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Erweiterung und Nachbarn


EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle (re.) im Gespräch mit dem montenegrinischen Parlamentspräsidenten Ranko Krivokapić. Foto: EC

EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle (re.) im Gespräch mit dem montenegrinischen Parlamentspräsidenten Ranko Krivokapić. Foto: EC

Aktuell - Mittwoch 10 Oktober 2012 - Erweiterung und Nachbarn

EU-Erweiterungspaket 2012

EU-Erweiterung: Späte Lehren aus bisherigen Beitritten

Die EU-Kommission hat das "Erweiterungspaket 2012" vorgestellt. Neben den einzelnen Fortschrittsberichten zu den Kandidatenländern liegt diesmal auch ein Strategiepapier zur Erweiterung vor. Darin werden die Fehler bisheriger EU-Beitritte zumindest indirekt eingeräumt.

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Die EU-Kommission hat am Mittwoch (10. Oktober) ihr alljährliches Erweiterungspaket Opens external link in new windowvorgelegt. In insgesamt neun Berichten analysiert die Brüsseler Behörde Fortschritte, Rückschritte und noch offene Probleme in den Beitritts- und Kandidatenländern Opens external link in new windowAlbanien, Opens external link in new windowBosnien-Herzegowina, Opens external link in new windowKroatien, Opens external link in new windowMazedonien, Opens external link in new windowIsland, Opens external link in new windowKosovo, Opens external link in new windowMontenegro, Opens external link in new windowSerbien und Opens external link in new windowTürkei.

Die Kommission hat das Erweiterungspaket 2012 diesmal um ein Opens external link in new windowStrategiepapier zur Erweiterung ergänzt. Darin listen die Beamten zunächst die Erfolge der bisherigen EU-Erweiterung auf und gehen dann auf die Probleme ein.

Bulgarien, Rumänien, Ungarn


Die Erfahrung jüngster Erweiterungen und die Probleme in den Kandidatenländern hätten deutlich gemacht, wie wichtig es sei, das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit in den Mittelpunkt der Erweiterungspolitik zu rücken, heißt es in dem Strategiepapier.

Die EU-Kommission hat bei diesen Einschätzungen offenbar auch die Entwicklungen in Bulgarien und Rumänien im Blick. Beide Länder erfüllen auch nach fünf Jahren EU-Mitgliedschaft nicht die Beitrittsbedingungen. (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 19. Juli 2012). In Rumänien ist zudem im Sommer der Machtkampf zwischen dem sozialistischen Regierungschef Victor Ponta und dem konservativen Präsidenten Traian Băsescu so sehr eskaliert, dass einzelne Verfassungsrichter unter Druck gesetzt und mit dem Tode bedroht wurden (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 9. August).

Auch die politischen Entwicklungen in Ungarn werden seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Viktor Orbán von vielen EU-Partnern kritisch beäugt. So hatte das Europaparlament Mitte Februar mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Liberalen, Grünen und der Linken eine Resolution zur Lage in Ungarn verabschiedet. Darin zeigt sich das Parlament "zutiefst besorgt über die Lage in Ungarn in Bezug auf die Praxis der Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit, die Achtung und den Schutz der Menschenrechte und der sozialen Rechte, die Gewaltenteilung, die Gleichheit und das Diskriminierungsverbot" (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 17. Februar 2012).

Probleme, Probleme, Probleme


Die anhaltenden Probleme Rumäniens und Bulgariens - organisierte Kriminalität, Korruption und ein mangelhaftes Justizwesen - sind auch in den meisten Kandidatenländern ungelöst. Bei den Bürgerrechten, Minderheitenrechten und den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Rechte hätten die Kandidatenländern ebenfalls erhebliche Probleme, heißt es in dem EU-Strategiepapier. Zwar seien diese Grundrechte zumeist auf dem Papier garantiert, in der Praxis jedoch noch nicht fest verankert.

Die Meinungsfreiheit ist in einigen Kandidatenländern ebenfalls gefährdet, wobei die Kommission auf eine ganze Reihe von Problemen hinweist: politische Einmischung, wirtschaftlicher Druck, Selbstzensur, unzureichender Schutz von Journalisten vor Bedrohung und gewaltsamen Übergriffen. Die Kommission hebt dabei die Türkei als Negativbeispiel hervor, da dort die Meinungsfreiheit nicht vom Gesetz garantiert werde. Die Lage in der Türkei werfe ernste Bedenken auf, schreibt die EU-Kommission und verweist auf den unangemessenen Druck auf die Medien und die vielen Gerichtsprozesse und Untersuchungen gegen Journalisten.

Lehren für die Zukunft


Die Kommission kündigte in dem Strategiepapier an, sie werde künftig stärker darauf achten, dass in den Kandidatenländern die europäischen Grundrechte eingehalten werden, die Unabhängigkeit der Justiz gewahrt und die organisierte Kriminalität und Korruption bekämpft wird.

Da die Umsetzung der Reformen sehr langwierig ist, werden die entsprechenden Verhandlungskapitel künftig frühzeitig in den Beitrittsverhandlungen angegangen. Neu ist, dass der Rat dabei zunächst Zwischenziele definiert. Erst wenn diese vom Beitrittskandidat erreicht wurden, legt der Rat die Endziele für das jeweilige Kapitel fest.

Michael Kaczmarek

Links


EU-Kommission:
Opens external link in new window2012 Strategiepapiere und Fortschrittsberichte

Zum Thema auf EurActiv.de


Opens external link in new windowTodesdrohungen gegen Rumäniens Richter
(9. August 2012)

Opens external link in new windowBulgarien und Rumänien bleiben unter EU-Aufsicht (19. Juli 2012)

Opens external link in new windowEU-Parlament zutiefst besorgt über Lage in Ungarn (17. Februar 2012)

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