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Finanzen und Wachstum


Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou sieht sich in seiner Heimat harten Vorwürfen ausgesetzt, die inzwischen auch nach Deutschland dringen. Half er Spekulanten, mit dem griechischen Schuldendesaster Kasse zu machen? Bewiesen ist nichts. Foto: Der Rat der Europäischen Union.

Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou sieht sich in seiner Heimat harten Vorwürfen ausgesetzt, die inzwischen auch nach Deutschland dringen. Half er Spekulanten, mit dem griechischen Schuldendesaster Kasse zu machen? Bewiesen ist nichts. Foto: Der Rat der Europäischen Union.

Aktuell - Freitag 15 Juli 2011 - Finanzen und Wachstum

Papandreous vermeintlicher Milliarden-Coup

Skandal in Athen? "Wir haben niemals griechische CDS gekauft"

Der Vorwurf klingt ungeheuerlich: Regierungsnahe Geschäftsleute sollen mit ihrem Insiderwissen auf die Staatspleite Athens gewettet haben. Das Gerücht, Premier Giorgos Papandreou habe sein Land verraten, geistert inzwischen auch durch deutsche Internetforen. Die beschuldigte Investment-Firma bekräftigt gegenüber EurActiv.de ihr Dementi. Der Fall wirft viele Fragen auf.

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In deutschen Internetforen und Blogs geht derzeit ein Gerücht um. Griechische Geschäftsleute könnten sich um mehr als 20 Milliarden Euro an der heimischen Krise bereichert haben, es bestehe auch eine Verbindung zur Familie von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Die Seite "Der klare Blick" Opens external link in new windowschreibt: "Sollten diese Behauptungen stimmen, dann hat er (Papandreou) das Land bestohlen, dessen Oberhaupt er ist und deren Bewohner er zu massiven Einsparungen zwingen will. Aber es ist noch viel schlimmer – er hätte dann nicht nur gestohlen, sondern alles getan, um die Insolvenz Griechenlands herbeizureden (...)". Der Artikel wurde nach Angaben des Blogs mehr als 11.000-mal geklickt.

Inzwischen gibt es große Zweifel am Wahrheitsgehalt des Skandals, über den auf Englisch erstmals der griechische Wirtschafts-Blog Covering Delta Ende Mai  Opens external link in new windowberichtete.

Griechenland-Krise: Papandreou als "bezahlter Broker"?


Was ist geschehen? Die griechische Postbank kaufte 2009 für 1,3 Milliarden US-Dollar Versicherungen gegen den Ausfall griechischer Staatsanleihen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS) (Siehe auch: Opens external link in new windowSüddeutsche Zeitung vom 24. März 2011). Das staatliche Institut sicherte sich also gegen eine Staatspleite Griechenlands ab, obwohl zu diesem Zeitpukt das ganze Ausmaß der Schuldenkrise noch nicht öffentlich bekannt war und Athen sich noch relativ günstig Geld an den Kapitalmärkten leihen konnte. Inzwischen ist Griechenland ohne die Hilfe von EU und IWF nicht mehr zahlungsfähig und der Preis der Versicherungen gegen die Staatspleite in die Höhe geschossen. Der griechische Abgeordnete und frühere Staatssekretär Panos Kammenos der rechts-liberalen Oppoistionspartei Néa Dimokratía rechnet vor, der Wert der CDS belaufe sich inzwischen auf bis zu 27 Milliarden US-Dollar.

Allerdings kann Athen heute nicht von der immensen Wertsteigerung profitieren. Die Papiere wurden nach dem Regierungswechsel Ende 2009 wieder verkauft. Der Gewinn lag "nur" bei 35 Millionen Euro. Kammenos warf nun der sozialistischen Regierung in einem Fernseh-Interview und im Parlament eine Art "Insidergeschäft" vor. Im Wissen um den weiteren Verlauf des Schuldendesasters soll sie laut Kammenos den Verkauf der CDS an die Investmentbank Opens external link in new windowIJ Partners mit Sitz in Genf arrangiert haben - und damit an Personen mit "guten Kontakten" zur Regierung. Kammenos stellte sogar eine Verbindung zu Premier Papandreou her: Der Vize-Präsident von IJ Partners sitze wie der Bruder des Ministerpräsidenten im Beirat einer seperaten Nichtregierungsorganisation. Der Konservative zieht den Schluss: "Giorgos Papandreou ist ein bezahlter Broker der internationalen Spekulanten." 

