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Energie und Klimaschutz


EU-Energiekommissar Günther Oettinger denkt über die Harmonisierung der Ökostrom-Förderung nach. Kommt der große Wurf für Europas CO2-freie Stromversorgung? Foto: EC.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger denkt über die Harmonisierung der Ökostrom-Förderung nach. Kommt der große Wurf für Europas CO2-freie Stromversorgung? Foto: EC.

Aktuell - Freitag 6 August 2010 - Energie und Klimaschutz

Energiekommissar will CO2-freie Stromproduktion

Oettinger drängt auf europäische Ökostromförderung

Günther Oettinger wagt sich an eine der größten Herausforderungen der EU-Energiepolitik: Den europäischen Rechtsrahmen für die Einspeisung von Ökostrom. Eine Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) sieht mögliche Harmonisierungsgewinne von 174 Milliarden Euro bis 2020.

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EU-Energiekommissar Günther Oettinger ist für vereinheitlichte Einspeiseregeln Erneuerbarer Energie in Europa, Opens external link in new windowberichtet heute die Financial Times Deutschland. "Wir brauchen einen europäischen Rechtsrahmen, der den Zugang zu den Netzen regelt", sagte Oettinger der FTD. Die Förderungssysteme in den Mitgliedsstaaten sind bislang unterschiedlich. Bereits Anfang Juli signalisierte Oettinger, das Thema stehe auf der Agenda (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 9. Juli 2010). Um Verunsicherungen zu vermeiden, soll für bestehende Anlagen und Vergütungen Bestandsschutz bestehen, so Oettinger. 

Oettinger kündigte entsprechende Beratungen mit den EU-Energieministern Anfang September an. Dabei soll es um Mindestmengen für die Abnahme von Ökostrom und die Vergütungsmodelle gehen. Derzeit gibt es zwei Wege, die Erneuerbaren zu fördern. Die in Deutschland erfundene Einspeisevergütung und eine Quotenregelung, wie sie Großbritannien praktiziert. Bei letzterer müssen die Versorger bestimmte Mengen an Ökostrom einkaufen. 

Oettinger steht hinter dem deutschen Modell. Deutschland hat mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in der EU eine Führungsposition bei der Ökostromerzeugung erreicht und ist unter anderem zum größten Markt für Photovoltaik aufgestiegen. Es garantiere einen "fairen Preis", so Oettinger Anfang Juli.

Hans-Josef Fell (MdB), energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag fordert die Einführung des EEG auf EU-Ebene. "Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat sich als vorbildlich, kosteneffizient und erfolgreich erwiesen", so Fell in einem Opens external link in new windowStandpunkt auf EurActiv.de. "Einige europäische Länder haben das Gesetz bereits übernommen, in der EU sollte es über eine Richtlinie für alle verpflichtend werden".

Europas Weg zu 100 Prozent Ökostrom


Die Kommission hat bereits mehrfach versucht, die nationalen Regelungen zur Förderung erneuerbarer Energien zu harmonisieren, auch um die grenzüberschreitende Produktion und Nutzung zu vereinfachen. Allerdings stellte sie in ihrem letzten Bericht 2008 fest, dass eine Harmonisierung den Markt stören könnte, indem etablierte, nationale Förderregelungen abgeschafft werden.

Derzeit steht unter anderem zur Debatte, wie Solarstrom aus dem Mittelmeerraum in den europäischen Energiemarkt integriert werden kann. Hierzu wäre ein Ausbau der Infrastruktur erforderlich, etwa der Leitungen zwischen Marokko, Tunesien, Spanien, Frankreich und Italien. "Vielleicht brauchen wir europaweite Garantien und europaweite Preise, um die notwendigen Investitionen anzustoßen", sagte Oettinger Anfang Juli.

Einheitliche Förderungssysteme sind auch für Nutzung der Offshore-Windenergie wichtig. Sonst besteht die Gefahr, dass die Betreiber der Anlagen in Nord- und Ostsee mit ihrem Strom auf den jeweils höchstgeförderten Markt drängen, was die Netze überfordern könnte.

Oettinger sagte gegenüber der FTD, dass Europa seine Energieprobleme nicht national lösen könne. "Wir wollen eine europaweite Infrastruktur und mit deren Hilfe den Binnenmarkt beim Strom durchsetzen", so der Kommissar. "Das heißt aber, dass Strom häufiger nicht in dem Land verbraucht wird, in dem er produziert wird." Ziel sei eine weitgehend CO2-freie Stromproduktion im Jahr 2050.

Oettinger skizzierte die Agenda der EU-Energiepolitik bis 2020 bzw. 2050 jüngst in einer Opens external link in new windowRede.

