Josipović: "Kroatien träumt europäischen Traum"

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Der kroatische Präsident Ivo Josipović möchte europäische Werte auf dem Balkan verbreiten. Foto: dpa

Die anhaltende Euro-Krise könnte die Attraktivität der EU gefährden, warnte Kroatiens Präsident Ivo Josipović im Interview mit EurActiv. Er wolle die europäischen Werte auf dem Balkan verbreiten, denn dort werde noch der europäische Traum geträumt. Für viele Europäer sei die EU-Mitgliedschaft dagegen inzwischen zu selbstverständlich.

Während die EU intensiv über Lösungen für ihre frühen Fehlkonstruktionen debattiert, gibt es von den Nachbarn lobende Worte. Die EU ist ein "sehr gutes Projekt", sagte der Präsident Kroatiens Ivo Josipović im Interview mit EurActiv am Rande einer Konferenz in Brüssel.

Die Kroaten würden heute noch von Europa träumen, während die EU für viele Europäer inzwischen eine Selbstverständlichkeit geworden sei. Josipović erinnerte an die Entstehungsphase der Union, die von Motivation, Visionen und Diskussionen geprägt gewesen sei.

Derzeit streiten sich die Europäer über den richtigen Weg aus der Euro-Krise, doch das sei kein Grund zur Sorge, so Josipović. Vielmehr könnten dadurch gute Ideen und konstruktive Kritik erzielt werden. Die Kroaten sehen die EU-Länder trotz der Krise als hochentwickelt und erfolgreicher als andere Länder an, in denen der Alltag leichter ist. "Das macht den europäischen Traum weiterhin attraktiv", doch falls "wir die Krise nicht überwinden, kann es passieren, dass dieser wichtige Anziehungsgrund verschwindet. Und das wird sich auf die Zukunft des europäischen Projekts auswirken", so Josipović gegenüber EurActiv.

Kroatien, das zum 1. Juli 2013 als 28. Mitglied in die Union aufgenommen wird, hoffe durch den EU-Beitritt auf wirtschaftliche Vorteile und eine bessere Lebensqualität, erklärte Josipović die Erwartungen der Kroaten.

Beziehungen zu Serbien

Im EurActiv-Interview sprach Josipović zudem über die Entwicklung auf dem Westlichen Balkan. So hätten sich die Beziehungen zum Nachbarstaat Serbien in den vergangenen Jahren verbessert. Josipović hoffe, dass sich dieser Trend mit dem neuen Präsidenten Tomislav Nikolić fortsetzen werde. Nikolić habe zwar einer radikalen Partei angehört, doch jeder könne sich ändern, so Josipović. Einen EU-Beitritt Serbiens sieht er trotzdem erst in frühestens zehn Jahren. "Es lohnt sich diese Zeit zu investieren, Anstrengungen zu unternehmen, um wirkliche Reformen durchzuführen und dann der EU beizutreten."

Josipović sieht sein Land bereit, "europäische Werte, Freundschaft und Zusammenarbeit" auf dem Balkan zu verbreiten. Von der EU forderte er dazu eine "klare Strategie, nicht nur für den Westlichen Balkan, sondern auch für den Mittelmeerraum und für die Beziehungen zu Mitteleuropa sowie allen post-kommunistischen Staaten Europas". Kroatien sei bereit, als "Protagonist für Transformationsprozesse und Europäisierung" in der Region aufzutreten.

Polyphon, aber ohne Kakophonie

Der Präsident, Musiker und Komponist Josipović, der derzeit an einer Oper zu John Lennons Mörder Mark Chapman arbeitet, könnte sich eine Oper zur Europäischen Union nur als 28-stimmiges Werk vorstellen. "Ich hoffe es wird eine Oper mit einem Happy End. Polyphon, aber hoffentlich keine Kakophonie."

EurActiv

Links

EurActiv.com: Europe? An opera with a happy ending, says Croatian President

EurActiv.com: Full transcript of the interview with Ivo Josipović, the president of Croatia

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