EurActiv.de

Anzeige

Sektionen

Services

Über uns

Medien-Partner

Anzeige

Energie und Klimaschutz


Alte Handys könnten bald begehrter Elektro-Schrott sein. Darin stecken Seltene Erden. Foto: Benjamin Klack / pixelio.de.

Alte Handys könnten bald begehrter Elektro-Schrott sein. Darin stecken Seltene Erden. Foto: Benjamin Klack / pixelio.de.

Aktuell - Dienstag 1 Februar 2011 - Ressourcen und Umwelt

Ökoinstitut legt Strategie vor

Europäisches Recyclingsystem für Seltene Erden?

Handys, Energiesparlampen, Elektroautos - viele Produkte kommen nicht ohne Seltene Erden aus. China besitzt ein Monopol auf die begehrten Rohstoffe - und treibt derzeit die Preise nach oben. Während die EU-Kommission mit einer Versorgungs-Strategie hadert, legt das deutsche Ökoinstitut ein europäisches Konzept vor. Die Wirtschaftsvereinigung Metalle dämpft allerdings hohe Erwartungen an das Recycling.

Anzeige

Das deutsche Ökoinstitut und der grüne EU-Abgeordnete Reinhard Bütikofer haben am Montag eine Opens external link in new windowStudie zu "Seltenen Erden" Opens external link in new windowvorgestellt. Unter dem Begriff werden 17 chemischen Elemente gefasst. Bei sieben davon ist die Versorgungslage derzeit kritisch, so die Studie. Mehr als 95 Prozent des Weltverbrauchs stammen aus China. Peking kündigte jüngst an, die Ausfuhr  in der ersten Jahreshälfte 2011 faktisch um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu drosseln (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 30. Dezember 2011).

Seltene Erden stecken in vielen High-Tech-Produkten, etwa in Batterien, LED-Lampen und Magneten. Auch grüne Zukunftstechnologien wie die Elektromobilität, Windturbinen und die magnetische Kühlung benötigen die Metalle.

Gutachter fordern Europäisches Kompetenzzentrum


Das Ökoinstitut empfiehlt eine europäische Strategie, um der Verknappung zu begegnen. Fokus ist das bislang aufwendige und wenig erforschte Recycling. Europa gehört heute zu den weltweit größten Seltenen-Erden-Konsumenten. Mittelfristig würden deshalb bedeutende Mengen an Seltenen Erden in den zukünftigen Abfallströmen anfallen, so das Ökoinstitut. Die Gutachter schlagen den Aufbau eines "Europäischen Seltene-Erden-Kompetenz-Netzwerks" vor. Da es einige Jahre dauern werde, bis alle technischen, wirtschaftlichen und juristischen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Recyclingsystem geschaffen sind, solle jetzt mit dem Aufbau begonnen werden.

Ähnlich argumentiert auch Friedbert Pflüger, Direktor des European Centre for Energy and Resource Security (EUCERS) am King’s College London. "Zunächst muss die Recycling-Quote in Europa wesentlich verbessert werden", so der frühere CDU-Staatssekretär in einem Opens external link in new windowStandpunkt auf EurActiv.de. Im Opens external link in new windowEurActiv-Interview warnt Pflüger vor einem drohenden Rohstoffimperialismus.

Rohstoffstrategie: Europa kommt nicht voran


Die EU-Kommission hat die Veröffentlichung einer europäischen Rohstoffstrategie mehrmals verschoben. Hintergrund waren zuletzt Unstimmigkeiten mit Frankreich (Opens external link in new windowEurActiv.de vom 26. Januar 2011). Paris drängt darauf, die Rolle von Rohstoff-Spekulanten kritisch zu bewerten. In der EU-Strategie soll es nicht nur um Seltene Erden, sondern um sämtliche knappen Rohstoffe gehen, auch im Agrarbereich.

Unklar bleibt bislang, ob die Europäer das Thema gemeinsam angehen oder ob sie untereinander konkurrieren. Die Bundesregierung hat Ende vergangenen Jahres eine Opens external link in new windowDeutsche Rohstoffagentur gegründet und eine nationale Opens external link in new windowRohstoffstrategie vorgelegt. Darin heißt es: "Die Bundesregierung unterstützt die EU-Kommission in ihren Bemühungen, die Rohstoffsicherung der Gemeinschaftsindustrien weiter zu verbessern."

"Recycling-System wird europäischen Bedarf nicht decken"


"Wer keinen Zugang zu Seltenen Erden hat, droht den Innovationswettlauf zu verlieren", warnte Bütikofer am Montag. Martin Kneer, Hauptgeschäftsführer der WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM), ergänzte, bei der Frage der Seltenen Erden gehe es um die "globale Verteilung von Zukunftsmöglichkeiten". Kneer wies auf die besondere Problematik für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) hin. Diesen falle es schwerer als Großunternehmen, eine Beschaffungsstrategie zu entwickeln und sich zum Beispiel mit China zu arrangieren.

Kneer dämpfte Erwartungen an das Recycling. "Nur über ein geschlossenes Recycling-System wird es nicht möglich sein, den europäischen Bedarf auch nur annährend zu decken." 

Bütikofer kündigte an, sich mit Blick auf das kommende 8. Forschungsrahmenprogramm der EU dafür einzusetzen, dass Mittel in die Erforschung des Recyclings Seltener Erden fließen. 

awr

Links


Ökoinstitut:
Opens external link in new windowStudy on Rare Earths and Their Recycling (Januar 2011)

BMWi: Opens external link in new windowRohstoffstrategie der Bundesregierung (Oktober 2010)

BMWi: Opens external link in new windowDeutschen Rohstoffagentur

EU-Kommission: Opens external link in new windowA resource-efficient Europe – Flagship initiative of the Europe 2020 Strategy (26. Januar 2011)

EU-Kommission: Opens external link in new windowKnappe Ressourcen intelligenter nutzen: Kommission startet Leitinitiative für nachhaltiges Wachstum. Pressemitteilung (26. Januar 2011)
 
Mehr zum Thema auf EurActiv.de

Opens external link in new windowRohstoffstrategie: Ärger über neue Verschiebung (26. Januar 2011)

Opens external link in new windowDeutschland braucht ein Bergbauunternehmen – mit Bundesbeteiligung (18. Januar 2011)

Opens external link in new windowDrohender Energie- und Rohstoffimperialismus (7. Januar 2011)

Opens external link in new windowChina fährt Export Seltener Erden drastisch zurück (30. Dezember 2010)

Öffnet externen Link in neuem FensterZeitenwende in China: "Das Ende westlicher Dominanz" (28. Dezember 2010)

RSS

Agenda

Anzeige
Anzeige