EWI-Studie liefert Oettinger Argumente


Das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) der Universität Köln hat Ende April in einer Opens external link in new windowStudie die Förderungspraxis in der EU untersucht (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 23. April 2010). In Europa werde "nicht an den Standorten investiert, wo die Stromgestehungskosten am geringsten sind, sondern dort, wo die staatliche Förderung am höchsten ist", schreiben die EWI-Experten. Eine Harmonisierung der Förderung würde dagegen dazu führen, dass die erneuerbaren Energien an den besten Standorten zuerst ausgebaut würden. Die Wissenschaftler errechnen in ihrer Studie Effizienzgewinne von 174 Milliarden Euro im Zeitraum von 2008 bis 2020, sollte sich der Ausbau an geografischen Potenzialen orientieren statt an nationalen Fördersystemen.

awr

Mehr zum Thema

EurActiv.de: Opens external link in new windowOettinger: "Wir brauchen ein europäisches EEG" (9. Juli 2010)

FTD: Opens external link in new windowEU will Ökostrom regulieren (6. August 2010)

Links

EU-Kommission: Opens external link in new windowDie Europäische Energiestrategie 2011 bis 2020. Rede von Energiekommissar Günther Oettinger (30. Juni 2010)

EU-Kommission: Opens external link in new windowSpeech at the Presentation of Greenpeace/DLR – Study "Energy [R]evolution" on the future of European energy use (8. Juli 2010)

EU-Kommission: Opens external link in new windowTransparenzplattform zu den Nationalen Energieaktionsplänen 

EU: Opens external link in new windowRichtlinie 2009/28/EG zur Förderung Erneuerbarer Energien

Energiewirtschaftliches Institut Köln (EWI): Opens external link in new windowEuropean RES-E Policy Analysis. A model based analysis of RES-E deployment on the conventional power market (26. April 2010)


Hinweis: Mehr zur zukünftigen EU-Energiepolitik finden Sie im Opens external link in new  windowEurActiv.de Yellow Paper. Die Sonderpublikation versammelt Analysen, Visionen, Ideen und Forderungen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Aktuelle Standpunkte und Interviews zur EU-Energiepolitik:

Oliver Geden (SWP): Opens external link in new windowWas kommt nach dem Zwei-Grad-Ziel? (27. Juli 2010)

Heinz Smital: Opens external link in new windowITER - "Kernfusionsforscher blenden die Politik" (15. Juni 2010)

Friedrich Führ (Desertec Foundation): Opens external link in new window"Desertec ist keine Utopie" (14. Juni 2010)

Gregor Czisch: Opens external link in new windowDie Vision vom Super Grid (8. März 2010)

Christian Ehler (CDU):
Opens external link in new windowKlimaziele: "Herausforderung ist enorm" (2. Juni 2010)

Michaele Schreyer: Opens external link in new window"Europa ist reich" (4. Mai 2010)

Umweltrat-Generalsekretär Christian Hey: Opens external link in new window"Die Brücke steht schon" (5. Mai 2010)

Michael Laubsch (ETG): Opens external link in new windowDas Abenteuer Turkmenistan (18. Mai 2010)

IEP-Experte Severin Fischer: Opens external link in new windowHedegaard hat eine Lawine losgetreten (27. Mai 2010)

Götz Reichert und Jan S. Voßwinkel (beide CEP): Opens external link in new windowKlima-Alleingang der EU: Kosten ohne Nutzen (1. Juni 2010)

Oliver Geden (SWP): Opens external link in new windowMehr Binnenmarkt, weniger Außenpolitik! (18. März 2010)

In der Reihe "EU Quo Vadis - Standpunkte zur Energiepolitik" sind auf EurActiv.de erschienen:

Christian Hey: Opens external link in new windowEuropas Weg zu 100 Prozent Ökostrom (11. März 2010)
Manuel Sarrazin:
Opens external link in new windowAutonomie oder Verflechtung? (10. März 2010)
Rebecca Harms: Opens external link in new windowKein Platz für Kohle und Atom (10. März 2010)
Lutz Mez:
Opens external link in new windowAtom-Renaissance – Viel Rauch um Nichts? (10. März 2010)
Michaele Schreyer:
Opens external link in new windowWeg zur EU-Energiewende (8. März 2010)
Reinhard Loske: Opens external link in new window"Den Konsumismus überlisten" (8. März 2010)
Fritz Reusswig:Opens external link in new window Opens external link in new window"Wir brauchen die dritte industrielle Revolution" (1. März 2010)
Hans-Josef Fell: Opens external link in new window"Weitgehendes Versagen der EU-Energiepolitik" (1. März 2010)

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