IJ Partners fordert 10 Millionen Euro Entschädung


Allerdings hat Kammenos' Geschichte einen Haken. Er liefert bislang keine Belege dafür, dass die Firma IJ Partners die CDS von der griechischen Postbank übernahm. IJ Partners Opens external link in new windowdementiert jede Beteiligung an den Vorgängen. "Wir haben niemals CDS auf griechische Staatsanleihen gekauft", bekräftigte eine Sprecherin am Donnerstag gegenüber EurActiv.de. Auch habe es keine entsprechenden Beratungsleistungen gegeben.

Einer der Partner der Firma, Theodore Margellos, setze sich sogar öffentlich für ein Verbot von CDS ein, etwa in einem Opens external link in new windowArtikel in der Financial Times, so die Sprecherin. Margellos erklärte Ende 2010 in einem Interview mit dem Sender Arte (Opens external link in new windowVideo) seine Sicht auf das griechische Schulden-Debakel und kritisierte aufs Schärfste die Rolle der Kreditausfallversicherungen in der Finanzkrise. Hätte er sich selber mit CDS an der drohenden Staatspleite Griechenlands bereichert, wäre sein Spekulanten-Bashing im Fernsehen wohl eine unüberbietbare Heuchelei. Etwas stutzig macht derweil, wie der Sender Arte seinen Interviewpartner vorstellt, nämlich als "Vermögensverwalter und guter Kontakt zum griechischen Ministerpräsidenten Papandreou".

Die Firma streitet nicht nur das CDS-Geschäft ab, sie erhebt in ihrer Selbstdarstellung im Internet sogar den Anspruch, sich "radikal" von den Werten einer Finanzindustrie zu distanzieren, die großteils kläglich versagt habe.

Inzwischen hat IJ Partners den Politiker Kammenos wegen Verleumdung angezeigt, und fordert 10 Millionen Euro Schadensersatz, wie die Sprecherin gegenüber EurActiv.de erklärte.

Der Blog Covering Delta Opens external link in new windowging Anfang Juni auf Abstand zu den Anschuldigungen des konservativen Abgeordneten Kammenos. Es fehlten nach wie vor Beweise dafür, dass die CDS an IJ Partners verkauft worden sind. "Ich glaube, es ist nur fair für uns, jetzt die Frage zu stellen, warum noch keine Beweise vorgelegt wurden", schreibt der Blogger Demetri Kofina. Solange Kammenos die Beweise schuldig bleibe, wolle er sich anderen Fragen widmen. 

Klar ist: Wer immer die CDS Ende 2009 gekauft hat, könnte damit eine Menge Geld verdient haben.

Opens window for sending emailAlexander Wragge

Links


Presse

Süddeutsche Zeitung:
Opens external link in new windowFragwürdige Finanzgeschäfte Griechen wetten auf eigene Pleite (24. März 2011)

Arte: Opens external link in new windowInterview mit Theodore Margellos, Vermögensverwalter bei IJ Partners und guter Kontakt zum griechischen Ministerpräsidenten Papandreou (7. Dezember 2011)

Blogs

Griechenland

Covering Delta: Opens external link in new windowUpdate on the Allegations made on the floor of Greek Parliament (7. Juni 2011)

Covering Delta: Opens external link in new windowAccusations of Treason in the Greek Parliament (29. Mai 2011)

Troy Ounce: Opens external link in new windowGreek Financial Problems Due To Organised Criminal Racket Of International Banks

Deutschland

Der klare Blick: Opens external link in new windowKlaute Griechenchef Papandreou 23 Milliarden? (20. Mai 2011)

Bavaria-for-ron-paul: Opens external link in new windowHat sich Papandreou persönlich an einem CDS-Deal bereichert? (30. Mai 2011)

Das Gelbe Forum: Opens external link in new windowEintrag zum möglichen CDS-Insidergeschäft (31. Mai 2011)

Kopp Online: Opens external link in new windowGriechenland: Hochverrat und Insidergeschäfte (1. Juni 2011)

Firma

IJ Partners: Opens external link in new windowInternetseite

IJ Partners: Opens external link in new windowErklärung zu den Anschuldigungen von Panos Kammenos (19. Mai 2011)

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