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Finanzen und Wachstum


Wer Immobilien kauft, leiht sich meist Geld. Allerdings sollten das Hypotheken-Darlehen und der Wert des Gebäudes in einem gesunden Verhältnis stehen. Foto: dpa.

Wer Immobilien kauft, leiht sich meist Geld. Allerdings sollten das Hypotheken-Darlehen und der Wert des Gebäudes in einem gesunden Verhältnis stehen. Foto: dpa.

Aktuell - Dienstag 13 Oktober 2009 - Finanzen und Wachstum

Steht Harmonisierung in der EU bevor?

EU-Kommission prüft Hypotheken-Regeln

Das Platzen der Immobilienblase in den USA läutete die Finanzkrise ein. Die EU-Kommission denkt nun darüber nach, die Regeln für die Hypothekenvergabe zu harmonisieren und zu verschärfen. Noch ist das Thema in der Planungsphase.

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Die EU-Kommission prüft, die Eigenkapitalanforderungen für Hypotheken auf EU-Ebene zu harmonisieren. Hintergrund ist die Finanzkrise, in der Kreditinstitute erhebliche Risiken auf dem Immobilienmarkt eingingen. Vor der Krise war es etwa in Großbritannien und Spanien üblich, sogar fast mittellosen Kunden Hypotheken zu gewähren. Sobald die Immobilienblase platzt und die Hauspreise sinken, können solche Geschäfte Banken in die Pleite und Häuslebauer in die Schuldenfalle reißen.

Um dieses Risiko zu mindern, denkt die EU-Kommission darüber nach, EU-weit striktere Kapitalanforderungen für die Vergabe von Hypotheken einzuführen und die EU-Eigenkapital-Richtlinie (Capital Requirements Directive) von 2006 entsprechend anzupassen. Allerdings ist das Vorhaben noch in der Planungsphase. "Das ist nichts, was bald geschehen wird, und der jetzige Kommissar wird sich nicht mehr damit befassen", sagte ein Sprecher des Binnemarktkommissars Charles McCreevy. Am 31. Oktober läuft das Mandat der jetzigen Kommission aus. Richtlinien- und Verordnungsentwürfe kann erst die neue Kommission vorlegen, die Anfang 2010 ins Amt kommen soll.

Obergrenze für billige Hypotheken?


Die Eigenkapital-Richtlinie wird seid der Finanzkrise grundlegend überabeitet. In einem Opens external link in new windowKonsultationspapier (24. Juli 2009 / Englisch) stellt Binnenmarktkommissar McCreevy mögliche Änderungen zur Diskussion. Auf Seite 31 wird eine 40 Prozent-Obergrenze für den sogenannten "loan-to-value"-Indikator vorgeschlagen, der regelt, wieviel Prozent des Immobilienwerts als Darlehen vergeben wird. Das würde bedeuten, dass der Käufer einer 100.000 Euro teuren Immobilie eine Hypothek von bis zu 40.000 Euro zu den üblichen Konditionen aufnehmen kann. Eine höhere Hypothek würde höhere Zinsen nach sich ziehen und voraussetzen, dass die Bank das Geschäft mit mehr Eigenkapital absichert, weil das Risiko offiziell steigt.

Zurzeit sind die Vorschriften zum Hypotheken-Zugang in der EU sehr unterschiedlich. Die bisherige EU-Richtlinie bleibt hier vage. Im Anhang heißt es lediglich: "Der Wert der Immobilie übersteigt die Forderungen mit einer erheblichen Marge" (Opens external link in new window2006/48/EG, S.86). Feste Grenzen sind nicht vorgesehen.

Bleibt das eigene Haus bezahlbar?


Angaben des europäischen Verbandes der Hypotheken-Anbieter (European Mortgage Federation) zufolge nutzten britische Banken im Jahr 2004 einen durchschnittlichen loan-to-value-Indikator von 87 Prozent - das heißt, sie finanzierten Immobilienkäufe fast vollständig. In Deutschland betrug der durchschnittliche Wert 71 Prozent. In Ungarn waren es nur 40 Prozent.

Die Zahlen für 2008 werden im November veröffentlicht, sie haben sich einem Sprecher der European Mortgage Federation zufolge aber nur begrenzt verändert. Der EU-Schnitt lag 2004 bei 70 Prozent.  Das bedeutet: Eine Obergrenze von 40 Prozent würde massive Folgen für die Hypotheken-Vergabe in der EU haben.

Selbst wenn es nicht zu einer solchen strikten Obergrenze kommt, dürfte eine EU-Harmonisierung der Vorschriften in vielen EU-Ländern den Hypotheken-Zugang einschränken. In Zukunft wird sich für viele die Frage neu stellen, ob der Traum von der eigenen Immobilie finanzierbar ist.

Die EU steht also vor einem Dilemma. Auf der einen Seite sollen Immobilienblasen auf Pump vermieden werden. Auf der anderen Seite soll unteren und mittlerern Einkommensklassen der Weg zum Eigentum nicht völlig versperrt bleiben.

EurActiv/awr

Links


EU-Kommission:
Konsultationspapier Opens external link in new window"Possible further changes to the capital directive" requirements (24. Juli 2009)

EU-Kommission: Opens external link in new windowÜbersicht zum Konsultaionsprozess zur Änderung der Eigenkapitalrichtlinie

Opens external link in new windowEU: Eigenkapital-Richtlinie (2006/48/EG)

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