Schuldenkrise: Japan stockt IWF-Mittel auf

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Christine Lagarde ist zuversichtlich, dass die Finanzausstattung des IWF durch bilaterale Kredite von Mitgliedsländern um mindestens 400 Milliarden Dollar angehoben wird. Foto: dpa

Im Kampf gegen die Schuldenkrise erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) zusätzliche Mittel von mehr als 400 Milliarden Dollar. Als erstes Land außerhalb Europas hat Japan einen konkreten Betrag zur Stärkung des Fonds in Aussicht gestellt.

Von Donnerstag (19. April) bis Sonntag finden die Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank statt. Parallel dazu kommt es zum Treffen der Finanzminister der führenden 20 Industrie- und Schwellenländer (G20).

Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigte sich IWF-Chefin Christine Lagarde zuversichtlich, dass die Finanzausstattung des Fonds durch bilaterale Kredite von Mitgliedsländern um mindestens 400 Milliarden Dollar angehoben wird. "400 Milliarden Dollar plus. Und das heißt ohne Limit", sagte Lagarde. "Meine Hoffnung ist, dass wir eine kritische Masse in dieser Woche erreichen."

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen sieht Länder wie China, Japan oder Brasilien in der Pflicht, dem IWF in der Euro-Krise mehr Mittel zu geben. Im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland forderte Asmussen die Länder dazu auf, dem IWF bei seiner Frühjahrstagung konkrete Zusagen zu geben.

Die japanische Regierung wolle dem Fonds mit Kreditlinien in Höhe von 60 Milliarden Dollar zu mehr Schlagkraft verhelfen, sagte Finanzminister Jun Azumi am Dienstag vor Journalisten. Er hoffe, dass das Beispiel Schule mache. Dem IWF müsse der Weg geebnet werden, eine Ausbreitung der Schuldenkrise über Europa hinaus zu verhindern, fügte der Minister hinzu. Lagarde würdigte Japans Engagement und forderte die Mitgliedsländer des Fonds auf, diesem Beispiel zu folgen.

Der IWF, der finanziell angeschlagenen Ländern unter die Arme greift, hatte im Januar 600 Milliarden Dollar neue Mittel beantragt. Wegen des Widerstands der USA und der Zurückhaltung wichtiger Schwellenländer dürfte sich eine Einigung auf diese Summe allerdings schwierig gestalten. In der vergangenen Woche hatte IWF-Chefin Lagarde eingeräumt, dass angesichts sinkender Wirtschaftsrisiken auch geringere Mittel ausreichen könnten. Nach Informationen aus G20-Kreisen dürften sich die größten Industrie- und Schwellenländer auf 400 bis 500 Milliarden Dollar verständigen. Die Euro-Staaten haben bereits rund 200 Milliarden Dollar zugesichert, andere Länder der Europäischen Union wollen weitere 50 Milliarden Dollar beisteuern.

Im Vorfeld der US-Präsidentenwahlen und angesichts des riesigen Haushaltsdefizits weigert sich die Regierung in Washington, dem IWF weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. Schwellenländer wie China, Brasilien und Russland knüpfen ihre Beiträge an mehr Einfluss in internationalen Finanzorganisationen.

EurActiv/rtr/dto

Links

Presse

FAZ: Lagarde "beunruhigt" über Lage spanischer Banken (17. April 2012)

The Wall Street Journal:
"Europa hat seinen Teil in der Krise geleistet" (16. April 2012) 

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