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Energie und Klimaschutz


In den USA ist Fracking seit 2005 auf dem Vormarsch, in Europa hoch umstritten. Im Europaparlament hat der Industrieausschuss die Vorteile von Schiefergas und Schieferöl in den Vordergrund gestellt, der Umweltausschuss die Risiken deren Förderung. Foto: dpa

In den USA ist Fracking seit 2005 auf dem Vormarsch, in Europa hoch umstritten. Im Europaparlament hat der Industrieausschuss die Vorteile von Schiefergas und Schieferöl in den Vordergrund gestellt, der Umweltausschuss die Risiken deren Förderung. Foto: dpa

Aktuell - Donnerstag 20 September 2012 - Energie und Klimaschutz

Energiesicherheit versus Umweltbedenken

Fracking: EU-Parlamentarier uneins über Schiefergas

Die Erdgasförderung "Fracking" ist umstritten - auch im Europaparlament. Während der Industrieausschuss die Erkundung der Schiefergas- und Schieferölressourcen in Europa vorantreiben will, fordert der Umweltausschuss dafür strengere Umweltschutzauflagen.

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Im Europaparlament wird derzeit darüber gestritten, ob sich der Schiefergasboom in den USA auch in Europa fortsetzen sollte. Der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie verabschiedete am 18. September einen Bericht, der auf die Vorteile der Schiefergasförderung und ihre Bedeutung für Energiesicherheit in Europa hinweist. Tags darauf nahmen die Abgeordneten des Umweltausschusses einen separat ausgearbeiteten Bericht an, der die EU-Kommission und staatliche Behörden auffordert, mögliche Gefahren der Schiefergasförderung genau zu prüfen.

Im Oktober werden die EU-Abgeordneten im Plenum über die Berichte der beiden Ausschüsse abstimmen. Beide Initiativberichte sind allerdings nicht Teil eines Gesetzgebungsprozesses und somit nicht rechtlich bindend.

Gebot in Deutschland, Verbot in Frankreich


Der Umgang mit dem Hydraulic Fracturing (Fracking) ist in Europa sehr umstritten. Einige EU-Staaten - Polen, Österreich, Deutschland, die Niederlande, Schweden, Großbritannien -  haben bereits Probebohrungen bewilligt. Andere Staaten wie Frankreich, Rumänien und Bulgarien haben sich gegen den Abbau von Schiefergas ausgesprochen. Frankreichs Präsident François Hollande hatte vorige Woche Opens external link in new windowangeordnet, dass alle sieben Anträge auf Hydraulic Fracturing abgelehnt werden. Er begründete die Entscheidung damit dass "niemand, wirklich niemand" Risiken für Gesundheit und Umwelt ausschließen könne, die eine Förderung von unkonventionellem Erdgas und Erdöl in Schiefergestein mit sich bringen könne.

In Deutschland soll das "Fracking" dagegen nicht verboten werden. Zu diesem Schluss kam ein Anfang September vorgestelltes Gutachten des Umweltministeriums. Allerdings sollten Fracking-Vorhaben in Deutschland nur unter strengen Auflagen genehmigt und wissenschaftlich begleitetet werden (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 6. September).

Riskante Förderung von Schiefergas


Um Schiefergas zu fördern, muss Wasser unter sehr hohem Druck in mehrere hundert Meter tiefe Bohrlöcher gepresst werden. Allein für die Bohrung werden rund 2,3 bis 4 Millionen Liter Wasser benötigt. Die anschließende Gasförderung schlägt mit weiteren 8 bis 14 Millionen Litern Wasser zu Buche. Da dem Bohrwasser Chemikalien zugesetzt werden, kann dabei auch Grundwasser verschmutzt werden. Misslingt das Abpumpen des Bohrwasser könnten auch anliegenden Seen und Flüsse verschmutzt werden. Wie bei Erdwärmebohrungen kann es auch zu lokalen Erdbeben kommen.

Reaktionen


"Wer Energiesicherheit ernst nimmt, darf keine Technik von vorne herein verdammen. Wir Europäer sollten zumindest vorurteilsfrei prüfen, ob die Schiefergastechnik machbar ist und unsere Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren kann. Dass wir dabei keine Risiken für Umwelt und Gesundheit eingehen dürfen, ist vollkommen klar. Die USA sind dabei nicht unbedingt unser Vorbild", sagte der Herbert Reul, Mitglied des Industrieausschusses und Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament. Europa könne nur dann seine Energiesicherheit entscheidend steigern, wenn die Energiepotentiale länder- und regionenspezifisch bestmöglich genutzt werden. "Tabus darf es dabei keine geben", sagte Reul.

Reinhard Bütikofer, industriepolitischer Sprecher der Grünen und stellvertretender Vorsitzender seiner Fraktion im Europaparlament, kritisierte das Votum des Industrieausschusses, wonach das gegenwärtige europäische Regelwerk für Schiefergas ausreiche. Neue Studien seien nicht in die Abwägung einbezogen worden. Zudem müsse das europäische Regelwerk zu Schiefergas rasch um Umweltverträglichkeitsprüfungen ergänzt werden, forderte Bütikofer.

Nach der Abstimmung im Umweltausschuss über die Auswirkungen von Tätigkeiten zur Gewinnung von Schiefergas und Schieferöl, erklärte  der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen, dass bei der Förderung "größte Vorsicht" geboten sei. "Wir brauchen strenge Auflagen, um den Schutz der Umwelt und Gesundheit zu garantieren", sagte Leinen. Daher sei eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor jeglicher Bohrung notwendig. Durch die Förderung dürften keine negativen Auswirkungen auf die Boden- und Wasserqualität und dadurch auf die Gesundheit der Bürger entstehen. "Solange die Umwelt- und Klimafreundlichkeit dieser Technologie nicht gesichert ist, sollten die Mitgliedstaaten Genehmigungen zur Förderung von Schiefergas aussetzen", so Jo Leinen.

Michael Kaczmarek

Links


EurActiv Brüssel:Opens external link in new window MEPs divided on whether EU should regulate shale gas (20. september 2012)

Dokumente

EU-Parlament: Opens external link in new windowSo funktioniert die Schiefergasförderung (19. September 2012)

Élysée: Opens external link in new windowDiscours du Président de la République à l'occasion de la Conférence environnementale (14. September 2012)

BMU und UBA: Opens external link in new windowFracking nur mit strengen Auflagen zulassen (6. September 2012)

UBA:
Opens external link in new windowStellungnahme zur Schiefergasförderung in Deutschland (Dezember 2011)

NABU:
Opens external link in new windowNABU warnt vor Risiken beim Fracking (6. September 2012)

EU-Kommission:
Opens external link in new windowFahrplan für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaft bis 2050 (8. März 2011)

Zum Thema auf EurActiv.de


Yellow Paper:
Opens external link in new windowHydraulic Fracturing (Juni 2012)

Opens external link in new windowHollande: Aus für AKW Fessenheim und Fracking (17. September 2012)

Opens external link in new windowNeues Umweltgutachten: Kein Verbot von Fracking (6. September 2012)

Opens external link in new windowOettinger: Gas-Fracking kann weitergehen (30. Januar 2012)

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