Pipelines: Nabucco und TAP im Finale um Shah Deniz II

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Pipelines drohen vielfältige Gefahren. Foto: Nabucco-pipeline.com

Die Pipeline-Projekte Nabucco und TAP konkurrieren um einen Vertrag für den geplanten Erdgas-Transport von Aserbaidschan nach Europa. Beide Konsortien sehen sich im Vorteil, um den Zuschlag vom Shah Deniz II-Konsortium zu bekommen, sagte Vertreter beider Seiten im Gespräch mit EurActiv Brüssel. Die Entscheidung fällt in wenigen Monaten.

Die Pipeline-Projekte Nabucco und TAP scheinen schon weit fortgeschrittenen. Ein erstes Anzeichen dafür ist, dass sie  zumindest beim Routenverlauf nicht mehr als Konkurrenten auftreten: Nabucco West plant eine 1.326 km lange  Pipeline mit einem Durchmesser von 122 cm von der türkischen Grenze über Bulgarien, Rumänien, Ungarn bis in das österreichische Verteilerzentrum für Erdgas in Baumgarten, in der Nähe von Wien. Im Gegensatz dazu soll durch die Trans-Adriatic Pipeline (TAP) auf einer Länge von 800 km (ebenfalls bei einem Durchmesser von 122 cm) das Gas von Griechenland durch Albanien und die Adria in das süditalienische Santa Foca transportiert werden.

Beide Pipelines wollen ab 2017 das Erdgas vom Gasfeld Shah Deniz II im Kaspischen Meer nach Europa zu transportieren. Das Gas aus Shah Deniz reicht jedoch nur für eine Pipeline. Erst wenn andere Quellen, beispielsweise aus dem Irak oder Iran, erschlossen werden, würden zwei Pipelines gebraucht. Derzeit sieht es so aus, dass das Shah Deniz- II-Konsortium mit seiner Entscheidung für eine Pipeline zugleich das Aus für die andere Pipeline besiegelt.

Am Shah Deniz II-Konsortium sind beteiligt, BP (Großbritannien) Statoil (Norwegen), Total (Frankreich) und der aserbaidschanische Staatskonzerns SOCAR. Nabucco und TAP müssen bis Ende März die endgültigen Projektunterlagen beim Konsortium einreichen. Die Entscheidung soll dann spätestens Ende Juni fallen.

" Vorzeigeprojekt Nabucco"

"Nabucco bleibt das Vorzeigeprojekt des Südlichen Korridors", sagte Firmensprecherin Nayana Jayarajan gegenüber EurActiv Brüssel. Am Nabucco-Konsortium sind jeweils zu 16,67 Prozent folgende Energiekonzerne beteiligt: OMV (Österreich), RWE (Deutschland), Transgaz (Russland), MOL (Ungarn), BOTAS (Türkei), BEH (Bulgarien).

Der "Südliche Korridor" (siehe Grafik) bezieht sich auf mehrere Pipeline-Projekte, die die EU mit Erdgas versorgen sollen. Die EU will damit bei den Gaslieferungen unabhängiger von Russland werden.

Jayarajan sagte, das Nabucco-Projekt sei in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase, auch bei den technischen Vorbereitungen. Die Umweltverträglichkeitsprüfungen seien in Ungarn schon abgeschlossen und in den anderen Staaten "weit vorangeschritten". Nabucco mache zudem "Fortschritte" beim Erfüllen der rechtlichen Rahmenbedingungen in den betreffenden Staaten, so Jayarajan.

Sie betonte, dass die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages sowie der Vereinbarung einer Kapital- und Finanzierungsoption mit dem Shah Deniz-Konsortium in Wien vergangene Woche "ein klares Zeichen für das Vertrauen der Investoren in das Projekt" sei. Die Nabucco-Gesellschaft hatte der Shah Deniz-Gruppe zuvor, am 10. Januar, eine Beteiligung von 50 Prozent angeboten, falls sie sich für die Pipeline als ihre europäische Exportroute entschieden.

Die nächsten Schritte für Nabucco wären die Fertigstellung der technischen Arbeiten und der Abschluss der Umweltverträglichkeitsprüfungen. Dazu kommt die Koordination ihrer Vorhaben mit Shah Deniz und der angekündigten Trans-Anatolian Gas Pipeline (TANAP), ein Projekt zwischen Aserbaidschan und der Türkei über eine 5,6 Milliarden Euro teure Pipeline, die sich über 2.000 km durch die Türkei nach Europa erstreckt.

"TAP ist fortgeschrittener"

Michael Hoffman, der das TAP-Projekt vertritt, sieht dagegen die eigene Pipeline im Vorteil. Am TAP-Konsortium sind beteiligt Axpo (42,5 Prozent, Schweiz), Statoil (42,5 Prozent, Norwegen) and E.ON Ruhrgas (15 Prozent, Deutschland).

Hoffman sagte im Gespräch mit EurActiv, dass TAP fortgeschrittener als Nabucco sei und widersprach Medienberichten, laut denen TAP der Shah Deniz-Gruppe eine Beteiligung erst angeboten hätte, nachdem Nabucco diesen Schritt gegangen sei.

"TAP hat eine Kooperationsvereinbarung mit Shah Deniz-Gesellschaftern im Juni 2012 unterschrieben. Seit dem 1. August besteht eine Kapital- und Finanzierungsvereinbarung – Nabucco West unterzeichnete die gleiche Vereinbarung am 18. Januar 2013. Zusätzlich stimmte TAP einem Gesellschaftervertrag mit Shah Deniz zu, der im November 2012 unterschrieben wurde. Dieser beschreibt, wie die das Firmenmanagement mit den neuen Teilhabern, inklusive SOCAR, aussehen würde", so Hoffman.

"Nabucco West ist noch nicht so weit wie wir. Ich denke nicht, dass sie bereits einen Gesellschaftervertrag haben", sagte der TAP-Vertreter. Jayaran sagte dagegen, es werde einen Vertrag zwischen den Nabucco-Gesellschaftern und den Shah Deniz II-Gesellschaftern geben, sobald es eine endgültige positive Entscheidung über den Verlauf der Pipeline gebe.

Der Vertreter von TAP ergänzte, auch die Verhandlungen für ein zwischenstaatliches Abkommen gingen "extrem gut" voran. "Höchstwahrscheinlich" würden Mitte Februar die drei beteiligten Regierungen Griechenland, Albanien und Italien ein zwischenstaatliches Abkommen zu TAP unterzeichnen.

Auf die Frage, ob TAP und Nabucco West parallel existieren könnten, antwortete Hoffman, dass für die Anfangsphase 10 Milliarden m³  von Shah Deniz erwartet werden. Die Kapazität von Nabucco West erlaube einen anpassbaren Transport zwischen 10 und 23 m³ pro Jahr, während TAP für eine Transportkapazität von 10 bis 20 m³ pro Jahr ausgelegt sei, je nach Angebot und Nachfrage."Demnach sieht es wahrscheinlich so aus, dass im Juni nur eine Pipeline ausgewählt werden kann", so Hoffman.

EurActiv Brüssel

EurActiv Brüssel: Race between Nabucco and TAP pipeline hots up (31. Januar 2013)

Übersetzung: Othmara Glas

Links

Websites der Pipeline-Projekte

Nabucco
TAP
SOCAR

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