angebotenen Kurse ist bereits recht breit und teilweise sehr speziell: Neben Mathematik- oder Wirtschaftskursen, gibt es auch Angebote im Bereich Kulturelles Erbe oder Klimawandel, bis hin zu mittelalterlicher Kunstgeschichte und kreativem Schreiben. Das Angebot richtet sich nach den jeweiligen Partnern der Plattform OpenupEd.

Die Kurse können in der vorgegebenen Dauer, meist zwischen 20 bis 200 Arbeitsstunden absolviert werden, aber auch in einem Tempo, dass vom Studierenden selbst bestimmt wird.

OpenupEd: Erster Schritt zu Öffnung der Bildung

OpenupEd wird als Teil einer groß angelegten Initiative der EU zur Öffnung der Bildung gesehen. MOOCs würden den Bedürfnissen der lebenslang Lernenden in einer sich immer schneller wandelnden Wissensgesellschaft entgegenkommen und dabei europäische Werte wie Gleichberechtigung, Qualität und Vielseitigkeit in den Mittelpunkt stellen. In Zukunft soll jeder seinen individuellen Lernplan nach seinen zeitlichen Möglichkeiten und Interessen zusammenstellen können.

Um solche Ideen gesellschaftsfähig zu machen, muss sich jedoch die Rolle der Universitäten wandeln. Ebenso müssen Fragen der Lernerfolgsbewertung und der Qualitätskontrolle gelöst werden.

"Europa kann mit der umfassenden Nutzung der Möglichkeiten dieser MOOC-Revolution ein faszinierendes Angebot bieten, mit einer breiteren Perspektive für die Öffnung der Bildung", so Mulder.

Die Plattform OpenupEd ist Teil der groß angelegten EU-Initiative "Open up Education, die dieses Jahr gestartet werden soll. Dabei soll getestet werden, wie IKT-gestütztes Lernen durch zum Beispiel MOOCs oder sogenannte Open Educational Resources (OER) neue Lehr- und Lernmethoden hervorbringen können.

"Europa darf nicht zurückfallen"

MOOCs wurden bisher vor allem auf privaten Plattformen vertrieben. Bekannt in der Sparte sind die Namen Coursera, Udacity oder Iversity. In den USA hatten sich das Massachusetts Institute of Technology (MIT) und die Harvard University im Herbst 2012 zusammengeschlossen, um das Portal edX zu gründen. Die beiden Institutionen hatten zuvor jeweils 30 Millionen Dollar in das non-profit Projekt gesteckt. Zwölf renommierte Universitäten haben sich edX mittlerweile angeschlossen.

Die MOOC-Plattformen finanzieren sich unter Anderem über Examensgebühren, Lizenzen für die Universitäten und Vermittlung der besten Studenten an Unternehmen. MOOC-Plattformen kämpfen darum, die besten Professoren anzulocken.

"Die Stars hätten viel Zulauf, die mittelmäßigen Professoren und Universitäten ein Problem", so Marcus Riecke, Geschäftsführer von Iversity im Focus. Unter diesem Gesichtspunkt wundert es auch nicht, dass gerade solch renommierte Universitäten wie das MIT und Harvard auf die MOOC-Welle aufsprangen.

Sebastian Thun, Gründer von Udacity berichtete daher in der Zeit, dass in 50 Jahren zumindest die Hälfte des amerikanischen Marktes von zehn Institutionen abgedeckt sein wird.

Coursera-Gründer Andrew Ng hielt dagegen, dass MOOCs dafür sorgen werden, dass Bildung in Zukunft kein "McDonald's-Einheitsfraß" mehr sein würde. Stattdessen werde die kulturelle Vielfalt erhöht. Jeder dritte Amerikaner würde bereits online-Universitätsveranstaltungen besuchen.

Das OpenupEd-Projekt in Europa nimmmt sich dagegen noch vergleichsweise bescheiden aus.

"Open Educational Resources und massive offene online-Kurse sind gerade dabei die Bildungssysteme auf der ganzen Welt zu verändert. Europa darf hier nicht zurückfallen", so Bildungskommissarin Vassiliou zum Start von OpenupEd.

ak

Links

EU-Kommission: Vassiliou begrüßt Start der ersten europaweiten Universitäts-MOOC (Massive Open Online Courses) (23. April 2013)

OpenupEd: Homepage

OpenupEd: Kursangebot

EU-Komission: Public Consultation on opening up Education (13. August 2012)

Focus: Iversity will Europas führende MOOc-Plattform werden (11. März 2013)

Die Zeit: Harvard für alle Welt (14. März 2013)

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