Energiekonzerne vor neuer Effizienzordnung

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Energieunternehmen werden zu Energieeinsparungen von 1,5 Prozent unter den Endverbrauchern angehalten werden. Das sieht nach Informationen von EurActiv ein Richtlinienentwurf vor, der ein neues System von Audits und Einsparverpflichtungen zum Inhalt hat.

Die großen Strom-, Kohle-, Gas und Ölunternehmen sollen künftig alle drei Jahre einem Effizienz-Audit unterworfen werden. Dem Entwurf entsprechend sollen die Prüfungsverfahren von unabhängigen Experten durchgeführt werden.

Wirkungsvoll, angemessen und abschreckend sollen die angedrohten Strafen sein, falls die Anforderungen zu Energiesparmaßnahmen, den Audits, den intelligenten Zählern (Smart Meters) und den Rechnungsdaten nicht eingehalten werden.

Die Kommission würde Richtlinien veröffentlichen, wie mit den Energiesparzielen umzugehen sei, wenn die Endverbraucher die Energiebezugsquelle umstellen, also von Heizöl auf Gas, von Gas auf Fernwärme oder von Gas auf Strom.

Für Neukunden des Netzwerks und in Mehrfamilienhäusern sollen Wärmezähler installiert werden, die den Wärme- und Kälteverbrauch jeder Wohnung individuell messen.

Mitgliedsstaaten sollen die Möglichkeit haben, kleine Energievertriebsunternehmen und private Energiefirmen von der Berichtspflicht auszunehmen.

Der Richtlinienentwurf soll dazu beitragen, dass die EU das Ziel der zwanzigprozentigen  Steigerung der Energieeffizienz bis 2020 erreicht.

Zur Zeit wird der Entwurf von verschiedenen Abteilungen der Kommission geprüft. Die Veröffentlichung ist für Ende Juni vorgesehen.

Gemischte Reaktionen

Die Reaktionen darauf sind jedoch gemischt. Die Vertreter der Wirtschaft scheinen generell glücklicher damit zu sein als die Umweltschützer.

Sam Rowe, Sprecher des Europäischen Erdölindustrieverbandes, Europia, begrüßte den Vorstoß der Kommission.

Der Verband unterstützt die politische Stoßrichtung der 1,5-prozentigen Energieeinsparung voll und ganz. Energieeffizient stehe auf der Tagesordnung ganz oben, sagt Europia zu EurActiv.

Sam Rowe begrüßte auch die offensichtliche Verwässerung der Festlegung der Europäischen Kommission, die Effizienzziele 2013 bindend zu machen.

Die Umweltschützer jedoch beklagten die Abkehrt von Brüssel. Nach Zahlen von "Friends oft he Earth" würde die 1,5-prozentige Energieeinsparung nur dem Energiewert von 12 Millionen Tonnen Rohöleinheit (Mtoe) im ersten Jahr entsprechen, also nur einem Bruchteil der 368 Millionen Tonnen Rohöleinheit (Mtoe), die die EU bis 2020 eingespart haben muss.

"Im Prinzip hört sich das gut an", so Klimaschützer Brook Riley von Friends of the Earth im Gespräch mit EurActiv. "Aber wenn man sich das genauer anschaut, ist das wirklich schwach."

Er erklärte, dass die Richtlinie weiterhin die dreiprozentige Renovierungsquote für öffentliche Gebäude pro Jahr zu Ziel habe, doch dass für den sozialen Wohnungsbau Ausnahmen gelten können. Grund dafür sind die signifikanten Lasten, die auf die öffentlichen Etats zukommen würden.

Öffentliche Gebäude machen nur 12 Prozent des Gebäudebestands in Europa aus. Wenn der Sozialwohnbau ausgenommen wird, wird der Energiespareffekt deutlich geringer ausfallen als erwartet.

Stefan Scheuer, Lobbyist und Berater von zivilgesellschaftlichen Organisationen bei Umweltthemen, sagte, dass die neue Renovierungsquote einen größeren Schritt nach vorne darstelle.

Das Rätsel mit den Gebäuderenovierungen

Aber die Effizienz der Maßnahmen dürfte von den dazugehörigen Kostenoptimierungsvorschriften abhängen, die derzeit in Brüssel diskutiert werden.

Randall Bowie, Energieberater für Rückwool, der 2006 den Energieeffizienz-Aktionsplan der Kommission und die Energie-Dienstleistungsrichtlinie konzipiert hat, sagte EurActiv, dass die Regulierung auch die gesellschaftlichen Kosten einer Gebäuderenovierung beinhalten sollten.

Falls nicht, würde seiner Ansicht nach das Kostenoptimum auf einem sehr schwachen Niveau angesetzt, und die Renovierungen würden dementsprechend wenig anspruchsvoll durchgeführt werden.

Die Richtlinie weicht auch von den ursprünglichen  Ambitionen des Energieeffizienzplans bei Gebäuderenovierungen ab. Dort ist von der bestmöglichen Energieleistungsklasse die Rede. Doch nun werden als Ziel nur noch Mindest-Energieleistungsanforderungen angegeben.

Das sei enttäuschend, sagte ein Sprecher der EuroAce - einer Allianz von Unternehmen für mehr Energieeffizienz in Gebäuden – zu EurActiv. "Auf der Nachfrageseite könnte das durchaus ehrgeiziger sein."

Weitere Maßnahmen, die in der Richtlinie vorgesehen sind, sehen vor, dass alle EU-Bürger Zugang zu Smart Meters haben. Damit können sie ihren Strom- oder Gasverbrauch möglichst wirtschaftlich gestalten.

Jährliche Berichte

Mitgliedsstaaten sollen jedes Jahr an die Kommission berichte, und im Dreijahresrhythmus sollen sie über ihre Fortschritte beim EU-2020-Ziel berichten.

Doch Scheuer sah ein Hauptproblem darin, dass es in den Nationalen Reform-Programmen (NRP) gar keine gemeinsame Methodik gibt, mit der die Kommission diese 2020-Fortschrittsberichte bewerten könnte.

"Wir haben uns die ersten zehn Pläne der Mitgliedsstaaten angesehen, die vorige Woche hereinkamen, und als wir sie vergleichen wollten, ergaben sie keinen Sinn", sagte er zu EurActiv. Denn jedes Land berichte etwas Anderes – oder berichte gar nichts.

Während Belgien das Primärziel der EU zu Energieeinsparungen eingehalten habe, habe etwa Großbritannien hat kein einziges Energieeffizienz-Ziel vorgelegt; Deutschland habe seine Primärziele gegen die Grundlinie  von  2008 eingesandt; Finnland hatte das Ziel einer zehnprozentigen Kürzung in der nationalen Grundlinie entgegen dem vorgesehene Terrawatt-Stunden-Verbrauch von 2020.

Auf dieser Basis könne die Kommission die Situation nicht zuverlässig prüfen, sagte er.

2013 soll Brüssel entscheiden, ob die Mitgliedsstaaten auf dem richtigen Weg sind, ihre 2020-Ziele zu erreichen, und ob die Effizienzziele möglicherweise verbindlich gemacht werden müssen.

Positionen: 

Zeitplan: 
  • Ende Juni 2011: Kommission wird Vorschläge für eine neue Energieeffizienz-Richtlinie vorlegen
  • 2013: Kommission wird die Energieeffizienzziele prüfen und entscheiden, ob sie verbindlich gemacht werden müssen.
Links: 
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