Geopolitische Aspekte der EU-Energieversorgung [DE]

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Als einer der weltgrößten Importeure von Erdöl, Erdgas und Kohle ist die EU ein wichtiger Akteur auf dem internationalen Weltenergiemarkt. Politisch spielt die EU jedoch eine untergeordnete Rolle, da ihre Mitgliedstaaten im Bereich der Außenpolitik nach wie vor weitgehend das Sagen haben. Doch die Abhängigkeit der EU-Länder von Importen wächst und die EU hat daher begonnen, energiepolitische Aspekte in ihre Beziehungen zu Drittländern zu integrieren. EurActiv liefert eine Übersicht über Energieangebot und –transport im Hinblick auf die wichtigsten Regionen.

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Übersicht

Die Erdöl- und Gasreserven auf der Erde sind ungleichmäßig verteilt. Die größten Reserven befinden sich in Regionen, die politisch und/oder wirtschaftlich instabil sind (etwa im Nahen Osten und Russland). Die Öl- und Gasfelder in der Nordsee sind allmählich erschöpft, wodurch sich die Abhängigkeit Europas von Drittländern vergrößert.  

Ein Grünbuch der Kommission über die Sicherheit der Energieversorgung (November 2000) zeichnet ein ernüchterndes Bild der Energiesituation in der EU. Sollte nichts gegen die gegenwärtige Entwicklung unternommen werden, wird die Energieabhängigkeit der EU von 50% im Jahr 2000 auf 70% im Jahr 2030 wachsen. Für die einzelnen Energieträger sieht die Kommission folgende Entwicklungen:


Erdöl
:

  • 45 % der Ölimporte kommen derzeit aus dem Nahen Osten.
  • Bis 2030 müssen 90% des EU-Ölverbrauchs von Importen gedeckt werden.


Erdgas

  • 40 % der EU-Gasimporte stammen derzeit aus Russland (30 % aus Algerien, 25 % aus Norwegen).
  • Bis 2030 werden 60 % aller Gasimporte voraussichtlich aus Russland kommen und die Abhängigkeitsrate auf 80 % steigen. 


Kohle
:

  • Bis 2030 wird 66% des Bedarfs in der EU von Importen gedeckt werden müssen. 


Politikentwicklungen auf EU-Ebene:

Da geopolitische Aspekte der EU-Energiepolitik in den Bereich der Außenpolitik fallen, sind allein die Mitgliedstaaten hierfür zuständig. 

Der Konflikt über Erdgas zwischen der Ukraine und Russland im Jnauar 2006 machte die Abhängigkeit Europas von Ölimporten und die Nachteile von 25 unterschiedlichen Ansätzen bei den Außenbeziehungen mit Energielieferanten deutlich (EurActiv 4. Januar 2006). Die Liberalisierung der EU-Gas- und Strommärkte und die Kompetenzhoheit der EU in Beziehungen mit Drittstaaten haben die Frage auf die politische Tagesordnung gesetzt. 

Am 8. März 2006 hat die Kommission ein Grünbuch mit Maßnahmen, um "nachhaltige, wettbewerbsfähige und sichere" Energielieferungen für Europa sicherzustellen, vorgelegt. Ein Hauptaspekt ist der Aufbau einer gemeinsamen Energie-Außenpolitik,  um die Beziehungen mit Lieferantenstaaten wie Russland und den Opec-Staaten zu koordinieren (siehe EurActiv LinksDossier).

Am 10. Januar 2007 hat die Kommission eine Mitteilung zur neuen Energiepolitik für Europa angenommen, in der sie feststellt: „Energiefragen müssen zu einem zentralen Bestandteil der außenpolitischen Beziehungen der EU werden“. Dieser Mitteilung folgten die Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 8. und 9. März 2007, die einen Zweijahresplan (2007- 2009) vorzeichneten, der Empfehlungen für die Ausweitung und Stärkung der internationalen Energiebeziehungen der EU enthielt.

Eine neue hochrangige Gruppe, die als EU-Netz von Energiesicherheits-Korrespondenten bekannt ist, wurde am 10. Mai 2007 zur Überwachung der Energiesicherheit einberufen, insbesondere in Hinsicht auf die östlichen Grenzen der EU (EurActiv vom 10. Mai 2007).

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