Auf Kompromisssuche vor dem Entscheidungsgipfel
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Die 2-Evro-Münze mit dem Europa auf Zeus und die 1-Evro-Münze mit der Eule der Athene: Schöne Motive, unschönes Defizit (Foto: dpa)
Aktuell - Montag 30 November 2009 - Finanzen und Wachstum
Am 2. Dezember tagt der Rat der EU-Wirtschafts- und Finanzminister. Ein Thema wird die angespannte Haushaltslage Griechenlands sein. Eine wirksame Kurskorrektur kann über das Defizitverfahren erfolgen, aber auch über die Politik, die Finanzmärkte oder die EZB. Eine Analyse der Deutschen Bank Research.
Am 2. Dezember tagt der Rat der EU-Wirtschafts- und Finanzminister. Auf der Tagesordnung des ECOFIN steht unter anderem die angespannte Haushaltslage der Mitgliedstaaten: Zum einen wird entschieden, welche der im Oktober von der Kommission angestoßenen neun Defizitverfahren nun formal eröffnet werden. Zum anderen wird Bilanz darüber gezogen, ob jene Mitgliedstaaten, die sich bereits in einem Defizitverfahren befinden, den Vorgaben der Kommission gefolgt sind.
Zu dieser letzten Gruppe gehört Griechenland: In ihrer aktuellen Herbstprognose verzeichnet die Kommission einen Schuldenstand von 99,2% des BIP. Defizite werden mit 12,7% (2009) und 12,2% (2010) des BIP prognostiziert. Angesichts dieser Entwicklungen leitete der ECOFIN bereits im April ein Defizitverfahren gegen Griechenland ein.
Wie dramatisch die Situation in Griechenland ist, zeigt ein Blick auf den Primärüberschuss. Der Primärüberschuss entspricht dem Haushaltssaldo vor Zinszahlungen und ist somit ein wichtiger Indikator zur Bestimmung der fiskalischen Nachhaltigkeit eines Landes. Um den Schuldenstand bis zum Jahr 2025 auf 60% zu drücken, müsste der Primärüberschuss bei konstantem Zinsniveau und 3% Realwachstum im Jahr bei 3,6% des BIP liegen. Im laufenden Jahr verzeichnet Griechenland jedoch ein Primärdefizit in Höhe von 7,7% des BIP.
Im Gegensatz zu anderen Ländern sind die griechischen Defizite nur in geringem Maße durch die Krise bedingt. So belaufen sich die automatischen Stabilisatoren nur auf etwa 1,5% des BIP.
Die eigentlichen Ursachen sind nicht konjunkturell, sondern strukturell: Einnahmeausfälle, etwa durch ein durchlässiges Steuersystem, summieren sich im laufenden Jahr auf 3,5% des BIP. Hinzu kommen Mehrausgaben, die in erster Linie aus hohen Kosten für einen aufgeblähten Verwaltungsapparat und hohen öffentlichen Investitionen resultieren. Sie schlagen mit 2,2% des BIP zu Buche. Dingende Abhilfe ist nötig. Doch ein aktueller Bericht der Kommission kommt zu dem Schluss, dass das Land allenfalls Maßnahmen mit einmaligem Effekt auf der Einnahmeseite getroffen hat.
Diese Situation lässt erwarten, dass der ECOFIN formal feststellen wird, dass Griechenland keine ausreichenden Maßnahmen zur Beseitigung seines Defizits getroffen hat. Dies würde dann weitere Schritte im Defizitverfahren ermöglichen, an deren Ende empfindliche Sanktionen drohen: Käme Griechenland bis Februar nicht den Vorgaben der Kommission nach, könnte es durch den Rat "in Verzug gesetzt" (vulgo: abgemahnt) werden.
Würden auch dann keine wirksamen Gegenmaßnahmen erfolgen, könnten vier Monate später (Juni 2010) Sanktionen beschlossen werden: Eine Summe in Höhe von mindestens 0,2% des BIP würde dann als "Faustpfand" für 2 Jahre unverzinslich eingezogen - und bei zwei weiteren Jahren Untätigkeit endgültig einbehalten.
Wird es so weit kommen? Kritiker des Stabilitätspakts führen oft zwei Gründe an, mit denen sie ein weiteres Fortschreiten des Defizitverfahrens bezweifeln:
Der Stabilitätspakt bleibt somit ein wirksames Instrument, fiskalisches Fehlverhalten zu sanktionieren. Doch er ist nicht das einzige Mittel, das den Druck auf Athen in den kommenden Monat erhöhen könnte. Es existieren mindestens drei weitere Hebel, die Griechenland den Weg zu mehr Haushaltsdisziplin weisen könnten.
Der Fall Griechenlands zeigt, dass eine dezentrale Fiskalpolitik in einer Währungsunion durchaus eine Herausforderung sein kann – für einzelne Staaten genauso wie für die Gemeinschaft. Er zeigt aber auch, dass die EWU diesen Herausforderungen nicht wehrlos ausgeliefert sein muss. Die EWU hat die geeigneten Korrekturinstrumente – sei es über den Rechtsweg des Defizitverfahrens, sei es über die Politik, über den Druck der Märkte oder über die unabhängige EZB. Künftig wird es darauf ankommen, dass diese Instrumente auch engagiert genutzt und klug eingesetzt werden.
Der Autor, Nicolaus Heinen, ist Analyst für Europäische Wirtschaftspolitik bei Deutsche Bank Research in Frankfurt am Main

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