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Bei Schweden denken junge Deutsche an IKEA und Blondinen (Foto: dpa)
Aktuell - Montag 22 Februar 2010 - Soziales Europa
Zwar kommen einander die Europäer immer näher, doch die Klischees übereinander halten sich hartnäckig. In der Studie „Das Image des Nordens“ (Universität Würzburg) haben Geographen das Nordeuropabild von 750 jungen Menschen in Deutschland untersucht. Daniel Schrödl fasst das Ergebnis für EurActiv.de zusammen.
Europa wächst zusammen, Europa kommt sich näher. Doch wissen junge Europäer von heute auch mehr über ihre Nachbarn? Verändern sich Wahrnehmungen und Bilder oder haben alte Stereotypen und traditionelle Länderimages weiterhin Hochkonjunktur?
In der Studie „Das Image des Nordens“ untersuchten Geographen der Universität Würzburg das Nordeuropabild von rund 750 jungen Menschen in Deutschland und stellten dabei fest: Trotz aller Differenzierungen dominieren vielfach Klischees wie Blondinen, Elche, Sauna, Fjorde und Kälte die Vorstellungen des Nordens.
Während Schweden herausragend bekannt, beliebt und präsent ist, wissen junge Menschen in Deutschland nur sehr wenig über die Geschichte, Gesellschaft, Kultur und Politik der anderen nordischen Länder Dänemark, Norwegen und Finnland.
In der heutigen globalisierten Welt konkurrieren Länder, Regionen und Städte verstärkt weltweit um die Gunst von Investoren, Konsumenten, Touristen, hochqualifizierten Arbeitskräften und vor allem jungen Menschen. Unter diesen Rahmenbedingungen entscheiden immer stärker ein möglichst hoher Bekanntheitsgrad sowie ein möglichst gutes internationales Renommee über die Zukunftsfähigkeit eines Landes.
Das „Nation Branding“, also die Vermarktung eines Landes als Marke, gewinnt ebenso wie offizielle Länder-Rankings an Bedeutung.
Nordeuropäische Länder nehmen in diesen Ländervergleichen traditionell Topplatzierungen ein: Norwegen bei Wohlstand und Einkommen, Schweden bei sozialer Gerechtigkeit und Familienfreundlichkeit, Finnland bei Bildung und Innovation.
Die vorliegende Studie setzt jedoch nicht bei scheinbar objektiv messbaren Vergleichskriterien, sondern bei den subjektiven Lebenswelten junger Menschen an und deren häufig unbewusste Prägung durch beschränkte Wissensstände, Medien, eigene Erfahrungen oder das soziale Umfeld.
Mit keinem anderen nordeuropäischen Land konnten die jungen Deutschen derart viel und zugleich Positives assoziieren. Am häufigsten wurden IKEA, Stockholm, Elche, Astrid Lindgren und blond genannt. Während frühere Generationen mit Schweden vor allem idyllisch-harmonische, ländliche Kultur- und Naturlandschaften (rote Häuser, Seen, Wälder, Michel aus Lönneberga usw.), geringe soziale Unterschiede und den sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat verbanden, gilt das Land heute unter jungen Deutschen als ausgesprochen modern, urban, weltoffen, kreativ, stilvoll und gutaussehend.
Schwedische Musik und Filme, Ästhetik, Mode, Design und Shopping spielen hierbei eine große Rolle. Dazu tragen insbesondere die beiden schwedischen „Lifestyle-Giganten“ IKEA und H&M bei, über die die meisten jungen Deutschen einen ersten Zugang zu dem Land finden.
Vor allem bei Nicht-Schweden-Erfahrenen spielt allerdings nach wie vor das Image der blonden, hübschen Schwedinnen eine zentrale Rolle. Im Gegensatz zu seinen Nachbarn Norwegen und Finnland wird Schweden heute nicht mehr als kaltes, sondern als cooles Land wahrgenommen. Schweden gilt als das nordeuropäische Land der Kultur und des Konsums, der attraktiven Menschen und attraktiven Marken.
In den Köpfen der jungen Menschen in Deutschland löst das „Finnische Modell“ zunehmend das „Schwedische Modell“ als großes Vorbild für Mitteleuropa ab. Finnland gilt mittlerweile als das innovativste, vorbildlichste und unkonventionellste Land in Nordeuropa, das vor allem durch Bildung, Forschung und Hightech punkten kann.
Insbesondere die PISA-Studie, der damit verbundene Ruf des Bildungssystems, aber auch Nokia tragen dazu bei.
Darüber hinaus ist Finnland relativ unbekannt. Allgemein gilt es als sehr kalt und dunkel mit etwas „verrückten“ Menschen (z.B. Metal Music, Sauna, Depressionen, Alkoholismus, Formel 1) und einer besonderen Sprache.
Das Norwegen-Image wird von der Vorstellung beeindruckender Naturlandschaften mit vielen touristischen Highlights, kalter klimatischer Bedingungen und Wohlstand durch Erdöl und Fisch geprägt (häufigste Assoziationen: Fjorde, Oslo, Kälte, Schnee, Erdöl).
Norwegen wird als besonders teuer wahrgenommen. Die Menschen des Landes gelten als traditionell, gemütlich und sehr sportlich, relativ selten jedoch als kreativ, innovativ, weltoffen und europäisch. Nur wenige junge Deutsche kennen Marken, Künstler und Musiker aus Norwegen.
Dänemark ist vielen als gemütliches Familiensommerurlaubsland ihrer Kindheit und Jugend in direkter Nachbarschaft zu Deutschland in Erinnerung geblieben. Urlaub, Strand, Dünen, Meer, Inseln, Legoland, Nachbarland, Meerjungfrau und Kopenhagen werden regelmäßig assoziiert.
Obwohl es das am häufigsten besuchte nordische Land ist, erweckt das fast vollständige Fehlen der gegenwärtigen dänischen Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in der Wahrnehmung den Eindruck eines sich im „Dornröschenschlaf“ befindlichen Landes. Vor allem der geringe Bekanntheitsgrad großer dänischer Unternehmen und Marken gilt als Erklärung hierfür.
Die meisten jungen Menschen insbesondere in Süddeutschland richten ihren Blick gerne in den angloamerikanischen, mediterranen, südostasiatischen und lateinamerikanischen Raum. Nordeuropa bleibt vielen fremd und unbekannt, kalt und ungemütlich, kommt daher weder als Urlaubs- noch als Studien-, Arbeits- und Wohnstandort in Frage. Lediglich stark Natur- und Politikinteressierte zieht es regelmäßig in den Norden.
Gleichzeitig ist vielen durchaus bekannt, dass die Sozial-, Bildungs- und Innovationssysteme der nordischen Länder hervorragend entwickelt sind. Und zumindest die Schweden gelten dank IKEA und H&M als ausgesprochen weltoffen und modern, in Sachen Konsum und Lebensstil als Vorreiter und Trendsetter.
Trotzdem erscheint Nordeuropa der Mehrheit der jungen Deutschen weiterhin unbekannt und fern. Das Zusammenwachsen Europas hat also noch einen weiten Weg vor sich…
Der Autor:
Daniel Schrödl ist Diplomgeograph an der Universität Würzburg. Er leitete die Studie „Das Image des Nordens“.
Der Ergebnisbericht zur Studie ist abrufbar unter:

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