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Finanzen und Wachstum


Der lettische Ministerpräsident Valdis Dombrovskis kann aufatmen - im Juli kommt frisches Geld von der EU. Foto: dpa

Der lettische Ministerpräsident Valdis Dombrovskis kann aufatmen - im Juli kommt frisches Geld von der EU. Foto: dpa

Aktuell - Dienstag 21 Juli 2009 - Finanzen und Wachstum

1,2 Milliarden Euro für Lettland bis Ende Juli

EU lockert Kreditbedingungen für Lettland

Das hochverschuldete Lettland bekommt bis Ende Juli 1,2 Milliarden Euro von der EU. Zuvor hatte die EU die Bedingungen für die Kreditzahlungen gelockert, so dass Lettland nun offiziell alle EU-Forderungen für die zweite Ratenzahlung erfüllt hat. Der IWF hält derweil seine für März geplante Kreditrate (200 Millionen Euro) weiter zurück und pocht auf weitere Reformzusagen Lettlands.

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Die EU hat wegen der "extrem verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" die Kreditbedingungen gelockert. Lettland muss demnach manche der im Januar 2009 vereinbarten Bedingungen nicht mehr erfüllen, um weitere Kreditraten von der EU zu bekommen.

"Die ursprüngliche Vereinbarung zum Haushaltsdefizit ist wegen der verschlechterten Wirtschaftslage unerreichbar geworden", heißt es im Opens external link in new windowZusatzprotokoll zum Memorandum zwischen EU und Lettland vom 13. Juli 2009 (englisch). Diese Aufweichung der Kreditkriterien war nötig, damit die EU am 15. Juli – später als geplant – die zweite Tranche in Höhe von 1,2 Milliarden Euro des EU-Kredits (insgesamt 3,1 Milliarden Euro) freigegeben konnte. Das Geld wird bis Ende Juli bei der lettischen Zentralbank verbucht. Die erste Tranche des EU-Kredits (1 Milliarde Euro) wurde bereits im Februar überwiesen. Die Laufzeit des EU-Kredits beträgt sieben Jahre.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat Lettland besonders hart getroffen, das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 18 Prozent einbrechen. Ursprünglich hatte die EU mit einem Rückgang der lettischen Wirtschaftsleistung um fünf Prozent kalkuliert.

Die Geldgeber Lettlands


Bis 2011 bekommt Lettland insgesamt 7,5 Milliarden Euro an Notkrediten von internationalen Geldgebern. Die EU steuert insgesamt 3,1 Milliarden Euro bei. Nordeuropäische Länder (Schweden, Dänemark, Finnland, Norwegen und Estland) leihen 1,9 Milliarden Euro, die Weltbank 400 Millionen Euro. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), Tschechien und Polen bringen bis zum ersten Quartal 2011 gemeinsam weitere 400 Millionen Euro auf. 1,68 Milliarden Euro will der Internationale Währungsfonds (IWF) beisteuern (siehe Opens external link in new windowIWF-Mitteilung vom 23. Dezember 2008, englisch).

Der IWF zögert mit Kreditzahlung


Der IWF hat im Dezember 2008 bereits 591,5 Millionen Euro überwiesen, insgesamt soll der IWF-Kredit in neun Raten gezahlt werden. Die Zahlungen sind an die lettischen Reformzusagen geknüpft, deren Fortschritte in den Vierteljahresberichten analysiert werden.  Den Opens external link in new windowersten Bericht hat der IWF am 17. April veröffentlicht. Die Zahlung der zweiten IWF-Kreditrate in Höhe von 200 Millionen Euro, die bereits im März fällig war, verzögert sich dennoch weiter.

Bevor die zweite Kreditrate freigegeben werde, verlange der IWF Klarheit über die lettische Haushaltsplanung für 2010, sagte Notenbankchef Ilmars Rimsevics nach Verhandlungen mit dem IWF am 16. Juli 2009.

Lettland zu harten Reformen verpflichtet


Lettland braucht die Milliardenhilfe, um sein enormes Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu halten. Zugleich hat Lettland ein drastisches Sparpaket verabschiedet, um die Kriterien der Kreditgeber zu erfüllen (siehe Opens external link in new windowEurActiv.de vom 19. Juni 2009).

So hat Lettland seinen Haushalt im laufenden Jahr um eine Milliarde Euro gekürzt. In den nächsten zwei Jahren stehen jeweils Kürzungen in gleicher Höhe an. Um das zu finanzieren, wurden die Renten um zehn Prozent gekürzt und die Gehälter im öffentlichen Dienst gesenkt.

Die drastische Wohlstandseinbruch und die damit verbundenen sozialen Einschnitte haben in Lettland zu Demonstrationen, Ausschreitungen und letztlich zum Fall der Mitte-Rechts-Regierung von Ivars Godmanis geführt. Godmanis trat am 20. Februar 2009 zurück. Seit dem 12. März 2009 führt der neue lettische Ministerpräsident Valdis Dombrovskis (Neue Zeit) eine Fünf-Parteien-Koalition.

Lettland will den Euro


Die EU sieht die zögerliche Kreditvergabe des IWF sehr kritisch. Sie will dem krisengeschüttelten Land schnellstmöglich wieder auf die Beine helfen. Immerhin strebt Lettland unverändert das Ziel an, 2012 den Euro einzuführen. Um die Kriterien für den Beitritt zur Euro-Zone zu erfüllen, müsste Lettland sein Haushaltsdefizit bis dahin auf drei Prozent drücken.

Michael Kaczmarek


Weitere Dokumente

Europäische Institutionen

Kommission: Opens external link in new windowPresseinformation zum Ergänzenden Memorandum zwischen der EU und Lettland (20. Juli 2009, englisch)
Kommission: Opens external link in new windowErgänzendes Memorandum zwischen der EU und Lettland (13. Juli 2009, englisch)
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EU-Rat: Opens external link in new windowEntscheidung des Rates über das Bestehen eines übermäßigen Defizits in Lettland (6. Juli 2009)
Kommission: Opens external link in new windowRat eröffnet Verfahren wegen übermäßiger Defizite für Lettland, Litauen, Malta, Polen und Rumänien und richtet eine neue Empfehlung an Ungarn (7. Juli 2009)
Kommission: Opens external link in new windowKommission empfiehlt Lettland Defizitkorrektur bis 2012 und beschließt zweite Darlehenszahlung (2. Juli 2009)
Kommission: Opens external link in new windowBericht über die öffentlichen Finanzen 2009: Konjunkturimpulse waren erforderlich, Gesamterfolg hängt aber von einer glaubwürdigen Rückzugsstrategie ab (23. Juni 2009)
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Kommission: Opens external link in new windowKommission ersucht Rat um Gewährung eines mittelfristigen Darlehens an Lettland im Rahmen einer koordinierten multi- und bilateralen Finanzhilfe (8. Januar 2009)
Kommission: Opens external link in new windowJoint statement by the Presidency of the Ecofin Council and the Commission on providing EU medium-term financial assistance to Latvia (19. Dezember 2008, englisch)


Internationaler Währungsfonds

IWF: Opens external link in new windowRepublic of Latvia: Stand-By Arrangement - Interim Review Under the Emergency Financing Mechanism (17. April 2009, englisch)
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IWF: Opens external link in new windowIMF Survey online: Latvia Caught in Vicious Economic Downturn (28. Mai 2009)


In den Medien
Guardian: Opens external link in new windowLatvia PM says talks with IMF tough (15. Juli 2009)
New York Times: Opens external link in new windowLatvia Says I.M.F. Is Imposing Fresh Conditions on Rescue Package (16. Juli 2009)


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