Schäuble für EU-Präsidenten in direkter Volkswahl
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Der finnische Ex-Präsident Martti Ahtisaari wirbt für den EU-Beitritt der Tükei. Foto: dpa
Aktuell - Montag 31 August 2009 - Europa 2020 und Reformen
Ein Türkei-Beitritt bringt kaum Risken, sondern Vorteile, findet Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari, der in Kürze einen Bericht zur Beitrittsreife der Türkei vorlegt. Er wirbt für die EU-Erweiterung, für Investitionen im Kosovo und mehr Offenheit gegenüber Zuwanderern.
Martti Ahtissari (72) wird in den nächsten Tagen einen Bericht zur Beitrittsreife der Türkei vorlegen. In einem
Interview mit der österreichischen Zeitung “Die Presse” (Ausgabe vom 31. August 2009) betont der ehemalige finnische Präsident, Risken im türkischen Beitritt sehe er kaum, sondern hauptsächlich Vorteile: Die Türkei könne im Nahostkonflikt eine wichtige Rolle spielen; die türkische Gesellschaft habe sich positiv verändert; die Wirtschaft sei gewachsen. Mit seinem Bericht wolle er zu einer rationalen Debatte beitragen. Bisher habe die EU noch von jedem Beitritt profitiert.
“Ich frage mich, wie wir normale Beziehungen zur islamischen Gesellschaft haben können, wenn wir uns nicht einmal vorstellen können, einem Land wie der Türkei die Türe für eine Mitgliedschaft zu öffnen”, sagte Ahtisaari.
Die EU benötige die zugewanderten Arbeitskräfte. “Wir müssen uns darauf einstellen, mit Ausländern zu leben. Andernfalls können wir unsere Gesundheitssysteme, die Pflege von Älteren und vieles mehr nicht aufrechterhalten.” Längst gebe es einen internationalen Wettbewerb um Zuwanderer. Ohne Zuwanderer und ohne Beitritt von Türkei und Westbalkan könne die EU den hohen Lebensstandard nicht aufrecht erhalten.
Der Friedensnobelpreisträger des Jahres 2008 zeigt sich frustriert, dass es im Westbalkan trotz aller Bemühungen nur langsam zu einer Annäherung der ethnischen Gruppen komme. Dennoch würden es Länder wie der Kosovo schaffen, ohne internationale Aufsicht ihren eigenen Weg zu gehen. Die ökonomischen Voraussetzungen dafür müssten der Internationale Währungsfonds, die Weltbank sowie die europäischen Finanzinstitute schaffen.
Der Kosovo mit den großen Kohlevorkommen habe im Energiesektor große Chancen. “Und zum ethnischen Problem: Serben wie Kosovaren müssen wissen, dass sie niemals Mitglieder der EU werden können, wenn es ihnen nicht gelingt, friedlich zusammenzuleben”, sagte Ahtisaari zur “Presse”.
Wenn die CDU und Stimmen aus anderen Ländern einen Aufnahmestopp nach dem Kroatien-Beitritt verlangten, habe das negative Folgen auf die Friedensbemühungen auf dem Westbalkan und drohe die Glaubwürdigkeit der EU zu zerstören. “Wir haben die Regel, dass alle Länder Mitglied werden können, die dafür die notwendigen Voraussetzungen erfüllen.”

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